Exorzismus und sexueller Missbrauch Erstmals Verfahren gegen deutschen Bischof

Die Mainzer Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Weihbischof Franziskus Eisenbach. Ihm werden sexueller Missbrauch und gewalttätige Teufelsausstreibung vorgeworfen.


Weihbischof Franziskus Eisenbach
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Weihbischof Franziskus Eisenbach

Mainz - Nur durch ein Verfahren lasse sich die Vielzahl offener Fragen klären, sagte der Leitende Mainzer Oberstaatsanwalt Klaus Puderbach am Montag. Die Professorin Änne Bäumer-Schleinkofer hatte den 57-jährigen Eisenbach angezeigt. Der Bischof hat sie demnach bei ihrer seelsorgerischen Betreuung monatelang sexuell missbraucht und sie bei Teufelsaustreibungen verletzt. Infolge des Exorzismus habe sie an Lähmungen gelitten, hatte die 43-Jährige angegeben. Die Staatsanwaltschaft will nun untersuchen, ob und in welchem Umfang die psychische Konstitution der Anzeigenerstatterin eingeschränkt war.

Die Ermittlungsbehörde stehe vor einer "vertrackten Situation", sagte Puderbach, man sei ziemlich ratlos. Grund dafür seien handschriftliche Briefe Bäumer-Schleinkofers an Eisenbach, die die Staatsanwaltschaft vor der Einleitung des Verfahrens geprüft habe. Die Beamten finden vor allem einige Formulierungen irritierend, die "nicht zu einer Frau passen, die eine hervorragende naturwissenschaftliche Bildung hat". Bäumer-Schleinkofer lehrt als Privatdozentin am Institut für Mathematik der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz.

Die Briefe, in denen es unter anderem um Tiere und biblische Metaphern gehe, und auch der Zustand der Professorin sollen mit psychiatrischer Unterstützung geprüft werden. Dieser Untersuchung müsse die Frau aber zustimmen.

Das Bistum Mainz hatte die Vorwürfe der Professorin wiederholt zurückgewiesen, räumte aber "körperliche Zuwendung" von Seiten des Weihbischofs ein. Eisenbach hatte darum gebeten, beurlaubt zu werden - Bischof Karl Lehmann lehnte das ab. Bis zur Klärung der Vorwürfe werde Eisenbach seine öffentlichen bischöflichen Funktionen aber nicht wahrnehmen. Nach Darstellung des Bistums hat Bäumer-Schleinkofer "immer wieder - vergeblich - den Wunsch nach einer beruflichen Tätigkeit für das Bistum Mainz" geäußert.

Die 43 Jahre alte Professorin hat auch beim Vatikan eine Anzeige gegen Eisenbach gestellt.



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