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Eröffnung im November: Von Hagens plant Online-Shop für Leichen-Plastinate

Der umstrittene Anatom Gunther von Hagens will seine Leichenplastinate bald im Internet zum Verkauf anbieten. Mehrere Bischöfe sind entsetzt. Sie fordern ein Verbot des Handels.

Gunther von Hagens: Online-Shop für Leichenplastinate Fotos
Getty Images

Heidelberg/Freiburg - Die Preise stehen offenbar schon fest: Ein plastinierter Körper soll 69.615 Euro kosten, ein Torso ist für 56.644 Euro zu haben, ein Kopf für 22.015 Euro. Der Anatom Gunther von Hagens hat angekündigt, seine umstrittenen Leichenplastinate demnächst im Internet anzubieten.

Von Hagens hatte in einem Rundschreiben an Körperspender, Kunden, Lieferanten und interessierte Freunde die Eröffnung eines Online-Shops avisiert. Dabei nannte er den 2. oder 3. November als Starttermin.

Eine Bestellung echter Leichenplastinate soll dabei zwar nur Nutzern möglich sein, die in Forschung, Lehre oder als niedergelassene Arzt tätig sind. Auf von Hagens Internetseite werden jedoch auch Schmuck- und Lifestyle-Accessoires angeboten, die für jedermann zu haben sind. Etwa ein Bullenpenis-Ring für 19 Euro oder eine Kette mit Giraffenschwanz-Scheiben für knapp 30 Euro.

Bei der sogenannten Plastination handelt es sich um die wirklichkeitsgetreue Konservierung anatomischer Präparate.

Bei den Bischöfen in Baden-Württemberg hat von Hagens Ankündigung für Empörung gesorgt. Der evangelische Landesbischof von Baden, Ulrich Fischer, und der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch riefen die Politik auf, den Handel zu verhindern und "diesen Tabubruch nicht zuzulassen". In einer am Mittwoch veröffentlichten gemeinsamen Mitteilung betonten sie: Deutschland dürfe nicht "scheibchenweise zu einer Drehscheibe des Leichenhandels werden".

"Es geht hier nicht um neue Erkenntnisse für Wissenschaft und Forschung, sondern um Leichenfledderei und Spektakel unter dem Deckmantel der medizinischen Aufklärung", kritisierte Erzbischof Zollitsch. Der geplante Internethandel sei ein "Tabubruch", der gegen die Achtung vor Toten verstoße. Der menschliche Körper dürfe nicht zum Anschauungsobjekt oder Ersatzteillager degradiert werden.

Für den Karlsruher Landesbischof Fischer ist schon die Zurschaustellung der präparierten Leichen als "Kunstwerke" nicht akzeptabel. Leichen im Internet zu verkaufen, ginge sogar noch weiter. "Wo sterbliche Überreste eines Menschen zur Handelsware werden, verletzt es dessen Würde", schrieb Fischer.

Während Kritiker von Hagens als "Frankenstein-Künstler" brandmarken, sieht sich der 65-Jährige im Dienste von Bildung und Aufklärung. Von Hagens hatte in Heidelberg als Assistent am Anatomischen Institut der Universität seine ersten Versuche gestartet; heute ist in der Stadt auch sein Institut für Plastination (IFP) ansässig.

kng/dpa

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