Fahrverbote vor Olympia Peking holt zwei Millionen Autos von der Straße

Husten, Augenbrennen, Atemnot: Kurz vor Beginn der Olympischen Spiele ist die Luftqualität in Peking nach wie vor miserabel. Jetzt macht Chinas Regierung Ernst im Kampf gegen den Smog. Ab sofort gelten die umfassendsten Fahrverbote in der Geschichte der Hauptstadt.


Peking - Drastische Maßnahmen um fünf vor zwölf: Zur Verbesserung der Luftqualität vor den Olympischen Spielen in Peking gelten seit diesem Sonntag die bisher umfassendsten Fahrverbote in der Geschichte der chinesischen Hauptstadt.

Mehr als zwei Monate lang dürfen die 3,2 Millionen Autos, die sich normalerweise über die chronisch verstopften Stadtautobahnen wälzen, jeweils nach ihren Nummernschildern nur noch an geraden oder ungeraden Tagen fahren. Zusammen mit weiteren Verboten für die Autoflotte der Regierung und Behörden sowie für Fahrzeuge, die nicht die Emissionsstandards erfüllen, sollen nach offiziellen Schätzungen sogar bis zu zwei Millionen Autos von den Straßen verbannt sein.

Ob diese Maßnahmen nur der kosmetischen Korrektur der verheerenden CO2-Werte dienen sollen oder dauerhaft effektiv sind, ist ungewiss. Doch nicht zuletzt aufgrund massiver Proteste von Spitzensportlern sah sich die chinesische Regierung offenbar zum Handeln gezwungen.

So hatte der australische Radsportler Stuart O'Grady im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen in Peking von "verrückten" Gesundheitsrisiken gesprochen, der äthiopische Marathonweltrekordler Haile Gebrselassie hatte deswegen sogar seine Teilnahme an den Spielen abgesagt. Das Internationale Olympische Komitee hatte zwischenzeitlich gar darüber nachgedacht, die Ausdauerwettbewerbe aus China abzuziehen.

Nun gilt nicht nur das alternierende Fahrverbot in Peking, rund um die Hauptstadt als auch in anderen Städten wurden mehr als tausend Fabriken geschlossen. Doch auch diese drakonischen Maßnahmen ziehen Probleme nach sich: Deutsche Unternehmen, deren Produktion von der monatelangen Schließung bedroht ist, wollen sich die Anordnung nicht gefallen lassen. Sie kündigten an, mit juristischer und politischer Hilfe gegen die chinesischen Behörden vorzugehen. Zuletzt deutete sich eine Ausnahmeregelung für die Deutschen an.

Die Fahrverbote, die außer der schwer verschmutzten Luft in Peking auch den Verkehrsfluss in den sonst von Staus heimgesuchten Straßen verbessern sollen, dauern über die Paralympischen Spiele hinaus bis zum 20. September.

Die 17 Millionen Pekinger sollen solange auf öffentliche Verkehrsmittel ausweichen. Erst am Samstag waren drei neue U-Bahnlinien eröffnet worden. Während der Olympischen Spiele sollen täglich rund fünf Millionen Passagiere die U-Bahn nehmen.

Die neuen Bahnlinien sind das wichtigste Infrastrukturprojekt für die Sommerspiele und haben nach amtlichen Angaben 22,3 Milliarden Yuan gekostet, das entspricht etwa zwei Milliarden Euro. Außer der neuen Flughafenanbindung wurde auch die "Olympia-Linie" zu den wichtigsten Wettkampfstätten eröffnet. Sie darf zunächst nur von Olympiateilnehmern wie Athleten, Trainern, akkreditierten Journalisten und Zuschauern benutzt werden. Für den normalen Verkehr wird sie erst nach den Paralympischen Spiele geöffnet.

Olympiabesucher werden mit ihren Tickets kostenlos zu den Wettkampfstätten fahren können.

pad/dpa/Reuters



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