Himalaya Dutzende Tote bei neuem Erdbeben in Nepal

Es ist das zweite heftige Erdbeben binnen kurzer Zeit: In Nepal sind offiziellen Angaben zufolge mindestens 42 Menschen ums Leben gekommen, mehr als tausend wurden verletzt.

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Schon wieder hat es Nepal getroffen. Bei einem heftigen Erdbeben sind Dutzende Menschen in dem Himalaya-Staat gestorben. Bislang seien 42 Tote geborgen worden, teilte das nepalesische Innenministerium mit. Mehr als 1100 Menschen wurden den Angaben zufolge verletzt. Zahlreiche Gebäude - durch das Beben vor 17 Tagen schon instabil geworden - stürzten ein.

Weitere Opfer werden befürchtet. Am Neuen Markt in Nepals Hauptstadt sei ein fünfstöckiges Haus in sich zusammengestürzt, sagte ein Polizeisprecher. "Wir fürchten, dass es Tote gibt, denn neben dem Gebäude stand ein Taxi. Wir versuchen, es zu finden." Rettungsteams sind im Einsatz.

Nach Angaben des Deutschen Geoforschungszentrums in Potsdam hatte das Beben die Stärke 7,2 und lag nur zehn Kilometer unter der Erdoberfläche. Zunächst war von einer Stärke von 7,4 die Rede gewesen. Die US-Behörde Geological Survey gab eine Stärke von 7,3 und eine Tiefe von 18,5 Kilometern an.

Beben in Nepal: Karte der US-Behörde Geological Survey
DPA/ USGS

Beben in Nepal: Karte der US-Behörde Geological Survey

Das Epizentrum des Bebens lag an der Grenze zwischen Nepal und dem chinesischen Tibet, östlich von Kathmandu. Vor zweieinhalb Wochen - beim verheerenden Beben der Stärke 7,8 - hatte das Epizentrum westlich der nepalesischen Hauptstadt gelegen. Nach Angaben der Behörden starben dabei allein in Nepal mindestens 8100 Menschen. In Indien waren 79 Menschen ums Leben gekommen, in Tibet waren es 25 Menschen.

Auch diesmal gibt es Todesopfer in Nachbarstaaten Nepals. In Indien kamen offiziellen Angaben zufolge 17 Menschen ums Leben. Die meisten der Opfer seien im Bundesstaat Bihar gestorben, sagte ein Sprecher des Innenministeriums in Neu-Delhi. In China starb mindestens eine Frau infolge der Erdstöße. Sie sei von herabstürzenden Steinen erschlagen worden, berichtete die chinesische Nachrichtenagentur China News Service.

Das ganze Ausmaß der erneuten Katastrophe ist noch unklar: "Wir bekommen noch immer viele Berichte über Opfer und Schäden herein", sagte Ram Kumar Dangal, Chef der Katastrophenhilfe Nepals. In dem armen Land dürfte vor allem die in der Nähe des Epizentrums gelegene Region Sindhupalchock stark betroffen sein.

"In einigen Dörfern in diesen Gegenden erwarten wir völlige Zerstörung", sagte Laxmi Dhakal vom Innenministerium. Erdrutsche hätten ganze Siedlungen unter sich begraben. Mitarbeiter des norwegischen Roten Kreuzes berichteten von "einigen Toten" und "vielen Verletzten" in Chautara, der Hauptstadt des Distrikts. Viele Häuser in dem Ort sollen eingestürzt sein. In der Stadt sind seit dem ersten Beben viele internationale Hilfskräfte stationiert.

"Es herrscht großes Chaos"

Ein Teil des deutschen Malteser-Teams in Nepal erreichte eigenen Angaben zufolge inzwischen die Stadt Dhulikhel, östlich von Kathmandu. "Es herrscht großes Chaos", teilte die Leiterin des Nothilfe-Einsatzes, Marie Theres Benner, per SMS mit. Viele weitere Gebäude seien eingestürzt oder schwer beschädigt, die Menschen in Panik auf die Straßen gelaufen.

Hilfsorganisationen warnten vor neuen Komplikationen. Derzeit sei "noch nicht genau abzusehen, was die aktuelle Erdbebenserie für die Hilfsmaßnahmen vor Ort bedeutet", teilte die Welthungerhilfe mit. Die Kinderhilfsorganisation World Vision erklärte, das neue Beben zeige, "welchen Gefahren die Menschen in Nepal nach wie vor ausgesetzt sind".

Die Schäden des vorangegangenen Bebens sind noch nicht erfasst, da verschlimmern die erneuten Erschütterungen die Traumata der Überlebenden. "Wir spürten es, und plötzlich rannten die Menschen in alle Richtungen", berichtet Suresh Sharma, die sich zum Zeitpunkt des neuen Bebens auf einem Gemüsemarkt in Kathmandu aufhielt. Die Situation sei "sehr beängstigend" gewesen, und sie habe Mühe, sich von dem Schock wieder zu erholen, sagt die 63-Jährige.

Im Video: Erneut Erdbeben in Nepal

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wit/dpa/Reuters/AP/AFP

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