Erdfall in Florida: Gigantisches Loch unterm Schlafzimmer

AFP

Ein lauter Knall mitten in der Nacht, dann war das Schlafzimmer von Jeffrey Bush in einem gigantischen Loch verschwunden. Von dem Mann fehlt seitdem jede Spur - und das sechs Meter tiefe Loch unter dem Haus könnte noch viel größer werden.

Von außen sieht man dem Haus die Tragödie, die sich darin abgespielt hat, nicht an. Es ist ein typisch amerikanisches, schlichtes, eingeschossiges Haus, die graublau gestrichenen Wände sind intakt. Nichts deutet darauf hin, dass dort, wo früher das Schlafzimmer war, jetzt ein gigantisches Loch klafft. Ein Loch, das Jeffrey Bush verschlungen hat.

Es geschah in der Nacht auf Freitag. In dem Siebziger-Jahre-Bau im Vorort von Tampa, Florida, hatte sich die Bush-Familie zu Bett gelegt. Jeffrey, sein Bruder Jeremy und dessen Frau, deren Kinder und der Schwiegervater schliefen. Plötzlich gab es einen lauten Knall, so als ob ein Auto in das Haus gerast wäre.

"Ich hörte meinen Bruder schreien", sagte Jeremy dem Fernsehsender CNN. "Ich rannte zu seinem Schlafzimmer, doch alles, was ich sah, war ein gigantisches Loch, in dem das Kabel von Jeffreys Fernseher verschwand. Aber mein Bruder war weg. Nur ein Stück von seinem Bett ragte aus dem Dreck."

500 Erdfälle seit 1954

Wie ein Berserker sprang Jeremy in das Loch, ließ sich von seinem Schwiegervater eine Schaufel zuwerfen und grub. "Ich habe ihn, glaube ich, noch ein- oder zweimal rufen hören. Ich wollte ihn retten!", sagt er. Doch als die Polizisten am Unglücksort eintrafen, zogen sie ihn sofort aus dem Loch. Der Boden bewegte sich immer noch. "Sie haben mir wahrscheinlich das Leben gerettet", sagt Bush.

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Erdfall in Florida: Mann weiter vermisst
Inzwischen ist das Haus weiträumig abgesperrt. Denn der einsturzgefährdete Bereich ist offenbar größer als anfangs angenommen. Erdfälle sind ein in Florida weitverbreitetes Phänomen, da weite Teile des Bundesstaates auf Kalkstein ruhen, der von Wasser leicht unterspült werden kann. Seffner, der Ort, in dem sich das Drama Freitagnacht ereignete, gehört zum Bezirk Hillsborough County, der von diesem Phänomen besonders betroffen ist. Mehr als 500 Erdfälle wurden seit 1954 allein in Hillsborough County gezählt, die meisten allerdings ohne Todesopfer.

Direkt nach dem Unglück ließ die örtliche Feuerwehr eine Kamera und ein Horchgerät in das Loch hinab. Doch weil sich der Boden weiterhin bewegte, verloren sie das Equipment. "Es ist frustrierend", sagte Ronnie Rivera, Sprecher der Hillsborough County Feuerwehr, örtlichen Medien am Freitag. "Wir wissen, dass er irgendwo da unten ist. Aber wir können ihn nicht hören. Und vor allem kommen wir nicht zu ihm."

Zurzeit wird geprüft, wie groß die Unterspülung unter dem Haus der Bushs ist - und ob das Loch, das aktuell sechs Meter tief ist und einen Durchmesser von sechs Metern hat, noch größer werden könnte. "Es gibt dort eine große Schlammblase, die vermutlich noch größer ist als das Haus selbst", sagte Bill Bracken, Chef eines Ingenieurbüros bei einer Pressekonferenz vor Ort.

Die Aussichten, Jeffrey Bush lebend zu finden, schwinden von Stunde zu Stunde. "Natürlich hoffe ich darauf, dass er dort unten in einer Luftblase sitzt und wir ihn noch retten können", sagte Jeremy Bush dem Fernsehsender CNN unter Tränen. "Aber mein Herz sagt mir, dass er nicht mehr lebt."

mhe

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insgesamt 19 Beiträge
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1. Nanu, keine Wortmeldung bisher
hh4 02.03.2013
Spiegel-Leser wissen doch sonst immer alles besser als der Autor. Also wie kann der Mann gerettet werden?
2.
Buschhannes 02.03.2013
Wird durch Fracking bestimmt besser, dieses Problem :-)
3. Wundere mich,
ostborn 02.03.2013
weshalb die Holzhütte nicht schon längst beiseite geschoben worden ist, um mit Spezialtechnik an den Verschütteten zu kommen.
4. Auch hierzulande ....
sagmalwasdazu 02.03.2013
...immer wieder. Zuletzt in meiner Heimatstadt : Experten rätseln über Ursache für Tagesbruch in Hagen 01.02.2013 | 18:24 Uhr Experten rätseln über Ursache für Tagesbruch in Hagen Ein tiefes Erdloch am Bergischen Ring in Hagen. Die Ursachenforschung ist schwierig.Foto: Michael Kleinrensing/WP Hagen. Experten versuchten am Freitag vor Ort herauszufinden, warum sich am Donnerstagabend neben der Sporthalle Mittelstadt in Hagen plötzlich ein Loch auftat. Noch rätseln die Fachleute bei der Ursachenforschung. Zwei Fahrspuren des Bergischen Rings sollen am Samstag wieder für den Verkehr freigegeben werden. Am Tag nach dem Tagesbruch ist noch vieles unklar. Experten der Bauverwaltung, Architekt Jürgen Bild und Sachverständige vom Bergamt der Bezirksregierung Arnsberg waren zum Loch am Bergischen Ring in Hagen gekommen. Sie untersuchten das Loch und die Sporthalle Mittelstadt samt dem mehrgeschossigen Parkhaus, das in den 70er Jahren in den Hang hinein gebaut worden war. Auf den ersten Blick konnten sie ausschließen, dass ein Bunker oder ein Stollen für den Erdrutsch, den Anwohner für ein Erdbeben hielten, verantwortlich waren. Experten rätseln über Ursache für Tagesbruch in Hagen | WAZ.de (http://www.derwesten.de/staedte/hagen/experten-raetseln-ueber-ursache-fuer-tagesbruch-in-hagen-id7551338.html)
5. An hh4
lukaslauboeck 02.03.2013
Garnicht ;)
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