Extremwetter: Flugzeug klebt auf Rollbahn fest

Das Wetter spielt verrückt. In den USA herrschen Backofentemperaturen, in Washington klebte sogar ein Jet auf dem weichen Asphalt der Rollbahn fest. Dagegen starben in Russland mindestens 170 Menschen bei schweren Unwettern. In Deutschland droht mancherorts nach Starkregen Hochwasser.

Ein verregneter Sommer: Fluten, Hagel, Blitz und Donner Fotos
AFP

Berlin - Sommer, Hitze, Sonnenschein? Was in Deutschland fehlt, haben die US-Amerikaner derzeit viel zu viel: Mancherorts wurden Temperaturen von 40 Grad und mehr verzeichnet, wie etwa in Washington, St. Louis, Sioux Falls und Indianapolis. In Baltimore erreichte die Hitze mit 39 Grad einen Rekordwert für die Stadt. Betroffen waren mehr als 20 US-Staaten. Viele Menschen suchten Zuflucht in Badeseen oder klimatisierten Einkaufszentren und Kinos. Mindestens 30 Menschen starben aufgrund der hohen Temperaturen, darunter neun in Maryland und zehn in Chicago. Die Opfer waren zumeist ältere Menschen.

Auf dem Reagan National Airport in Washington schmolz bei der Hitze am Freitag offenbar sogar die geteerte Rollbahn: Wie die "Washington Post" berichtet, wollte ein Flugzeug gerade auf die Startbahn rollen - doch der Versuch misslang: Die Maschine klebte am Asphalt fest. Erst drei Stunden später, nachdem ein Schlepper das Flugzeug aus der Spurrille herausgezogen hatte, konnte die Maschine in Richtung Charleston starten.

Deutschlandwetter: Starkregen, Hagel und Sturmböen

In Deutschland beschert das Wetter vielen Regionen vielmehr heftigen Regen, Gewitter und Stürme - auch am Sonntag zieht wieder eine Regenfront über das Land. Im Tagesverlauf soll es nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes vor allem im Osten, Südosten und im Norden zu Schauern und teils kräftigen Gewittern kommen. Lokal wird vor Starkregen, Hagel und Sturmböen gewarnt.

In den vergangenen zwei Tagen sind in Deutschland vier Menschen bei schweren Unwettern ums Leben gekommen: Ein neunjähriges Mädchen wurde in Heidenau an der Elbe von einem Blitz getroffen, und auch ein 64-Jähriger starb in Neusalza-Spremberg (Landkreis Görlitz) nach einem Blitzschlag. Ein 23-Jähriger starb im sächsischen Laußnitz, als ein Baum auf sein Auto stürzte, und eine 47-jährige Radfahrerin wurde ebenfalls von einem umstürzenden Baum erschlagen - die Frau starb im Klinikum Lüneburg. Ausläufer des Tiefs "Mina" hatten sintflutartige Regenfälle mit sich gebracht, die Wassermassen überfluteten Straßen, Keller liefen voll, die Feuerwehren waren teilweise im Dauereinsatz. In Sachsen galt am Samstag für Teile des Landkreises Görlitz Katastrophenalarm.

Wegen steigender Wasserstände ist für einen Spree-Abschnitt in Brandenburg die zweithöchste Hochwasser-Alarmstufe 3 ausgerufen worden. Der starke Regen der vergangenen Tage hatte den Fluss anschwellen lassen. Den Angaben zufolge fielen bis zu 25 Liter pro Quadratmeter.

Im Juli und August sind schwere Wärmegewitter mit böigem Wind und Starkregen keine Seltenheit. Ursache für diese meist örtlich begrenzten Sommergewitter ist feuchte Luft am Boden, die durch die Sonne erhitzt nach oben steigt und in oft mehr als zehn Kilometern Höhe eine Gewitterwolke bildet.

Tödliche Überschwemmungen in Russland

Im Süden Russlands kam es am Wochenende zu verheerenden Überschwemmungen. In der Schwarzmeerregion Krasnodar war in der Nacht zum Samstag in wenigen Stunden so viel Regen gefallen wie gewöhnlich in zwei Monaten. Mindestens 170 Menschen starben in den Fluten. Augenzeugen berichteten von rund sieben Meter hohen Wellen, mit denen das Wasser in die Orte hineingeschossen sei. Zahlreiche Bewohner überraschte das Unwetter im Schlaf. "Viele haben trotz dringender Warnungen ihr Haus nicht verlassen", sagte ein Sprecher der Rettungskräfte.

Die Behörden sprachen von der schlimmsten Überschwemmung seit Jahrzehnten. "An eine solche Katastrophe kann sich hier niemand erinnern", sagte Gouverneur Alexander Tkatschow am Samstag im Fernsehen. Unter den Opfern waren viele ältere Menschen und mindestens ein Kind. Auch ein Polizeioffizier sei bei den Rettungsarbeiten ums Leben gekommen, teilte das Ministerium nach Angaben der Agentur Ria-Nowosti mit.

Präsident Wladimir Putin will nun das Krisenmanagement der Behörden überprüfen lassen. Es werde untersucht, ob genug für die Sicherheit der Bevölkerung getan worden sei, sagte Putin am Samstagabend bei einem Besuch in der Region. So werde auch kontrolliert, ob die Behörden die Bevölkerung rechtzeitig gewarnt hätten. Auch werde Vermutungen von Einwohnern der Stadt Krimsk nachgegangen, wonach die Flutung eines staatlichen Wasserreservoirs dort zu dem Hochwasser beigetragen habe.

Überflutete Straßen in Großbritannien

Auch in Großbritannien gab es heftige Regenfälle, die Straßen unter Wasser gesetzt und zur Absage von Freiluftveranstaltungen und Konzerten geführt haben. Die Organisatoren des Formel-1-Rennens Großer Preis von Silverstone riefen die Fans auf, dem Qualifying am Samstag fernzubleiben. Durch den Regen waren einige der Parkplatzanlagen nicht mehr benutzbar.

Landesweit wurden fast 200 Hochwasserwarnungen herausgegeben. Großbritannien erlebte in diesem Jahr den nassesten Juni seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Die Umweltbehörde erklärte, das Überschwemmungsrisiko in den kommenden Tagen sei hoch.

hei/Reuters/dpa/AP

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Tödliche Fluten: Heftige Regenfälle überschwemmen Russland

Bevölkerung: 142,958 Mio.

Fläche: 17.098.200 km²

Hauptstadt: Moskau

Staatsoberhaupt:
Wladimir Putin

Regierungschef: Dmitrij Medwedew

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