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Erneutes Beben in Nepal: "Wir haben jedes Vertrauen verloren"

Aus Kathmandu berichtet Stefanie Glinski

REUTERS

Die Menschen in Nepal hatten gerade begonnen, neuen Mut zu fassen - jetzt wurde das Land erneut von einem schweren Beben getroffen. Die Verzweiflung ist zurück.

"In der letzten Woche haben wir Fortschritte gemacht", erzählt ein Gemüsehändler. Nepal, das vom Beben schwer getroffene Land, hatte die erste Schockstarre überwunden, Menschen begannen mit dem Wiederaufbau, trotz der immensen Zerstörung, trotz der Angst vor einem schweren Nachbeben. Und nun? "Nun sind wir wieder genau da, wo wir vor zwei Wochen waren." Dann schiebt der Mann einen Satz hinterher: "Wir haben jedes Vertrauen in unser Land verloren."

Neben ihm sitzt eine junge Frau in einem gelben Sari und weint. Sie ist allein, sie ist verzweifelt. Die Straßen sind voller Menschen, die hilflos auf und ab laufen. Motorroller fahren schnell durch die engen Straßen, jeder sucht einen offenen, sicheren Platz.

Die Verzweiflung scheint noch größer als am 25. April, als Nepal von einem Erdbeben schwer getroffen wurde. Trotz der Angst, trotz der vielen kleinen Nachbeben: Niemand hat eine weitere Katastrophe wirklich erwartet. Nach Angaben des Deutschen Geoforschungszentrums in Potsdam erreichte das Beben am Dienstag eine Stärke von 7,2.

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Nepal: Schon wieder bebt die Erde
Das Erdbeben, dessen Zentrum nahe der Chinesischen Grenze in der Everest Region lag, hat weitere Gebäude zerstört. "Das Haus meiner Schwester in Thamel ist in sich zusammengefallen", sagt der Gemüsehändler leise. Sein kleiner Laden ist nun geschlossen, wahrscheinlich für den Rest der Woche, meint er.

Nach Angaben der nepalesischen Regierung wurden bereits mehrere Hubschrauber in die Everest Region geschickt. Der Flughafen wurde kurz nach dem Erdbeben wieder geöffnet. "Die genaue Anzahl der Todesopfer ist noch unbekannt, das kann man so früh nicht sagen", sagt Sagar Mani Parajuli, ein Beamter des Innenministeriums.

Die Karte zeigt das Epizentrum des erneuten Bebens in Nepal Zur Großansicht
DPA/ USGS

Die Karte zeigt das Epizentrum des erneuten Bebens in Nepal

Das Ministerium spricht bisher von 58 Toten und rund 1100 Verletzten. Doch die Zahlen werden weiter steigen, nach und nach werden die Meldungen aus den Dörfern eintreffen. Ob auch Europäer unter den Opfern sind, ist noch nicht sicher. "Wir hoffen, dass die meisten Touristen das Land bereits verlassen haben. Vor allem in der Everest Region wandert jetzt niemand", erklärt Soman Lama, ein Bergführer und Reiseunternehmer.

Vor allem außerhalb von Kathmandu ist die Situation weiterhin kritisch. Das Dorf Khokana wurde bereits während des ersten Erdbebens stark getroffen, am Dienstag fielen weitere Gebäude in sich zusammen. Noch am Vormittag waren hier zahlreiche Hilfsorganisationen mit Aufbauarbeiten beschäftigt, nun ist das Dorf wie ausgestorben. Viele Häuser sind akut einsturzgefährdet, der große Tempel mitten auf dem Dorfplatz ist in eine bedrohliche Schieflage geraten.

Rocco Smail, ein französischer Feuerwehrmann und Sanitäter, war in Khokana, als die Erde erneut bebte. Er habe zusehen müssen, wie Häuser in Wolken aus dickem Staub verschwanden. "Die Häuser, die noch stehen, werden bei dem kleinsten Beben umfallen." Smail versorgte in den letzten Wochen auch Kinder eines Kinderheims. Die Kinder seien körperlich unversehrt, sagt er. "Aber viele sind erneut traumatisiert und werden weiterhin Albträume haben."

Verlorenes Vertrauen in Häuser: "Ich werde wieder unter freiem Himmel schlafen" Zur Großansicht
Stefanie Glinski

Verlorenes Vertrauen in Häuser: "Ich werde wieder unter freiem Himmel schlafen"

Außerhalb des Dorfes haben sich die Anwohner auf freien Plätzen in Gruppen angesammelt. Viele weinen, besonders die Kinder. Ein Junge läuft mit einem roten Bauarbeiterhelm auf eine große Wiese zu. Unter dem Arm trägt er eine dünne Decke. "In den nächsten Tagen werde ich wieder unter freiem Himmel schlafen", erklärt er. Damit ist er nicht allein: Jede offene Fläche ist bunt gefüllt mit Menschen, die eng aneinander sitzen. In Kathmandu wurden Geschäfte bereits verriegelt, nur die sind noch geöffnet, die Zeltplanen zu verkaufen haben.

Im Süden von Kathmandu sitzt ein Taxifahrer abwesend auf der Motorhaube seines weißen Autos, er starrt ins Nichts. "Zwei fatale Erdbeben in wenigen Wochen sind zu viel für mich", sagt er. "Wenn ich könnte, würde ich das Land sofort verlassen."

Im Video: THW-Mitarbeiter über das neue Beben

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insgesamt 9 Beiträge
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1. Wir machen uns große Sorgen
kabian 12.05.2015
Das sieht nicht gut aus. Zwar ist das Beben erheblich schwächer gewesen und das Epizentrum lag wie beim letzten Erdbeben etwa 70 Km weit entfernt vom Zentrum von Kathmandu, aber in westlicher Richtung des Kathmandu-Tales liegen mehrere große Dörfer und Städte. Dhulikhel scheint schwer getroffen zu sein. Ich hoffe das Banepa es gut überstanden hat.
2. wie im Artikel beschrieben
mehrgedanken 12.05.2015
2 x in 17-18 Tagen.... welcher Mensch hält das aus? Danke für die verlinkten Organisationen/Banken.
3. so traurig es ist
uboot84 12.05.2015
angesichts einer Weltbevölkerung von 8.000.000.000 Menschen, wird jede Naturkatastrophe immer zahlreiche Menschen betreffen. im Jahr 1800 hätte es bei einer Weltbevölkerung von 1.000.000.000 rein statistisch nur 1/8 der heutigen Opferzahlen gegeben.
4. Besser geht doch gar nicht...!
giovanniconte 12.05.2015
Zitat von kabianDas sieht nicht gut aus. Zwar ist das Beben erheblich schwächer gewesen und das Epizentrum lag wie beim letzten Erdbeben etwa 70 Km weit entfernt vom Zentrum von Kathmandu, aber in westlicher Richtung des Kathmandu-Tales liegen mehrere große Dörfer und Städte. Dhulikhel scheint schwer getroffen zu sein. Ich hoffe das Banepa es gut überstanden hat.
Das erste Beben davor hat doch schon alles umgeworfen, da konnte doch jetzt fast nichts mehr passieren. Jetzt entspannt sich, geologisch gesehen, die Situation weiter. Was gibt es da Besseres? Nein, gut so, die Beben bitte jetzt und nicht erst in 20 Jahren wieder!
5.
schwerpunkt 12.05.2015
Ich nehme an, Sie halten sich für lustig und Ihren Kommentar für angebracht!?
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