Extrembügel-WM Bis die Eisen glühen

Bügeln, Plätten, Glätten. Was für die meisten Menschen eine der langweiligsten Hausarbeiten ist, gibt anderen den ultimativen Kick. Egal ob am Fels im Hochgebirge, im reißenden Bach oder auf dem Baum - sie haben immer Brett und Eisen dabei. Jetzt messen sich in Bayern erstmals die Top-Plätter der Welt: bei der Extrembügel-WM.

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Der Berg ruft: Extrembügler beim Training

Der Berg ruft: Extrembügler beim Training

München - Wer die Tätigkeit des Bügelns bisher nur der braven Hausfrau zuordnete, der hat sich getäuscht. Aus England ist bereits vor zwei Jahren eine neue Form von Fun-Sportart nach Deutschland herübergeschwappt: das Extrembügeln. Im oberbayerischen Örtchen Valley, direkt vor den Toren Münchens, suchen die 60 besten Extrembügler aus zehn Nationen nun ihren Weltmeister. Veranstaltet wird das Ganze von der German Extreme Ironing Section (GEIS), in der sich die deutschen Extrembügler zusammengeschlossen haben.

Auf einem Parcours mit fünf Stationen müssen die Sportler fünf verschiedene Disziplinen absolvieren. Beim Rocky Style empfiehlt sich neben dem Bügel- auch das Steigeisen. Denn dabei wird in der Manier eines Bergsteigers in felsigem Gelände gebügelt. Der Water Style erspart den Abenteurern dagegen den Dampfbügelknopf. In einem nahe gelegenen Flüsschen werden die besten Bügler der Welt ihre Eisen auch im Wasser schwingen.

 Forrest Style : Auf, im oder vor dem Baum

Forrest Style: Auf, im oder vor dem Baum

Die dritte Disziplin des Wettbewerbs ist der Forrest Style: Hier muss vor, auf oder in Bäumen und Büschen geplättet werden. Der Phantasie sind dabei kaum Grenzen gesetzt. Ähnliches gilt für den Urban Style, zu dessen Ausübung man auf dem ländlichen Areal der Weltmeisterschaften eigens eine städtische Umgebung aufgebaut hat, wo die Teilnehmer zum Beispiel in oder auf einem Auto ihre Künste darbieten können.

Die fünfte Disziplin lässt den Extrembüglern noch mehr Freiheiten: Beim Free Style können sogar mehrere Teilnehmer zusammen bügeln. Außerdem ist an dieser Station auch die gleichzeitige Nutzung mehrerer Eisen erlaubt. Was genau dabei rauskommen wird, weiß allerdings auch GEIS-Gründer Kai Zosseder nicht. "Wir haben da alles reingepackt, was in keine andere Kategorie passt, z.B. Bügeln auf dem Fahrrad oder mit Rollerblades."

Bewertet wird das Ganze von einer Jury aus Hauswirtschaftlerinnen, Sportlern und Halbprominenten wie dem Schlagersternchen Petra Perle. Sie sollen sowohl auf die Kreativität des dargebotenen Bügelns als auch auf das Ergebnis achten. Als drittes Kriterium kommt die Kürze der benötigten Zeit hinzu.

Den Wettbewerbern wird ihre Aufgabe nicht gerade leicht gemacht. Gebügelt werden müssen Taschentücher, Tischdecken, Hosen, Hemden und T-Shirts. Die Eisen sind einheitlich und werden vom Veranstalter gestellt, damit sich niemand einen technischen Vorteil verschaffen kann. Auf den Sieger wartet neben einem Pokal eine Reise zum legendären "Iron-Man Hawaii". Sein Eisen muss der Sieger dabei aber zu Hause lassen, denn auf der Südseeinsel wird - anders als es der Name suggeriert - nicht gebügelt, sondern Triathlon betrieben.

Waschen und Bügeln in einem: Der Water Style

Waschen und Bügeln in einem: Der Water Style

Das Extrembügeln kommt - wie so viele andere verrückte Ideen - natürlich aus England. Weil er keine Lust hatte, seine Wäsche zu Hause zu bügeln, nahm Phillip Shaw aus Leicester Eisen und Brett 1997 erstmals mit in die freie Natur. Dort entdeckte er so viele Möglichkeiten, die Kleidung auf kreative Art zu glätten, dass er und einige hundert weitere Anhänger des neuen Sports schon bald in den verschiedenen Disziplinen bügelten. Nach Deutschland wurde die Idee schließlich von Kai Zosseder gebracht. Der heute 32-Jährige hatte den Briten Shaw im Jahr 2000 auf einer Neuseelandreise kennen gelernt und war von dessen Art, scheinbar lästige Hausarbeit zu erledigen, sofort begeistert. Mittlerweile zählt die GEIS rund 40 Mitglieder, die sich Künstlernamen wie "hot crease" ("heiße Bügelfalte") oder "ironovska" gegeben haben. Der Aufnahmeantrag für den Deutschen Sportbund läuft bereits.

"Wir haben alle Arten von Leuten bei uns", erzählt Zosseder. "Beruflich geht das vom Drucker bis zum Manager." Gemeinsam sei den meisten aber die Affinität zum Sport im Allgemeinen. Zum Eisen gegriffen hätten sie dagegen vor Entdeckung ihrer Sportart eher widerwillig. "Ich selbst musste schon früher meine Hemden selbst bügeln", erklärt Zosseder, der im Hauptberuf Geologe ist. Spaß gemacht habe es ihm aber auch erst in Verbindung mit dem Sport.

Der neueste Trend der Münchner Bügelfreunde hat es noch nicht zur WM-Disziplin geschafft: Der Eso Style, der sich esoterischen und meditativen Elementen bedient, wird bei den Meisterschaften lediglich vorgestellt.



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