Angst vor Nachbeben Nur noch raus aus Kathmandu

Zerstörte Häuser, Nachbeben und immer weniger Nahrungsmittel: Zwei Tage nach dem Erdbeben versuchen Tausende, die Metropole Kathmandu zu verlassen. Die Straßen sind verstopft, am Flughafen bilden sich lange Schlangen.


Die Straßen, die aus der nepalesischen Metropole Kathmandu herausführen, sind überfüllt. Menschen tragen Kleinkinder auf dem Arm, manche versuchen auf vorbeifahrende Busse zu klettern oder einen Platz in Autos und Lkw zu ergattern. Ihr Ziel: raus aus der Hauptstadt, hin zum Flughafen. Dort haben sich lange Schlangen gebildet, viele Mitarbeiter sind nicht zur Arbeit erschienen.

Zwei Tage nach dem verheerenden Erdbeben in Nepal haben am Montag Tausende Menschen Kathmandu verlassen. Viele hatten die Nacht erneut im Freien verbracht. Noch immer erschüttern Nachbeben die Hauptstadt, viele Häuser sind zerstört. "Wir sind auf der Flucht", sagte Krishna Muktari, der bis vor zwei Tagen einen Lebensmittelladen betrieb.

"Das ist ein Albtraum, warum hören diese Nachbeben nicht auf?", sagt die 70-jährige Sanu Ranjitkar. Viele Überlebende in den Notunterkünften verfügten lediglich über Plastikdecken, um sich vor Kälte und Regen zu schützen. "Alle sind verängstigt und verwirrt, niemand weiß, was wir als nächstes tun sollen", sagte Bijay Sreshth, der mit seiner Familie in einen Park flüchtete.

Auch die Versorgungslage spitzt sich zu. Obwohl die internationale Hilfe anläuft und erste Rettungsteams und Lieferungen in Nepal eingetroffen sind, werden in den Supermärkten die Grundnahrungsmittel knapp. Vor Tankstellen bildeten sich lange Schlangen. Ein Regierungsvertreter erklärte, es gebe dringenden Bedarf an Trinkwasser. Auch die Rettungsmaßnahmen müssten ausgeweitet werden, hieß es. "Wir brauchen mehr Hubschrauber für die ländlichen Gegenden", sagte ein Sprecher.

Die Behörden in Nepal gehen bislang von mindestens 4352 Toten aus. Knapp 100 Menschen sollen zudem in den Nachbarländern China und Indien ums Leben gekommen sein. Der Chef des Katastrophenschutzes, Rameshwor Dangal, sagte, wenn die Retter die zahlreichen zerstörten Dörfer erreichen würden, müsse mit einem sprunghaften Anstieg der Opferzahlen gerechnet werden.

brk/Reuters/AFP

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