Fabrikeinsturz in Bangladesch Zahl der Toten steigt auf über 1000

Die Zahl der geborgenen Leichen steigt nach dem Fabrikeinsturz in Bangladesch weiter. Insgesamt haben Helfer mehr als 1000 Tote in den Trümmern gefunden. Nobelpreisträger Mohammed Yunus sieht in dem Einsturz "ein Symbol des Scheiterns unserer Nation".

Aufräumarbeiten an eingestürzter Fabrik: Weitere Leichen gefunden
AP

Aufräumarbeiten an eingestürzter Fabrik: Weitere Leichen gefunden


Dhaka - Zweieinhalb Wochen nach dem Einsturz eines Hochhauses in Bangladesch haben Einsatzkräfte mehr als 1000 Tote geborgen. Bislang seien 1034 Leichen gefunden worden, teilten die Behörden mit. Die Helfer arbeiteten mit Kränen, Bulldozern und Baggern, um weitere Opfer des Unglücks zu finden.

Einige Tote seien bereits stark verwest gewesen und hätten nur aufgrund von Mobiltelefonen in ihren Taschen oder Arbeitsausweisen identifiziert werden können. Die meisten Toten seien Frauen. Mindestens 150 Leichen, deren Identität nicht geklärt werden konnte, wurden einem Sprecher zufolge in anonymen Gräbern auf einem staatlichen Friedhof bestattet. 648 Leichen wurden nach Angaben der Armee Angehörigen übergeben.

Das Hochhaus nahe der Hauptstadt Dhaka, das mehrere Textilfabriken beherbergte, war am 24. April eingestürzt. Zum Zeitpunkt des Unglücks sollen sich etwa 3000 Menschen darin aufgehalten haben. 2437 Menschen wurden nach offiziellen Angaben lebend geborgen. Das Unglück gilt als das schlimmste seiner Art in der Geschichte Bangladeschs.

Auf das eingestürzte Gebäude waren illegal mehrere zusätzliche Stockwerke gebaut worden. Zudem wurden schwere Maschinen und Generatoren aufgestellt, auf die die Konstruktion des Gebäudes nicht ausgerichtet war.

Der Einsturz hat den Fokus auf die Arbeitsbedingungen in der Textilbranche gelegt, die jedes Jahr rund 20 Milliarden Dollar umsetzt und für viele Kleidungsketten weltweit Ware herstellt. Zwölf mutmaßliche Verantwortliche wurden festgenommen, darunter der Besitzer des Gebäudes und leitende Mitarbeiter mehrerer Textilfirmen. 18 Textilwerke wurden nach der Katastrophe aus Sicherheitsgründen geschlossen. Bei einem Feuer waren am Mittwochabend in einer Textilfabrik in Dhaka mehrere Menschen gestorben.

Nobelpreisträger Mohammed Yunus schrieb in einem Zeitungsartikel, die Tragödie sei "ein Symbol des Scheiterns unserer Nation". Wenn man sich nicht den Fehlern der staatlichen Systeme zuwende, werde die Nation "unter den Trümmern des Einsturzes" begraben. Yunus rief Regierung und Bürger auf, gemeinsam an Reformen zu arbeiten. Zudem appellierte er an internationale Marken, weiter Aufträge nach Bangladesch zu vergeben. Ausländische Konzerne sollten die Arbeiter in den Fabriken als eigene Arbeitnehmer betrachten.

ulz/AFP/dpa/AP



© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.