Explosion in Texas: Rettungskräfte durchkämmen Trümmer nach Verschütteten

AP

Rauchwolken steigen über den verkohlten Gebäuden auf, Straßen sind mit Trümmern übersät: Nach der verheerenden Explosion in West, Texas, suchen Rettungskräfte auf dem Gelände der Düngemittelfabrik nach Überlebenden. "Wir sind noch nicht an dem Punkt aufzugeben", beteuert die Polizei.

West - Die Rettungskräfte arbeiten sich von Haus zu Haus vor. Auf Fernsehbildern sind dunkle Wolken über den mit Trümmern übersäten Straßen zu sehen, überall liegen Scherben, Krankenwagen mühen sich an verkohlten und fensterlosen Gebäudefassaden vorbei. Im texanischen Ort West ist am Mittwochabend (Ortszeit) eine Düngemittelfabrik explodiert.

Die Polizei sprach nach Stunden der Ungewissheit von fünf bis 15 Toten - doch es könnten auch Dutzende sein, die Zahlen basierten auf "sehr begrenzten Informationen" von Helfern am Unglücksort, sagte Polizeisprecher Patrick Swanton. Die Rettungsaktion laufe noch, gesucht werde weiter nach Überlebenden. Das sei eine gute Nachricht, "weil wir noch nicht an dem Punkt sind, aufzugeben", so Swanton.

Mehr als 160 Verletzte seien in Krankenhäuser gebracht worden. "Ich habe keine Hinweise, dass das hier etwas anderes war als ein Unfall oder ein Feuer", sagte er. "Aber bis das sicher ist, ermitteln wir wie bei einem Verbrechen."

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Detonation in Düngerfabrik: "Als wäre eine Bombe eingeschlagen"
Welche Substanz die Explosion in der Düngemittelfabrik ausgelöst hat, ist bisher noch nicht abschließend geklärt. Allerdings gelten anorganische Mineraldünger als explosionsgefährlich. Auch die Ursache für den Brand konnte noch nicht ermittelt werden. Einen halben Tag nach der Katastrophe war auch noch nicht klar, wie viele Menschen noch in den Trümmern des Werkes und den zerstörten Häusern in der Kleinstadt eingeschlossen sind. "Besonders in einer Straße sieht es aus wie im Kriegsgebiet", sagte Rettungsdienstchef George Smith. "Die Häuser sind eingestürzt, und es könnten noch Menschen drin sein. Die sind entweder schwer verletzt oder tot."

"Sie werden die Unterstützung des amerikanischen Volkes haben"

Klar ist bislang nur, dass vor allem Helfer unter den Opfern sind: Feuerwehrleute und Rettungssanitäter. Drei oder vier Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr des Ortes, die zuerst an der Brandstelle waren, gehörten zu den Vermissten, sagte Bürgermeister Tommy Muska.

Die Fabrik in dem 2700-Einwohner-Städtchen bei Waco, etwa hundert Kilometer südlich von Dallas, hatte am Mittwochabend gegen 19.30 Uhr (Ortszeit) ein Feuer gemeldet. Gut 20 Minuten später zerriss eine Explosion Tanks auf dem Gelände der Fabrik, ein 30 Meter hoher Feuerball stieg in den Himmel.

Die Erschütterung war so stark, dass Seismologen sie als Erdbeben der Stufe 2,5 klassifizierten. Die Explosion soll noch in 75 Kilometern Entfernung zu hören gewesen sein. US-Präsident Barack Obama gedachte der Opfer. Eine kleine Gemeinde sei von einem schweren Unglück heimgesucht worden, sagte Obama laut einer schriftlichen Erklärung. "Sie werden die Unterstützung des amerikanischen Volkes haben." Seine Regierung halte engen Kontakt mit den Rettungskräften, sagte der Präsident.

50 bis 80 Gebäude seien zerstört worden, sagte Bürgermeister Muska. Ein Gebäude mit 50 Wohnungen stand laut den Behörden mitten in der Druckwelle und verlor seine Fassade. Ein Reuters-Reporter berichtete, in einer nahegelegenen Schule habe ein Brand gewütet. "Es war ein komplettes Chaos, wie in einem Horrorfilm", sagte Ersthelfer Jesse Ross dem Sender KTVT. Er und seine Kameraden hatten die Umgebung evakuiert und rund tausend Einwohner in Sicherheit gebracht, darunter mehr als 130 Bewohner eines Altenheims.

Die Rettungsarbeiten sind nicht nur durch die Angst vor giftigen Gasen erschwert, die Helfer fürchten vor allem auch weitere Explosionen. Das Feuer sollte zwar gelöscht werden, nicht aber um jeden Preis.

wit/Reuters/AP/dpa

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Düngerfabrik in Texas