Fall Kampusch: Untersuchungsausschuss fordert neue Ermittlungen

Handelte Kampusch-Entführer Priklopil allein? Das könne aufgrund vorliegender Ermittlungen nicht abschließend geklärt werden, gab nun ein Untersuchungsausschuss bekannt. Der Fall sollte erneut untersucht werden - am besten mit Experten vom FBI.

Kampusch auf einer Preisverleihung im Juni 2011: Wesentliche Fragen nicht geklärt Zur Großansicht
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Kampusch auf einer Preisverleihung im Juni 2011: Wesentliche Fragen nicht geklärt

Wien - Sechs Jahre nach der Flucht des österreichischen Entführungsopfers Natascha Kampusch hat ein Untersuchungsausschuss empfohlen, den Fall erneut zu untersuchen. Dazu sollten auch ausländische Spezialisten für Altfälle hinzugezogen worden, etwa vom FBI, sagte der Ausschussvorsitzende Werner Amon im Parlament in Wien. Der Ausschuss stellte in seinem Abschlussbericht einige Ermittlungspannen fest. Allerdings habe es keine Hinweise zur Bestätigung von Gerüchten über weitere Täter oder gar einen Kinderpornoring gegeben.

Kampusch war 1998 als Zehnjährige von dem Nachrichtentechniker Wolfgang Priklopil entführt und acht Jahre lang in dessen Haus bei Wien gefangen gehalten worden. Nach der Flucht der heute 24-Jährigen nahm sich Priklopil das Leben.

Der Ausschuss wollte in seiner mehrmonatigen Arbeit vor allem zwei Fragen klären: Haben die Ermittler mit der notwendigen Sorgfalt und Professionalität gehandelt? Und wurden die wesentlichen Fragen geklärt? "Nach Ansicht des Unterausschusses sind beide Fragen mit 'Nein' zu beantworten", sagte Amon.

Dem Hinweis eines Polizei-Hundeführers auf den Entführer Priklopil sei nicht nachgegangen worden, hieß es. Eine junge Zeugin, die die Entführung beobachtet hatte und von zwei Tätern sprach, sei "unter Druck gesetzt worden", um ihre Aussage zu ändern. Aber es hieß auch: Die zentrale Frage, ob der Entführer Mittäter oder Mitwisser hatte, könne mit den vorliegenden Ermittlungsergebnissen "nicht abschließend beantwortet werden".

Kampusch hatte sich im Frühjahr gegen die zahlreichen Verschwörungstheorien gewehrt. Weder habe es weitere Täter neben dem Entführer gegeben, noch sei sie schwanger gewesen, sagte sie. Die Spekulationen nannte sie "empörend".

Auf die erneute Debatte hatten im März auch die Ermittler vom österreichischen Bundeskriminalamt und der Justiz verständnislos reagiert. Alles sei komplett geklärt, hieß es. "Intensiver kann man einen Fall nicht ausermitteln."

hut/dpa

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