Eschede-Prozess Drei Ingenieure vor Gericht - Bahn geht von Freispruch aus

Es war die größte Katastrophe in der Nachkriegsgeschichte der deutschen Eisenbahn. 101 Menschen starben, als bei Eschede der ICE "Wilhelm Conrad Röntgen" verunglückte. Vor Gericht müssen sich nun drei Ingenieure verantworten.




ICE-Unglück in Eschede (1998)
DPA

ICE-Unglück in Eschede (1998)

Celle - Durch den Bruch eines Radreifens war am 3. Juni 1998 das verheerende Unglück ausgelöst worden. 101 Menschen starben damals in den Trümmern des Hochgeschwindigkeitszugs, 105 Menschen wurden teilweise schwer verletzt.

Seit Mittwoch müssen sich nun drei Ingenieure vor der auswärtigen Strafkammer des Landgerichts Lüneburg in Celle verantworten - die Staatsanwaltschaft hat sie als die Schuldigen ausgemacht. Franz M., 55, Volker F., 56, und Thilo von M., 67, sind angeklagt, das Unglück durch Fahrlässigkeit verursacht zu haben - denn sie waren mit der Konstruktion und Abnahme der gummigefederten ICE-Räder befasst.

Während die Deutsche Bahn AG mit einem Freispruch für die Angeklagten rechnet, legt ihnen die Staatsanwaltschaft zur Last, bei der Entwicklung den Stand der Technik missachtet und so das Unglück verursacht zu haben.

Bahn-Anwalt Hanns Feigen erklärte am Mittwoch: "Unsere Gutachten kommen zu dem eindeutigen Ergebnis, dass die Bahn und ihre Ingenieure dem damaligen Stand der Technik in vollem Umfang gerecht geworden sind".

Laut Anklage hätte die Gefahr des Bruchs eines Radreifens bereits vor der Zulassung der gummigefederten Räder durch eine Festigkeitsanalyse aufgezeigt werden müssen. Der Anklage zufolge wurden die Räder ohne den Nachweis der Dauerfestigkeit und ohne eine geeignete Kontrolle der Radreifen auf Risse zugelassen.

Zum Prozessauftakt ließ das Gericht weitere Nebenkläger in dem Verfahren zu. Etwa 50 Angehörige von Todesopfern und Überlebende des Unglücks verfolgten den ersten der 22 angesetzten Verhandlungstage.

Die drei Angeklagten haben bislang eine Schuld an dem Unglück zurückgewiesen.



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