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Kölns künftiger Erzbischof Woelki: "Ich werde die Berliner vermissen"

Erzbischof Woelki: "Kardinal Meisner hat die Kirche sehr stark geprägt" Zur Großansicht
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Erzbischof Woelki: "Kardinal Meisner hat die Kirche sehr stark geprägt"

Vom gottlosen Berlin ins heilige Köln: Rainer Maria Kardinal Woelki übernimmt das reichste Bistum der Republik - und tritt die Nachfolge des wohl umstrittensten Kirchenmannes in Deutschland an. Wie steht er zu seinem Vorgänger Joachim Kardinal Meisner?

Köln - Der neue Erzbischof von Köln heißt Rainer Maria Kardinal Woelki. In den vergangenen drei Jahren hatte er im Erzbistum Berlin gewirkt, am Freitag hatte ihn Papst Franziskus offiziell zum Nachfolger von Joachim Meisner ernannt und damit an den Rhein geschickt. Sein Amt in Köln tritt er am 20. September an.

Woelki will den Dialog mit der evangelischen Kirche und anderen Religionen vorantreiben, erklärte er am Samstag in Köln. In Berlin sei Ökumene wegen der geringen Zahl von Christen geradezu lebensnotwendig. "Vor diesem Hintergrund denke ich, dass wir uns auch in Köln weiterhin um ein gutes geschwisterliches ökumenisches Miteinander bemühen werden." Zudem wolle er das Gespräch mit anderen Religionen und Nicht-Gläubigen suchen, sagte er bei der offiziellen Pressekonferenz.

Zuvor hatte Woelki SPIEGEL ONLINE Antworten gegeben.

SPIEGEL ONLINE: Welche Aufgaben sehen Sie in Köln auf sich zukommen?

Woelki: Der Unterschied zwischen dem "heiligen Köln" und dem "gottlosen Berlin" ist gar nicht so groß, wie immer behauptet wird. Und die Herausforderungen sind ganz ähnlich: Wie können wir unsere frohe Botschaft verständlich machen? Wie können wir auf eine sich verändernde Gesellschaft reagieren, ohne unsere Identität zu verlieren? Wie können wir Glaubwürdigkeit wieder gewinnen? Was mir Mut macht: ich muss die Antworten nicht alleine geben, wie schon in Berlin treffe ich auch in Köln auf viele Menschen, die mit mir gemeinsam über Antworten nachdenken.

SPIEGEL ONLINE: Berlin ist ein eher armes Bistum, Köln wohl das reichste Bistum in Deutschland - wie werden Sie mit dieser Geldmacht umgehen?

Woelki: Es ist nicht mein Geld und auch nicht meine Macht. Das Geld wird uns zur Verfügung gestellt, damit die Kirche ihre Aufgaben erfüllt. Dazu gehören das Engagement und der Einsatz für die Armen, dazu gehört unser personales Angebot, das prinzipiell allen offen steht in der Seelsorge, Verkündigung und Bildung. Dazu gehört auch eine Verpflichtung zu weltweiter Solidarität, die in Köln schon immer groß geschrieben wird.

SPIEGEL ONLINE: Ihr Vorgänger in Köln hat die katholische Kirche über Köln hinaus stark geprägt. Werden Sie seinen oft umstrittenen Weg fortsetzen oder werden Sie das Bistum in Zukunft anders leiten?

Woelki: Ich bin Kardinal Meisner sehr dankbar. Ich übernehme die Leitung eines Bistums, das sehr gut vorbereitet ist auf kommende Herausforderungen. Kardinal Meisner hat die katholische Kirche sehr stark geprägt, das ist richtig. Für ihn aber auch für mich gilt, was der Heilige Augustinus so formuliert hat: "Mit euch bin ich Christ, für euch bin ich Bischof!" Ich werde die Berliner vermissen, freue mich aber auch auf die Kölner.

Die Fragen stellte Peter Wensierski

Mit Material von dpa

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insgesamt 18 Beiträge
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1.
Marc Anton 12.07.2014
Der Weggang ist zu bedauern. Der Beste hätte im am schwersten zu bestellenen Feld sicherlich weiterhin gute Arbeit geleistet. Aber leider gehört der Beste ja immer in die wichtigste "Abteilung". Sehr schade. Aber er wird dem erzschwarzen Köln auch mit seiner Offenheit gut tun.
2. Goethe
jungcut1 12.07.2014
Wie sagte noch Goethe? "Die Botschaft hör ich wohl, allein, mir fehlt der Glaube". Mir auch.
3. schnarch...
iced_pink 12.07.2014
Was ein gefälliges Interview, wurden Fragen und Antworten vorher freundlich abgeglichen? Im Land Brandenburg sagt der Flurfunk, das Kardinal Woelki so ziemlich jedes Bistum genommen hätte, Hauptsache weg aus Berlin. Jetzt hat Köln ihn am... Dom. Ein Heil bleibt den Verdammten allein: Kein Heil mehr zu hoffen.
4. Klar
carlitom 12.07.2014
Zitat von iced_pinkWas ein gefälliges Interview, wurden Fragen und Antworten vorher freundlich abgeglichen? Im Land Brandenburg sagt der Flurfunk, das Kardinal Woelki so ziemlich jedes Bistum genommen hätte, Hauptsache weg aus Berlin. Jetzt hat Köln ihn am... Dom. Ein Heil bleibt den Verdammten allein: Kein Heil mehr zu hoffen.
Ist ja auch verständlich. Erstens gibt es wohl kaum einen Ort, an dem Kirchen, vor allem die katholische, weniger gelten. Und zweitens schaut sowieso jeder vernünftige Mensch (das spricht also sogar für ihn), dass er schnellstmöglich aus Berlin rauskommt.
5. Vermissen ihn die Berliner
FKassekert 12.07.2014
garantiert eher nicht ... Nun haben ihn die Koelner am ... nee im Dom! Dabei waren sie heilfroh den Meissner losgeworden zu sein!
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