Extremsport Slamball Ein Dunk aus fünf Meter Höhe

Wiederauferstehung eines besonderen Freizeitvergnügens: Slamball ist eine Mischung aus Basketball, American Football und Akrobatik, bei der sich die Athleten mit Trampolinen in die Höhe katapultieren. Das Resultat sind Kollisionen in der Luft und spektakuläre Dunks.

Von Christian Taske, New York


New York - Es gibt drei Dinge, für die sich Mason Gordon schon immer begeistern konnte: Straßenbasketball, American Football und Videospiele. Doch keines seiner Hobbys war dem Amerikaner wohl spannend genug, denn vor sieben Jahren kam er auf die Idee, seine Leidenschaften zu vereinen.

Sein Rezept war einfach: Man nehme die Schnelligkeit und Kreativität des Basketballs, füge die Aggressivität vom American Football hinzu und würze das Ganze mit der Action eines Videospiels. Das fertige Gericht heißt "Slamball" und ist eine spektakuläre Mannschaftssportart.

"Ich dachte mir, wir schmeißen alles einfach in den Mixer und drücken auf den Knopf. Wir wussten nicht, ob es schmecken würde und haben das Rezept langsam verfeinert", sagt Gordon, dessen Extremsport nach fünf Jahren einen zweiten Anlauf auf dem US-amerikanischen Markt nimmt.

Slamball ist eine aggressivere Version des Basketballs, bei dem, wie im American Football oder Eishockey, voller Körpereinsatz erlaubt ist. Dank Trampolinen unterhalb der Körbe sind die Athleten zu atemberaubenden Dunks fähig, wenn sie den Verteidigern ausweichen können. Der Sport war 2002 und 2003 in den USA populär als zwei komplette Spielzeiten im Fernsehen übertragen wurden. Doch dann verschwand Slamball von der Bildfläche, weil sich Gordon und Warner Bros. Television nicht auf ein einheitliches Konzept einigen konnten.

Fünf Jahre später will Gordon den Extremsport wiederbeleben. Im April wurde in einer Reihe von Trainingscamps in Los Angeles, New York und Florida nach 64 Spielern für eine neue Slamball-Liga gesucht. Die Marketingagentur IMG finanziert die Liga und eine Vorzeige-Saison wird im Juni gefilmt. Gordon hofft, bis 2009 acht Profivereine in US-Metropolen unterzubringen und den Sport weltweit bekannt zu machen.

"Wenn unsere Verhandlungen so weitergehen, haben wir eine Profi-Liga zu diesem Zeitpunkt im nächsten Jahr", sagt Gordon. "Ich denke, dass der universelle Reiz des Slam Dunks den Sport auch weltweit verbreiten wird."

Die Hybriddisziplin wird auf einem stoßdämpfenden Parkett gespielt, das in der Größe einem Basketballfeld entspricht und von einer zwei Meter hohen Plexiglaswand umgeben ist. Die Trampoline sind unter jedem Basketballkorb in den Boden eingelassen. In diesen "Slamzones" katapultieren sich die talentiertesten Spieler bis zu fünf Meter in die Höhe und zeigen dabei oft kreative Choreographien.

Kein Sport für Weicheier

Ein Dunk zählt drei Punkte, während es für einen geworfenen Korb zwei Zähler gibt. Jedes Team besteht aus vier Feldspielern, die wie beim Eishockey fliegend wechseln. "Stopper" hindern die heranfliegenden Angreifer am Punkten, indem sie mit ihnen kollidieren. Auch am Boden sind Zusammenstöße erwünscht. Zu ihrer Sicherheit tragen die Athleten daher Helme, gepolsterte Unterwäsche und Knie- und Ellbogenschützer.

Dennoch ist Slamball nichts für Weicheier. "In diesem Sport darf man keine Angst haben", sagt Damien Speranza, der sich als einer von acht Athleten in New York für das finale Trainingslager bei den IMG Academies in Bradenton, Florida, qualifizierte. "Es gibt keinen anderen Sport, in dem man Körperkontakt fünf Meter über dem Boden hat."

Speranza bereitete sich auf das Probetraining in einem New Yorker Fitnessstudio vor, indem er auf einem Trampolin choreographierte Dunks einstudierte. "Wenn du von diesen Trampolinen abhebst, glaubst du, dass du schwebst", sagt der ehemalige Basketballer der Quinnipiac University in Connecticut. "Es ist ein ganz neues Gefühl für kleine Spieler, plötzlich über dem Korb zu sein."

Der Sport zieht aber nicht nur ehemalige Basketballspieler an. Jeff Morgan, der sich ebenfalls für Florida qualifizierte, spielte American Football in Kanada und hat keine Basketballerfahrung. "Man muss sehr agil sein, eine gute Balance und eine angstfreie Mentalität haben", so Morgan, der in New York als Schnellster einen Fitnesstest von Scout Rob Wilson absolvierte.

Wilson, der als Profi-Basketballer in Europa und Neuseeland sein Geld verdiente und heute als Spielerberater arbeitet, war der erste, der 2002 zum professionellen Slamball wechselte. "Basketball macht viel Spaß, aber Slamball wahrscheinlich noch mehr", sagt Wilson. "Es ist aber was ganz anderes. Sogar große und starke Spieler haben nicht unbedingt die physischen Voraussetzungen, 250 Pfund schwere Kerle auf dem Trampolin herumzuschubsen."

Irgendwann eine olympische Disziplin?

Gordon entwarf den Sport 2001, als er den ersten Slamball-Court auf eine Serviette zeichnete. Er arbeitete zu dem Zeitpunkt bei Tollins/Robbins, einer Filmproduktionsfirma in Los Angeles, und erzählte seinem Chef Mike Tollin von seiner Idee. Zusammen bauten die beiden den ersten Platz in einer Lagerhalle in East L.A. Innerhalb eines Jahres meldeten sich über 400 interessierte Spieler und 2002 debütierte der Sport mit acht Mannschaften.

Während Gordon und Tollin Potenzial für eine Profi-Liga sahen, wollte Warner Bros. Television aus dem Sport eine inszenierte, wrestlingähnliche Show machen, so Gordon. Man ging daher getrennte Wege und Slamball lag auf Eis, bis Gordon vor zwei Jahren die vollen Rechte zurückerlangte. In der Zwischenzeit war er um die Welt gereist, um für seinen Sport zu werben. Auf ein besonders positives Echo stieß er dabei in Italien, wo der Sport im letzten Jahr im Fernsehen debütierte.

Die positive Resonanz im Ausland veranlasste Gordon, die Disziplin wiederzubeleben. Er gewann IMG als Partner, heuerte den ehemaligen Präsidenten der Philadelphia 76ers Pat Croce als "Commissioner" der Liga und den ehemaligen New-York-Knicks-Star John Starks als Trainer an.

Mit soviel Prominenz in der Hinterhand glaubt Gordon, dass eine Profiliga nur der erste Schritt ist: "Ich denke, dass sich Colleges schnell dafür begeistern werden." Und auch Croce strotzt vor Optimismus: "Ich sehe jede Eissporthalle in Amerika ausgestattet mit einem Slamball-Platz." Beide glauben, dass es irgendwann einmal sogar ein olympischer Sport werden kann.

Doch erst einmal muss der amerikanische Markt erobert werden. Eine von Gordons Marketingstrategien ist dabei die Veröffentlichung eines Slamball-Computerspiels. "Wenn wir das schaffen, hat sich der Kreis geschlossen. Dann ist der Sport wirklich wahr geworden."



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