Ermittlungserfolg Fahnder fassen berüchtigten Waffenhändler

Interpol suchte ihn mit internationalem Haftbefehl: Viktor Bout soll Diktatoren in Afrika, die Taliban und das Terrornetzwerk al-Qaida mit Waffen beliefert haben. Der als "Händler des Todes" bekannte Russe wurde nun in Thailand verhaftet.


Bangkok - Die Fahnder schlugen in einem Fünf-Sterne-Hotel in Bangkok zu. Wie die thailändische Polizei mitteilte, wurde Viktor Bout heute wegen versuchten Mordes in Haft genommen. "Wir haben ihn monatelang verfolgt", sagte Polizeisprecher Pongpat Chayaphan. Bout gilt als einer der meistgesuchten und skrupellosesten Waffenhändler der Welt.

"Händler des Todes": Victor Bout
REUTERS

"Händler des Todes": Victor Bout

Der britische Minister Peter Hain bezeichnete den 41 Jahre alten Russen einst als "Händler des Todes". Bout wurde von Interpol per internationalem Haftbefehl gesucht und werde nach seiner Festnahme der thailändischen Polizei zufolge voraussichtlich in die USA ausgeliefert. Der Waffenhändler soll zahlreiche Uno-Embargos gebrochen und Rebellen in aller Welt ausgerüstet haben, unter anderem den liberianischen Rebellenchef Charles Taylor, die Rebellen im Kongo, radikale islamische Fundamentalisten um Abu Sayaf und andere Terror-Organisationen.

Mehrere Uno-Berichte beschreiben Bout als eine Art Vorreiter der mafiösen Globalisierung - eines Handels, der Staaten und deren Gesetze umgeht. Laut Angaben in einem der zahlreichen Pässe Bouts soll er am 13. Januar 1967 in Duschanbe, Tadschikistan geboren worden sein. Nach amerikanischen Geheimdienstinformationen stamme er jedoch vermutlich aus Aschgabat in Turkmenistan.

Der Mann, der zur Tarnung viele verschiedene Namen benutzte, besuchte eine Moskauer Kaderschule für Fremdsprachen und studierte Wirtschaft, bevor er für das sowjetische Militär nach Mosambik ging.

Nach Angaben von US-Behörden hat Bout nach dem Zusammenbruch des Ostblocks alte Flugzeuge und Waffenbestände aufgekauft und damit ein weltweites Imperium aufgebaut. Bout handelte mit Tupolews, Jakowlews, Antonows und Iljuschins. Seine Geschäftspartner: Schurkenstaaten in der Dritten Welt. Bouts Flotte wuchs. Ein Imperium von über 60 Maschinen und unzähligen Waffen, das er zumeist über Mittelsmänner steuerte.

Belgische Behörden suchten Bout wegen Geldwäsche. Der Vorwurf: Zwischen 1994 und 2001 seien mindestens 32,5 Millionen Dollar dubioser Herkunft auf Konten seiner belgischen Firma geflossen.

Zeitungsberichten zufolge soll Bout zahlreiche UN-Embargos gebrochen haben, indem er illegale Waffen mit seinen Flugzeugen in Krisenregionen einschmuggelte. Allein von Juli 1997 bis Oktober 1998 soll er 37 Mal nach Togo geflogen sein und dort 15 Millionen Schuss Munition, 20.000 Druckluftbomben sowie 6300 Anti-Panzer-Raketen abgeladen haben. Material, das schließlich bei den Unita-Rebellen in Angola landete.

Laut Berichten des US-Senders CNN versorgte Bout in Afghanistan auch die Taliban und das Terrornetzwerk al-Qaida. Bout hat diese Vorwürfe zwar stets bestritten, US-Präsident George W. Bush verhängte jedoch mehrfach Sanktionen gegen den Waffenhändler und bezeichnete seine Geschäfte als "Angriff auf die amerikanische Außenpolitik". Gleichzeitig sorgte Bouts Leben für Filmstoff in Hollywood.

Seine Vita diente als Vorlage für den Hollywood-Film "Lord of War - Händler des Todes" mit Nicolas Cage in der Hauptrolle. Für eine Szene mietete die Filmcrew im Jahr 2005 eine Antonow an. Später stellte sich heraus: Das Flugzeug stammte tatsächlich aus den Beständen von Viktor Bout.

dek/dpa/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.