Schwules Paar in Südafrika: Die Hochzeit von Tshepo und Thoba

Aus Johannesburg berichtet Benjamin Dürr

Südafrika: Homo-Hochzeit nach Zulu-Art Fotos
Sephiwe Nxumalo

Die gleichgeschlechtliche Ehe ist in Südafrika längst anerkannt, doch Homosexualität gilt vielen noch heute als unvereinbar mit alten Traditionen. Zwei Männer namens Thoba und Tshepo haben nun ein Zeichen gesetzt und nach den Riten ihrer Völker geheiratet, eine afrikanische Premiere.

Als Thoba heiratete, schlachteten sie einen Bullen, Gäste tanzten, ganz wie es die Tradition will. Die Rituale der Zulu-und Tswana-Völker werden in Südafrika von vielen gepflegt, auch Thoba sind sie wichtig. Und Thoba heiratete Tshepo. Einen Mann.

Das Fest der beiden Anfang April war die erste bekannte Homo-Hochzeit Afrikas, die nach traditionellen Riten gefeiert wurde. Auf ihrem Hochzeitsfoto halten sie einen Speer in der Hand und einen Schild, sie tragen Gewänder aus Fellen, dazu Ketten und Ringe. Thoba und Tshepo haben ein Zeichen gesetzt, so sehen es viele in ganz Afrika: Auch traditionelle Gesellschaften sind zur Veränderung fähig.

Genau eine Woche nach der Hochzeit sitzen die beiden in einem Café in Johannesburg und erzählen von ihrer Liebe, den Reaktionen aus anderen Ländern - und vom Mut, eine jahrhundertealte Denkweise zu durchbrechen.

"Unsere Kultur ist Teil unserer Persönlichkeit"

Thoba gehört der Zulu-Ethnie an, Südafrikas größter Bevölkerungsgruppe. Tshepo ist Tswana. Beide sind 27 und in Townships aufgewachsen, Thoba bei Durban, Tshepo in Johannesburg. Vor fünf Jahren haben sie sich in einem Urlaub in Durban kennengelernt. Doch erst ein paar Jahre später, als Thoba für einen Job nach Johannesburg zog, haben sie sich wiedergesehen. Sie haben erst nur gemeinsam Sport gemacht. 2011 wurden sie ein Paar, im Jahr darauf hat Tshepo Thoba einen Antrag gemacht.

Sie waren sich einig, nach der Tradition ihrer Ethnien zu heiraten; die Hochzeit in Thobas Heimatstadt KwaDukuza bei Durban war eine Verbindung der Zulu- und Tswana-Völker: Die Tierschlachtung verspricht dem Paar Schutz von den Vorfahren, zu Ehren der Eltern wurde getanzt. Die Familien tauschten Bettlaken und andere Geschenke aus.

"Wir sind mit Traditionen aufgewachsen", sagt Thoba. "Unsere Kultur ist Teil unserer Persönlichkeit." Obwohl sie inzwischen in der Millionenstadt Johannesburg in einem gemeinsamen Appartement wohnen und ein modernes Leben führen, hätten sie ihre Herkunft nicht vergessen, sagt Thoba. Außerdem wollten sie mit der traditionellen Homo-Hochzeit ein Vorbild geben. "Wenn wir das können, können andere es auch", sagt Tshepo. Beide kennen sie Männer, die ihre Liebe zu einem anderen Mann aus Scham oder Angst verheimlichen würden.

In 37 von 54 Ländern in Afrika steht Homosexualität unter Strafe, in vielen Gemeinschaften gilt sie als unafrikanisch, als ein westliches Phänomen. Erst vergangene Woche erklärte der Erzbischof von Durban, er könne nicht homophob sein - weil er keine Schwulen kenne.

Traditionelle Gemeinschaften werden toleranter

Im Glauben traditioneller Gemeinschaften müssen Männer Väter werden und den Namen der Familie weitergeben. "Wenn zwei Männer heiraten, geht das nicht - deshalb wird Homosexualität als Bedrohung für Traditionen empfunden", sagt Brian Sibeko von der südafrikanischen Organisation "Out", die sich für die Interessen von Homosexuellen und Transgendern einsetzt. "Sie werden als Außenseiter betrachtet, die westliche Kultur in die afrikanischen Traditionen bringen." Viele Mitglieder traditioneller Gemeinschaften würden deshalb ihre Homosexualität verschweigen, vielleicht sogar eine Frau heiraten als Alibi.

Zwar gibt es auch in Südafrika homophobe Übergriffe. Die Situation für Schwule und Lesben sei aber wesentlich besser als in vielen anderen Ländern, sagt Sibeko. Als eines der wenigen Länder weltweit hat Südafrika die Rechte von Homosexuellen in die Verfassung aufgenommen. 2006 wurde die gleichgeschlechtliche Ehe eingeführt.

Positive Reaktionen aus dem ganzen Kontinent

Brian Sibeko von der Organisation "Out" sagt, die Hochzeit von Thoba und Tshepo sei ein Durchbruch. Dass Menschen in die Städte ziehen, das Internet nutzen, in der Schule aufgeklärt werden, habe in den vergangenen Jahren zu Veränderungen geführt: Traditionelle Gemeinschaften würden toleranter, offener.

Für die Familien der frisch Vermählten ist Homosexualität nie ein Problem gewesen. Alle sind zur Hochzeit gekommen, auch Freunde, Bekannte. Am Ende waren es 300. Ein Fernsehsender berichtete, südafrikanische Medien schrieben über "My Big Fat Gay Zulu-Wedding". Und an den Tagen danach wurden sie von Reaktionen aus Südafrika und dem ganzen Kontinent überschwemmt. Fast alle waren positiv.

Dabei war die Hochzeitsfeier vor einer Woche eigentlich nur die Krönung. Vorher haben sie bereits standesamtlich geheiratet. Es ist die erste offizielle, traditionelle Homo-Hochzeit, sagt Tshepo. Seither tragen sie den Nachnamen des anderen, beide heißen nun Sithole-Modisane. Damit wird der Familienname weitergegeben. So wie es für Männer Tradition ist.

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insgesamt 16 Beiträge
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1. Wundervoll
felisconcolor 18.04.2013
Zitat von sysopSephiwe NxumaloDie gleichgeschlechtliche Ehe ist in Südafrika längst anerkannt, doch Homosexualität gilt vielen noch heute als unvereinbar mit alten Traditionen. Zwei Männer namens Thoba und Tshepo haben nun ein Zeichen gesetzt und nach den Riten ihrer Völker geheiratet, eine afrikanische Premiere. http://www.spiegel.de/panorama/erste-homo-hochzeit-nach-traditionellen-riten-in-afrika-a-894709.html
zeigt es uns doch das auch im 21. Jahrhundert die Welt soweit im Mittelalter der gesellschaftlichen Normen verstrickt ist und immer tiefer abgleitet in eine bigotte Scheinmoral, das wir solche Themen glatt auf der Titelseite bringen müssen.
2. schön
suum.cuique 18.04.2013
Zitat von felisconcolorzeigt es uns doch das auch im 21. Jahrhundert die Welt soweit im Mittelalter der gesellschaftlichen Normen verstrickt ist und immer tiefer abgleitet in eine bigotte Scheinmoral, das wir solche Themen glatt auf der Titelseite bringen müssen.
aber der Bericht läßt die Frage offen werder Empfänger ist.
3.
tubaner 18.04.2013
Zitat von sysopSephiwe NxumaloDie gleichgeschlechtliche Ehe ist in Südafrika längst anerkannt, doch Homosexualität gilt vielen noch heute als unvereinbar mit alten Traditionen. Zwei Männer namens Thoba und Tshepo haben nun ein Zeichen gesetzt und nach den Riten ihrer Völker geheiratet, eine afrikanische Premiere. http://www.spiegel.de/panorama/erste-homo-hochzeit-nach-traditionellen-riten-in-afrika-a-894709.html
Gleichgeschlechtliche Ehe. Eine Hochzeit mit allen üblichen Traditionen und Riten. Respekt an Südafrika, in Deutschland ist weder das eine noch das andere möglich.
4. wo
problembuergerakzeptanz 18.04.2013
ist denn der "Gefällt mir" Button
5. Südafrika ist Vorreiter in Homoehe
susaz 18.04.2013
Südafrika ist bis zum Stand 14.04.2013 eines der zwölf Staaten weltweit und der einzige afrikanische Staat, der gleichgeschlechtliche Ehen ausdrücklich erlaubt. Das hat einen Vorbildcharakter und sollte nicht vergessen werden: http://2010sdafrika.wordpress.com/2013/04/14/historisches-ja-wort-im-zulu-land/.
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