Ehemaliges Hotelschiff: "Georg Büchner" vor Polen gesunken

"Georg Büchner": Gesunken in der Ostsee Fotos
DPA

Die "Georg Büchner" war ein Rostocker Wahrzeichen und sollte in Litauen verschrottet werden. Daraus wird nichts. Das ehemalige Schul- und Hotelschiff ist auf seiner letzten Fahrt gesunken. Über den Umgang mit der "Büchner" hatte es in Rostock heftigen Streit gegeben.

Rostock - Sie pendelte zwischen Belgien und dem Kongo, diente in der DDR als Schulschiff und war zuletzt Hotel und Jugendherberge: Die "Georg Büchner" hat seit ihrem Stapellauf 1950 vieles mitgemacht. Nun sollte das Schiff in Litauen verschrottet werden, am Dienstag hatte sie ein Schlepper aus dem Rostocker Stadthafen gezogen.

Aus der Verschrottung wird allerdings nichts. Die von einem Schlepper gezogene "Georg Büchner" ist auf der Überfahrt nach Klaipeda vor der polnischen Küste gesunken. Rostocks Hafenkapitän Gisbert Ruhnke bestätigte den Untergang. Dieser ereignete sich demnach am Donnerstagabend nördlich von Danzig. Menschen waren offenbar nicht an Bord. Der polnische Schlepper "Ajaks", der die "Büchner" im Schlepptau hatte, soll laut "Ostsee Zeitung" am Freitagmorgen im Danziger Hafen eingetroffen sein.

Mit dem Untergang fand die rund 150 Meter lange und knapp 20 Meter breite "Büchner" ein unerwartetes Ende ihres bewegten Schiffslebens. Sie pendelte unter dem Namen "Charlesville" zwischen Belgien und Afrika. 1967 ging sie in den Besitz der DDR über und diente als Schulschiff.

1991 übernahm die Stadt Rostock die "Büchner" - zum symbolischen Preis von einem Euro. Das Schiff erhielt Denkmalstatus, wurde mit Millionenaufwand umgebaut. Ein Trägerverein für Hotel und Jugendherberge war allerdings zuletzt nicht mehr in der Lage, genug Geld für den Betrieb aufzubringen. Der Verein selbst ging pleite, musste die "Büchner" 2012 abgeben. Der NDR hatte berichtet, dass laut dem Insolvenzverwalter des Fördervereins damit zu rechnen sei, mit der Verschrottung einen sechsstelligen Betrag zu erwirtschaften. Das Geld wird die Stadt Rostock nun wohl nie sehen.

Über das Schicksal der "Georg Büchner" war zuvor heftig gestritten worden. Manche wollten sie im Hafen der Stadt halten und weiter ausbauen. Andere plädierten dafür, das Schiff einem Geschichtsverein aus Antwerpen zu überlassen. Als der Denkmalstatus aufgehoben wurde, war der Weg frei für den Verkauf - und die Abwrackung in Litauen.

Es gibt auch Befürworter dieser Lösung. Die Kosten "für diesen Schrotthaufen" seien "schlicht indiskutabel", schrieb ein Leser der "Ostsee Zeitung". "Nun ist sie weg, und das ist gut so." Angesichts des Untergangs bekommen diese Worte einen ganz anderen Klang.

ulz/dpa

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insgesamt 36 Beiträge
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1. Rest in Peace.
hansepapa 31.05.2013
Das ist doch ein gutes Ende für ein Schiff. Es wird wohl ein Riff.
2. Eine Frage:
reever_de 31.05.2013
War das Schiff für die hochgefährliche und riskante Fahrt Richtung Polen denn wenigstens auch richtig gut versichert? Ist ja bekannt, das Schiffe auf ihren letzten Fahrten besonderen Risiken ausgesetzt sind. Was für ein Glück und Zufall, keine menschlichen Verluste. Wenn man Glück (oder Pech?) hat,liegt das Schiff in der flachen Ostsee kieloben ... mal sehen ob die Seeventile auf oder zu sind ...
3. Es ist ja ganz nett zu erfahren, das der Pott gesunken ist,
hdudeck 31.05.2013
die Frage, die sich einem sogleich aufdraengt, warum, wird in dem Artikel (mal wieder) nicht beruehrt. Ein Schiff sinkt normalerweise nicht so ohne weiteres. Auch stellt sich die Frage, warum das Schiff ueberhaupt den Hafen verlassen konnte, wenn es dann so ohne weiters sinken kann. Noch nicht einmal die Wetterbedingungen zur Zeit des Sinkens werden mitgeteilt.
4. Ursache?
dlmb 31.05.2013
Was ist die Ursache für diesen "unerwarteten" Untergang? Da waren wohl die realen Erlöse durch die Verschrottung deutlich unter der Versicherungsprämie? Es ist jedenfalls eine sinnlose Verschwendung von Rohstoffen...
5.
iStone 31.05.2013
Öhm, ist ja alles toll zu wissen, aber wieso ist es denn nun gesunken? Das war eigentlich der Hauptgrund, dass man den Artikel liest.
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