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Gesunkene Fähre "Sewol": Reedereichef festgenommen

Festnahme nach "Sewol"-Unglück: Reedereichef unter Verdacht Fotos
REUTERS/ Yonhap

Nach dem Fährunglück vor der Küste Südkoreas mit mindestens 269 Toten hat die Staatsanwaltschaft den Reedereichef festnehmen lassen. Er soll die Überladung der "Sewol" angeordnet haben.

Seoul - Mehr als drei Wochen nach dem Untergang der Fähre "Sewol" in Südkorea ist der Chef der Reederei des Unglücksschiffs festgenommen worden. Das bestätigte der leitende Staatsanwalt. Kim Han Sik von Chonghaejin Marine steht demnach im Verdacht, die Überladung der Fähre angeordnet oder zumindest davon gewusst zu haben, bevor sie am Vorabend des Unglücks in See stach.

Laut Staatsanwaltschaft handelt es sich bei der Festnahme Kims nicht um eine förmliche Verhaftung. Diese könne aber noch folgen. Die Ermittler würden nun das Vorgehen des Reedereichefs untersuchen und dann entscheiden, ob sie bei Gericht einen Haftbefehl beantragen.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft könnte die falsche Beladung des Schiffs zu dem Unglück beigetragen haben. Wie CNN unter Berufung auf die Anklagebehörde berichtet, hatte die "Sewol" das zulässige Frachtlimit um mehr als das Doppelte überschritten. Zudem sei die Ladung nicht ordnungsgemäß gesichert gewesen.

Vorwurf: Passagiere im Stich gelassen

Vier Angestellte der Reederei, die für die Fracht auf der "Sewol" Verantwortung trugen, waren bereits zuvor festgenommen worden, ebenso wie jene 15 überlebenden Besatzungsmitglieder, die an Bord mit der Navigation betraut waren. Sie werden unter anderem beschuldigt, die Passagiere nach dem Kentern des Schiffs im Stich gelassen zu haben.

Zuletzt hatte die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf Ermittlerkreise berichtet, die "Sewol" sei systematisch überladen worden. Demnach soll bei mehr als der Hälfte der 241 Fahrten des Schiffs zu viel Ladung an Bord gewesen sein. Auch über die Auswirkungen früherer Umbauten an dem Schiff wird nach wie vor spekuliert.

Die Fähre mit 476 Insassen war am 16. April vor der Küste Südkoreas gekentert und kurz darauf gesunken. Bisher wurden die Leichen von 269 Menschen geborgen. 35 Insassen gelten weiter als vermisst. Auch weil in dem Meeresgebiet starke Gezeitenströmungen herrschen, gilt der Bergungseinsatz als schwierig. Zuletzt kam ein Taucher bei den Arbeiten ums Leben.

rls/dpa/AP

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