Eschede-Prozess Hinterbliebene scheitern mit Schmerzensgeldklage

In einer Musterklage um zusätzliches Schmerzensgeld sind Hinterbliebene der ICE-Katastrophe von Eschede vor Gericht gescheitert. Die Angehörige von der Bahn AG hatten jeweils zusätzlich zum bereits bezahlten Betrag 125.000 Euro verlangt.


Berlin - Die Klage sei abgewiesen, erklärte Richterin Elisabeth Seeburg am Mittwoch kurz und knapp vor der Zivilkammer des Berliner Landgerichts. Eine Begründung zu der Entscheidung gab sie nicht, sondern verwies auf spätere schriftliche Erläuterungen. Zuvor hatte Seeburg jedoch in der kurzen Verhandlung erklärt, die Deutsche Bahn AG habe bereits für jedes Todesopfer rund 15.000 Euro gezahlt. "Es gibt auch in diesem traurigen Fall Grenzen der Rechtsprechung."

Bahn-Anwalt Rainer Büsken sah durch den Richterspruch die Position der Bahn bestätigt. Die Folgen seien "fair und in vernünftiger Weise" reguliert worden. Nach eigenen Angaben hat die Bahn bislang 23 Millionen Euro für Schmerzensgeld, Therapiekosten, Verdienstausfall und Arztrechnungen an die Angehörigen gezahlt. "Die Bahn steht auch zu weiteren Zahlungen für Spätfolgen", sagte Büsken gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.

Hinterbliebenen-Anwalt Reiner Geulen nannte es "bedauerlich", dass die deutsche Justiz keine Verantwortung für die Opfer übernehme. Zufriedengeben will sich Heinrich Löwen, der bei dem Unglück Frau und Tochter verlor, nicht. "Ich werde alle Wege weitergehen, bis ein Erfolg erreicht ist", sagte der Sprecher der Selbsthilfe-Interessengemeinschaft Eschede.

Noch im Oktober soll laut Anwalt Geulen eine Klage auf Schmerzensgeld in den USA eingereicht werden. Deutsche Betroffene könnten sich der Klage einer Amerikanerin anschließen, die bei dem Unglück verletzt worden war. Damit könnten auch die Deutschen deutlich höhere Schmerzensgelder einklagen.



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