Vatikan ehrt Indianerin: Die heilige Lilie der Mohawk

Sie soll Kranke geheilt und mehrere Wunder vollbracht haben: Die Indianerin Kateri Tekakwitha, Spitzname "Lilie der Mohawk", wird in einigen Tagen heiliggesprochen. Diese Ehre wurde noch keinem nordamerikanischen Ureinwohner zuteil - die Reaktionen darauf sind gespalten.

Kateri Tekakwitha: Eine Indianerin als Heilige Fotos
Corbis

New York/Rom - Die Pocken bestimmten das Schicksal von Kateri Tekakwitha. Gerade vier Jahre alt war die Mohawk-Indianerin, als ihre Eltern und ihr Bruder Mitte des 17. Jahrhunderts an den Folgen einer Pocken-Epidemie starben. Sie selbst überlebte nur knapp: fast blind und mit einem völlig vernarbten Gesicht.

Tekakwitha konvertierte später zum Katholizismus, schwor ewige Jungfräulichkeit und betete tagelang auf Knien für die Armen und Schwachen der Welt. Als sie starb, sollen ihre Pockennarben auf unerklärliche Weise verschwunden gewesen sein. Auch andere Wunder soll sie vollbracht haben. Sie soll Kranke gesund und Taube wieder hörend gemacht haben. Zwei Ereignisse hat der Vatikan inzwischen als Wunder anerkannt. Die "Lilie der Mohawk" (1656 bis 1680) soll am kommenden Sonntag als erste Indianerin Nordamerikas heiliggesprochen werden.

Für viele Nachfahren der amerikanischen Ureinwohner ist das ein großer Schritt. "Zu einer Zeit, in der wir immer noch wie Bürger dritter Klasse behandelt werden, ist es sehr beeindruckend, wenn der Vatikan und die katholische Kirche sie endlich anerkennen", sagte die Mowahk-Indianerin Pat Whyland der "New Yok Times". "Nicht jeder kennt sie. Aber wenn man sich einmal mit ihr beschäftigt hat, dann geht sie und ihre Geschichte einem sehr nahe."

"Die, die gegen Dinge stößt"

1656 soll Tekakwitha laut Jesuiten, die ihre Biografie schriftlich festhielten, in einem kleinen Dorf in der Mitte des heutigen US-Bundesstaats New York geboren worden sein. Etwas mehr als drei Stunden dauert die Fahrt von der Metropole New York in die stark bewaldete und von zahlreichen Seen durchzogene Landschaft. Nachdem ihre Familie an den Folgen der Pocken gestorben war, wuchs die Tochter einer Katholikin und eines Mohawk-Indianers bei einem Onkel auf. Ihre Stammesmitglieder nannten das fast blinde Mädchen bald Tekakwitha - "die, die gegen Dinge stößt".

Mit 20 Jahren ließ sich Tekakwitha gegen den Widerstand ihres Clans von jesuitischen Missionaren katholisch taufen. Ihr Stamm hatte sie verheiraten wollen, aber Tekakwitha floh in ein kanadisches Indianerdorf und kümmerte sich um Kranke, Ältere und Kinder. Rund vier Jahre später wurde Tekakwitha selbst schwer krank. Sie starb schließlich den jesuitischen Quellen zufolge im April 1680.

Schon kurz nach ihrem Tod machten Gerüchte die Runde, dass die Indianerin in ihrem nur knapp 24 Jahre kurzen Leben zahlreiche Wunder vollbracht haben sollte. Auch nach ihrem Tod sollen unter anderem Erde von ihrem Grab und Holz von ihrem Sarg kranke Menschen geheilt haben.

Jedes Jahr Tausende Pilger

Schon im 19. Jahrhundert hatten vor allem nordamerikanische Katholiken den Vatikan gebeten, Tekakwitha heiligzusprechen. Drei Heiligenschreine für die Indianerin locken alleine in den USA jährlich Tausende Pilger an. Eine vor rund 70 Jahren gegründete "Tekakwitha Conference" setzte sich in den Vereinigten Staaten mit Gebeten und regelmäßigen öffentlichen Aufrufen für die Erhebung Tekakwithas in den Heiligenstand ein. Mit Erfolg: 1980 sprach Papst Johannes Paul II. die Indianerin selig. Im Februar dieses Jahres wurde ihre Heiligsprechung angekündigt.

Ganz unumstritten ist das nicht. Mehr als 2,5 Millionen Nachfahren indianischer Ureinwohner leben heute in den USA, aber nur rund 680.000 von ihnen sind Schätzungen der amerikanischen Bischofskonferenz zufolge katholisch.

Die Reaktion der Stämme sei demzufolge "komplex", schreibt die "New York Times": "Einige sind stolz, weil Kateri eine Mohawk war. Einige bezweifeln, dass die Kirche ihre Geschichte wahrheitsgemäß wiedergibt. Andere hoffen, dass ihre Heiligsprechung hilft, die Spannungen zwischen katholischen und traditionellen Indianern abzubauen. Und wieder andere sind einfach nur euphorisch, dass die Kirche die erste nordamerikanische Indianerin zur Heiligen ernennt - auch wenn sie sich wünschen, es wäre schon früher passiert."

Christina Horsten/dpa/sto

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