Exorzismus Kind stirbt bei "Teufelsaustreibung"

Im amerikanischen Bundesstaat Wisconsin steht ein Geistlicher vor Gericht, weil er bei einer "Teufelsaustreibung" einen kleinen Jungen getötet haben soll. Die Mutter des autistischen Kindes hatte den Exorzisten angeheuert.


Im US-Staat Wisconsin steht ein Geistlicher vor Gericht, weil er ein achtjähriges Kind während einer "Teufelsaustreibung" getötet haben soll. Der 47-jährige Ray Hemphill aus Milwaukee hatte sich der Anklageschrift zufolge in einer Kirche zwei Stunden lang quer über die Brust des an Autismus leidenden Jungen gelegt. Der Junge sei dadurch erstickt, wie US-Medien am Samstag berichteten. Die Verteidigung macht dagegen geltend, der Junge sei an einer Kombination von Medikamenten gestorben, mit der seine Krankheit behandelt wurde.

Im Fall eines Schuldspruchs drohen dem Exorzisten fünf Jahre Haft.

Den Berichten zufolge litt der kleine Terrence Cottrell seit sechs Jahren an Autismus, wehrte sich dagegen, sich anfassen zu lassen und war häufig nicht in der Lage, mit seiner Umwelt zu kommunizieren. Die Mutter suchte im vergangenen Jahr schließlich Hilfe in ihrer religiösen Gemeinschaft, der "Kirche des Apostolischen Glaubens".

13 Mal versuchte Ray Hemphill, der vom Pastor der Gemeinde - seinem Bruder - mit der "Teufelsaustreibung" beauftragt war, das Kind zu "reinigen". Beim letzten Ritual starb Terrence, während seine Mutter und andere Gemeindemitglieder ihn auf dem Boden festhielten. Unterdessen flüsterte Hemphill zwei Stunden lang Gebete in das Ohr des Kindes.

Der Bruder des wegen Kindesmisshandlung mit Todesfolge angeklagten Hemphill sagte im Prozess aus, Gott habe das Leben des Jungen genommen und nicht der Teufelsaustreiber.



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