Erdbeben vor Chile Tsunami bedroht Osterinsel

Ein enorm schweres Erdbeben der Stärke 8,8 hat den Westen Südamerikas heimgesucht. In Chiles Hauptstadt Santiago wankten die Häuser, mindestens 78 Menschen wurden getötet. Jetzt rast ein Tsunami durch den Pazifik - und überspülte bereits erste Inseln.


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Erdbeben in Chile: Zerstörung, Chaos, Angst
Santiago de Chile - Es war am frühen Samstagmorgen, als ein schweres Erdeben Chile erschütterte. Der Erdstoß vor der Küste nahe der Stadt Concepcion (200.000 Einwohner) im Süden des Landes erreichte nach Angaben des Geologischen Instituts der USA (USGS) eine Stärke von 8,8 auf der Richterskala.

In der Hauptstadt Santiago schwankten die Gebäude eineinhalb Minuten lang. Einige Häuser sollen eingestürzt sein. Das Erdbeben ereignete sich zu einem Zeitpunkt, als sich noch viele Menschen in Discotheken und Lokalen aufhielten.

Für Chile, Peru und Ecuador wurde eine Tsunami-Warnung ausgegeben, teilte die US-Regierung mit. Auch Australien könnte am Sonntag von der Flutwelle getroffen werden.

1,30 Meter hohe Flutwelle

Nach Angaben des US-Tsunami-Warnzentrums für den Pazifik hat sich aufgrund des Bebens vor der chilenischen Küste eine bis zu 1,30 Meter hohe Flutwelle gebildet. Ersten Berichten zufolge soll sie bereits die Inselgruppe Juan Fernández getroffen und verwüstet haben. Nach offiziellen Angaben bedroht der Tsunami nun auch die Osterinsel, deren teilweise Evakuierung nun angeordnet wurde.

Ein Erdbeben dieser Stärke habe das "Potential eines zerstörerischen Tsunamis", hieß es in einer offiziellen Warnung. Die örtlichen Behörden sollten angesichts dieser Möglichkeit die geeigneten Maßnahmen ergreifen.

Das Zentrum des Bebens lag den Angaben zufolge 115 Kilometer nordöstlich von Concepcion in einer Tiefe von 60 Kilometern. Nach offiziellen Angaben kamen bei der Katastrophe mindestens 78 Menschen ums Leben.

Unübersichtliche Lage

Bislang ist die Lage noch unübersichtlich. CNN berichtete eine Hotelangestellte telefonisch, es habe in Santiago keine größeren Schäden gegeben, von denen sie wissen. Im Hotel selbst seien nur ein paar Lampen beschädigt. Gleichzeitig zeigte der Nachrichtensender jedoch alarmierende Bilder aus Concepcion. Darauf zu sehen: brennende Häuser und Rettungskräfte im Dauereinsatz.

Die Nachrichtenagentur dpa meldete, in weiten Teilen des Landes sei der Strom ausgefallen. Auch die Versorgung mit Wasser und Erdgas sowie die Telefonverbindungen seien gestört gewesen. An Straßen, Brücken und Gebäuden habe es ebenfalls erhebliche Schäden gegeben. Demnach wurde auch der internationale Flughafen in Santiago erheblich beschädigt und muss nun für mindestens eine Woche geschlossen werden.

"Das ist wie der Weltuntergang", sagte ein Mann dem örtlichen Fernsehen in der Stadt Temuco, wo Häuser beschädigt wurden und das Krankenhaus evakuiert werden musste. "Ich habe noch nie in meinem Leben ein solches Erdbeben erlebt."

Katastrophenzustand ausgerufen

Chiles Präsidentin Michelle Bachelet rief am frühen Morgen Ortszeit den Katastrophenzustand aus. Der Unterstaatssekretär im Innenministerium, Patricio Rosende, bat im chilenischen Fernsehen die Bevölkerung, Ruhe zu bewahren. Niemand solle ohne Not sein Haus verlassen, betonte der Sprecher. Am Samstagmorgen wurden die Region von einem Nachbeben der Stärke 6,2 erschüttert.

Das stärkste jemals registrierte Beben wurde am 22. Mai 1960 in derselben Region gemessen. Bei dem Erdstoß der Stärke 9,5 kamen damals 1655 Menschen ums Leben, zwei Millionen wurden obdachlos. Der durch die Erschütterungen ausgelöste Tsunami tötete Menschen in Hawaii, Japan und auf den Philippinen, an der Westküste der USA richtete er Schäden an.

sev/mak/dpa/AFP/Reuters



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