Erfundenes Interview "Super Illu" muss Biolek 50.000 Euro zahlen

Der TV-Entertainer Alfred Biolek bekommt viel Geld von der Gazette "Super Illu". Die Macher der Zeitung hatten ein Interview über Bio und sein schwules Alltagsleben veröffentlicht - ohne jedoch je mit dem TV-Star gesprochen zu haben.


Alfred Biolek setzte sich gegen die "Super Illu" durch
AP

Alfred Biolek setzte sich gegen die "Super Illu" durch

Berlin - Für den TV-Moderator Alfred Biolek war der Freitag ein guter Tag. Vor dem Landgericht in Hamburg gewann Biolek eine Verhandlung, die er seit Monaten führt. Der Grund: Die Zeitung "Super Illu" hatte im Mai 2002 ein Interview veröffentlicht, dass Biolek mehr als überraschte. Völlig offen plauderte er darin auf zwei Seiten über sein homosexuelles Leben, seinen Freund und andere Intimitäten aus seinem Alltag. Die Überschrift: "Talken, Kochen und ein Geständnis - Alfred Bioleks Geheimnisse".

Der Haken an dem intimen Interview: Alfred Biolek hatte mit den Reportern der Zeitung nie gesprochen und wusste auch nichts von der Veröffentlichung. Aus diesem Grunde klagte der Berliner Medienanwalt Christian Schertz, der Biolek schon einmal gegen die "Bild" vertrat, auf Schmerzensgeld. "Der Rechtsverstoß ist immens", sagte Schertz SPIEGEL ONLINE am Freitag, "die Zeitung hat den auch bei Prominenten wie Biolek geschützten Privatbereich arg verletzt und das auch noch mit einem erfundenen Interview".

Die Strafe kam am Freitag per Urteil. 50.000 Euro muss demnach das Blatt an den TV-Moderator zahlen. Biolek und sein Anwalt hoffen nun, dass Urteil könne andere Boulevardgazetten von ähnlichen Methoden abhalten. "Die Strafe ist eine der höchsten für eine Einzelveröffentlichung in Deutschland und wird auch große Verlage durchaus abschrecken", erklärte der Rechtsanwalt.

Neu ist die Argumentation von Bio und seinem Rechtsbeistand nicht: Seit längerer Zeit argumentieren Medienanwälte, dass man nur mit extrem hohen Strafen großen Verlagen einen Denkzettel verpassen könne. Mit niedrigen Strafen wie bisher reize man die Zeitungsmacher nur, das Risiko eines Schmerzensgeldes für eine höhere Auflage zu riskieren.

Matthias Gebauer



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