Estonia-Katastrophe Es gab keine Explosion

Der Wissenschaftlerstreit um den Auslöser für den Untergang der Ostsee-Fähre "Estonia" ist weitgehend beendet. Hinweise auf eine Explosion gibt es nicht.


Die "Estonia" sank am 28. September 1994
DPA

Die "Estonia" sank am 28. September 1994

Hamburg - Das Materialprüfungsamt des Landes Brandenburg und das Southwest Research Institute im texanischen San Antonio, haben mittlerweile eingeräumt, dass die von ihnen an Wrackteilen der "Estonia" festgestellten Spuren - anders als bislang interpretiert - keine Hinweise auf Explosionen lieferten. Damit bestätigten sie ein Gutachten der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) in Berlin, das der SPIEGEL in Auftrag gegeben hatte (SPIEGEL 5/2001).

Die BAM-Forscher hatten verdächtige Metallstücke von der "Estonia" mit Schiffbaustahl verglichen, den sie zuvor zahlreichen Sprengversuchen und mechanischen Belastungen ausgesetzt hatten. Strukturveränderungen im Metall, die zunächst auf Explosionen hindeuteten, erwiesen sich dabei als Folge des im Schiffbau üblichen Rostschutzes durch Beschuss mit Metallkügelchen. Das Gutachten, so ein BAM-Experte, stehe "wie ein Fels in den Wellen".

Die Staatsanwaltschaft Hamburg, die im Fall "Estonia" ermittelt, will im Mai Fachleute der verschiedenen Institute befragen und dann über eine Verfahrenseinstellung entscheiden. Ein Münchner Gericht hat derweil in erster Instanz das Magazin "Focus" im Wege einer einstweiligen Verfügung dazu verurteilt, eine Gegendarstellung der BAM zu drucken. Das Blatt hatte berichtet, Experten der Anstalt hätten die Oberfläche eines Prüfstücks von der "Estonia" geschliffen und dabei Indizien für eine Explosion unbedacht vernichtet. Tatsächlich aber wurden nur Querschnitte zur Untersuchung präpariert.

Die "Estonia" sank in der Nacht zum 28. September 1994 in der Ostsee, 852 Menschen kamen ums Leben.



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