Erdbeben in Italien Berlusconi vergleicht Notlager mit "Wochenend-Camping"

Rund 17.000 Menschen sind nach dem Erdbeben in Mittelitalien obdachlos, Angst geht um in den Notlagern - die Worte des Ministerpräsidenten müssen ihnen da wie Hohn erscheinen. Silvio Berlusconi fand bei einem Besuch wenig einfühlsame Worte: "Man muss es eben nehmen wie ein Camping-Wochenende."


Berlin - Seit Tagen harren sie in Zelten und provisorischen Unterkünften aus, viele Menschen, die bei dem verheerenden Erdbeben in Mittelitalien ihr Dach über dem Kopf verloren haben, schlafen in Autos - aus Angst vor Nachbeben.

Freiwillige Helfer des Zivilschutzes verteilen warme Decken und heiße Getränke. Nachts fallen die Temperaturen stark, in den Zelten ist es bei vier bis sechs Grad empfindlich kalt. Die Situation ist durch Angst gekennzeichnet: Die Menschen wissen nicht, ob sie je in ihre Häuser zurückkehren können - sofern diese noch stehen.

Immer wieder erschüttern zudem heftige Nachbeben die Region, so dass viele es vorziehen, die Nacht im Auto zu verbringen. So können sie in der Nähe der beschädigten Häuser bleiben. In den vergangenen Tagen gab es immer wieder Meldungen von geplünderten Gebäuden. Auch bietet das Schlafen im Wagen die Möglichkeit, der Kälte durch die Heizung zu trotzen.

Im Laufe des Donnerstags soll sich für einen Teil der Menschen entscheiden, ob sie in ihre Häuser zurückkehren dürfen.

Italiens Ministerpräsident fand bei einem Besuch vor Ort in einem der Lager wenig einfühlsame Worte. Er verglich die Lage der obdachlos gewordenen Erdbebenopfer in den Abruzzen mit einem Campingurlaub. In den Ohren der Menschen müssen seine Worte zynisch geklungen haben.

Den in Zeltlagern untergebrachten Menschen fehle es an nichts, sagte er dem Fernsehsender NTV bei einem Besuch vor Ort. Sie hätten warmes Essen und medizinische Versorgung. "Natürlich" sei ihre Unterbringung "absolut provisorisch, aber man muss es eben nehmen wie ein Camping-Wochenende".

Durch das schwere Beben in der Nacht zum Montag mit mindestens 250 Toten verloren rund 17.000 Menschen ihr Zuhause. Die meisten wurden in Zeltlagern in der Nähe der schwer zerstörten Regionalhauptstadt L'Aquila untergebracht.

Die italienische Nachrichtenagentur Ansa meldet unterdessen, dass die Staatsanwaltschaft von L'Aquila erste Ermittlungen aufgenommen hat, um die mögliche Verantwortung für die Schäden infolge des Erdbebens zu überprüfen.

Die Annahme eines Verschuldens würde den Straftatbestand der Fahrlässigkeit beinhalten, jedoch gibt es derzeit noch keine konkreten Untersuchungen. Bislang wird noch gegen Unbekannt ermittelt. "Sollten sich Anzeichen für konkrete Verantwortlichkeiten ergeben, werden wir weitere Schritte einleiten", so Staatsanwalt Alfredo Rossini.

SPIEGEL WISSEN: Erdbeben in Italien
Erdbeben 2009 in L‘Aquila
Am 6. April 2009 bebte in der Region Abruzzen um die mittelalterliche Stadt L‘Aquila nachts um 3.32 Uhr die Erde. Das Beben hatte nach verschiedenen Messungen eine Stärke von 5,8 bis 6,3 auf der Richter-Skala . Mehr als 290 Menschen kamen ums Leben, Schätzungen zufolge wurden rund 17.000 Menschen obdachlos.
2002 in San Giuliano di Puglia (Region Molise)
Bei einem Erdbeben der Stärke 5,3 auf der Richter-Skala starben am 31. Oktober 2002 in San Giuliano di Puglia (Region Molise) 30 Menschen - darunter 26 Kinder, die unter den Trümmern ihrer baufälligen Schule verschüttet wurden.
1997 in Umbrien und Marken
Ein Beben der Stärke 5,7 auf der Richter-Skala beschädigte am 26. September 1997 in den Apennin-Regionen Umbrien und Marken in 77 Orten etwa 9000 Gebäude. Insgesamt starben zwölf Menschen. Schwere Schäden erlitt auch die Basilika San Francesco von Assisi , in der sich weltberühmte Fresken von Giotto und Cimabue befinden. Als ihr Dach einstürzte, starben vier Menschen. Der Gesamtschaden des Bebens wird auf umgerechnet mindestens 2,56 Milliarden Euro beziffert.
1980 in Irpinia
Ein Erdbeben der Stärke 6,8 auf der Richter-Skala erschütterte am 23. November 1980 das süditalienische Gebiet Irpinia . Über 3000 Menschen verloren ihr Leben, rund zehntausend Menschen wurden verletzt.
1976 in Friaul
Bei einem Erdbeben der Stärke 6,5 auf der Richter-Skala in Friaul kamen im Mai 1976 etwa 970 Menschen ums Leben, 70.000 Menschen wurden obdachlos. Die Erdstöße waren bis nach Bayern spürbar.
1915 in Avezzano
Am 13. Janur 1915 gab schon einmal ein schweres Erdbeben in der Provinz L’Aquila . Das Epizentrum lag in der der Stadt Avezzano , die vollständig zerstört wurde. Das Beben der Stärke 7,5 auf der Richter-Skala forderte nach Schätzungen fast 30.000 Todesopfer.
1908 in Messina (Sizilien)
Am 28. Dezember 1908 erschütterte eines der schwersten Erdbeben Europas mit einer Stärke von 7,5 auf der Richter-Skala die sizilianische Stadt Messina und die Region Südkalabrien . Mehr als hunderttausend Menschen starben.

han/AFP

Forum - Erdbeben-Gefahr - Gibt es ausreichenden Schutz in Europa?
insgesamt 309 Beiträge
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Seite 1
IsArenas, 06.04.2009
1.
Zitat von sysopIn Italien sind mindestens 31 Menschen bei einem Erdbeben der Stärke 5,8 auf der Richterskala ums Leben gekommen. Gibt es ausreichenden Schutz in Europa? Diskutieren Sie mit!
In Italien gewiss nicht. Viele neue, als erdbebensicher geltende Gebäude (seit dem großen Beben in Messina /Reggio Calabria von 1908 sind theoretisch sowieso alle Gebäude per Gesetz "erdbebensicher") sind heute Nacht/Morgen eingestürzt wie Kartenhäuser. Außerdem sind Erdbeben einfach zu unkalkulierbar, die Werte auf den Skalen sagen nicht viel aus. Der Zivilschutz geht jetzt davon aus, das Epizentrum habe nur 5 km unter der Erdoberfläche gelegen. Im Übrigen denke ich, dass es gegen die gewaltigen Verschiebungen der afrikanischen Platte gegen Norden (die Alpen wachsen immer noch!) letztlich keinen Schutz gibt, außer vielleicht aus bestimmten Zonen wegzuziehen -- da gibt es in Italien aber noch viel gefährlichere Gegenden als die Abbruzzen, wo es ja ständig bebt...
ntholeboha 06.04.2009
2. Nein!
Zitat von sysopIn Italien sind mindestens 31 Menschen bei einem Erdbeben der Stärke 5,8 auf der Richterskala ums Leben gekommen. Gibt es ausreichenden Schutz in Europa? Diskutieren Sie mit!
Auch mit modernsten und in der Zukunft noch besseren Instrumentarien sowie vielfaeltigen Vorsorgen wird es keinen ausreichenden Schutz in Europa geben koennen. Sicher Panikmache waere ebenso unangebracht aber wir leben nun einmal quasi auf einem recht aktiven Pulverfass. Eindaemmungen von Gefahren sind sicher weiterhin denkbar. Es gibt jedoch auch Punkte, die es mit zu beruecksichtigen gilt: Warum z. B. muessen sich Menschen am Fusse von Vulkanen ansiedeln? Sind die Einwohner von Gefahrengebieten ausreichend ueber die gegebenen Situationen informiert und wie sind sie auf etwaige Naturereignisse vorbereitet? Wer kann mit absoluter Sicherheit sagen, wie sich das Erdinnere kuenftig auch in sicherer geglaubten Gebieten entwickeln wird? Und nicht zuletzt: warum 'nur' ueber Europa nachdenken im Zeitalter der Globalisierung? Die eigenen Fehlleistungen beim Umgang mit unserer Umwelt sind dabei noch gar nicht beruecksichtigt. Ausserdem mutet es auch seltsam an, Katastrophen dann als solche zu postulieren wenn es um Menschenleben geht - als ein Teil der gesamten Erde, die uns nicht aber die wir brauchen.
ebert 06.04.2009
3. Schäden?
Erstaunlich ist, dass ein Beben mit "nur" 5,7 auf der Richterskala (laut Landeserdbebendienst Freiburg übrigens in 10km Tiefe) solche Schäden verursacht. Das Beben 2004 im Kandelwald hat trotz 5,4 lediglich zu einzelnen Gebäuderissen und herunterfallenden Dachziegeln geführt. Wird in Italien anders gebaut?
Mo2 06.04.2009
4. Und
Berlusconi möchte Atomkraftwerke bauen, schön mit sandigem Mafia-Beton...
Lottofreak 06.04.2009
5. Sicherheit gibt es wohl nur begrenzt in
Zitat von sysopIn Italien sind mindestens 31 Menschen bei einem Erdbeben der Stärke 5,8 auf der Richterskala ums Leben gekommen. Gibt es ausreichenden Schutz in Europa? Diskutieren Sie mit!
statisch korrekten und auf tiefem Fundament gebauten Häusern. Wie man aus dem Süden eben leider nur zu gut weiß wurde und wird dort noch immer beim Bau arg gepfuscht und gespart wo es nur geht.Billigbeton, dünne tragende Wände, schlechter Stahl oder kaum einer... ec. - Bin kein Bau Ingeneur aber soviel sagt mir mein gesunder Verstand, daß ein Objekt welches fast nur auf Sand oder lösigem Boden gebaut ist eben schneller einstürzt als ein Haus fest auf/in Beton verankert. Ich selber wohne in einem 80 Jahre altem 3stöckig. 4 Kant Altbaublock mit Innenhof in Bayern - die Bausubstanz ist erbärmlich verkommen und es gibt schon viele Risse in Wohnungen - außerdem ist der Pfusch unverkennbar, keine Wohnung gleicht der anderen d.h. es haben unendlich viele unterschiedliche Leute hier rumgebaut.... bei einem Edbebeben dieser Stärke - Oh Gnade Gott..... würde hier alles ebenso zusammenbröseln- ein gruseliger Gedanke - ich wohne nämlich Parterre.....
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