Fall Moshammer Telefonkabel als Mordwaffe?

Der Modemacher Rudolph Moshammer ist am Morgen tot in seiner Villa aufgefunden worden. Er wurde vermutlich mit einem Telefonkabel erdrosselt. Einbruchsspuren wurden nicht gefunden, die Mordkommission ermittelt.


Die Leiche des Modeschöpfers wird abtransportiert
REUTERS

Die Leiche des Modeschöpfers wird abtransportiert

München - Heute Morgen um 9 Uhr sei der Modemacher tot in seiner Villa im Münchner Nobelvorort Grünwald aufgefunden worden, sagte Polizeisprecherin Eva Völkl gegenüber SPIEGEL ONLINE. Sein Fahrer, der Moshammer am Morgen abholen wollte, habe die Leiche entdeckt. Angaben der Staatsanwaltschaft zufolge fiel er einem Gewaltverbrechen zum Opfer. Polizisten hatten die Leiche mit einem Telefonkabel um den Hals gefunden. Die Fahnder entdeckten Hund Daisy unversehrt in dem Haus.

Nach Informationen der Zeitschrift "Neue Revue" war Moshammers Arzt heute Morgen in die Villa des Modeschöpfers gekommen, um ihm eine Vitaminspritze zu verabreichen. Als er das Gebäude in Grünwald betrat, sei ihm Moshammers langjähriger Chauffeur entgegen gekommen und habe gesagt: "Ich glaube, er ist tot." Nach Ansicht des Arztes sei der Tod bereits vor mehreren Stunden eingetreten. Daisy, der Hund des Modeschöpfers, sei im Haus gewesen. Der Arzt habe das Tier ins Schlafzimmer gesperrt, weil es so aufgeregt war, hieß es.

Fotostrecke

19  Bilder
Moshammers Leben in Bildern: Mode, Mama und Daisy

Bei dem Kabel handelte sich dem Bericht zufolge um ein schwarzes Telefonkabel, das aus der Buchse herausgerissen worden sei. Moshammer habe einen schwarzen Anzug angehabt und auf dem Rücken vor der geöffneten Schlafzimmertür im ersten Stock der Villa gelegen.

"Die Fortsetzung von König Ludwig II."

Moshammers Anwalt Lutz Libbertz ging zunächst von einem Raubmord an seinem Mandanten aus. Schließlich sei der Promi-Schneider ein vermögender Mann gewesen und habe Geld und Wertsachen in seinem Haus aufbewahrt, sagte Libbertz heute in München. Moshammer habe seiner Ansicht nach keine Feinde gehabt. "Das hätte Moshammer mir erzählt." Libbertz, der den Modedesigner seit zehn Jahren als Anwalt vertritt, zeigte sich schockiert vom Tod seines Mandanten. "Das ist wirklich furchtbar - Rudolph Moshammer war die Fortsetzung von König Ludwig II.", betonte Libbertz. Als Mensch sei der Ermordete einmalig gewesen.

Ermittler am Tatort in München: Mit einem Telefonkabel erdrosselt?
AP

Ermittler am Tatort in München: Mit einem Telefonkabel erdrosselt?

Im vergangenen Jahr war Moshammer von einem geistig Verwirrten bedroht worden. Zwei Tage vor einer Signierstunde hatte ihn die Polizei gewarnt und von einem Drohbrief berichtet. Darin stand, dass der anonyme Verfasser ihn "von der bösen Welt befreien und durch den Mond in die gute Welt im Himmel schicken will". Nachdem die Polizei ihm Schutz zugesichert hatte, kam Moshammer doch zur Autogrammstunde. In dem Kaufhaus konnte dann ein Bodyguard einen Verdächtigen stellen, bei dem ein Messer mit einer 25 Zentimenter langen Klinge gefunden wurde. Moshammer sagte damals in einem Interview, er habe "wahnsinnige Angst" gehabt.

Noch am vergangenen Samstagabend hatte der Modemacher in einem Schwabinger Nobelrestaurant mit Sänger Roberto Blanco und dessen Ehefrau Mireille öffentlich deren Versöhnung gefeiert. Moshammer, der immer mit seinem Hündchen Daisy auftrat, gehörte seit Jahrzehnten zur Münchner Promi-Szene. Er war unverheiratet und betrieb seit 1968 in der noblen Maximiliansstraße eine eigene Boutique. Moshammer kleidete Hollywoodgrößen wie Arnold Schwarzenegger, Adelige wie König Carl Gustaf von Schweden und viele weitere internationale Berühmtheiten wie Startenor José Carreras ein.

Moshammer galt als einer der schillerndsten Vertreter der Münchner Schickeria. Regelmäßig war der Mann mit der exzentrischen Ludwig II.-Frisur Gast bei Prominenten-Partys und in Talkshows. Die York-Shire-Hündin Daisy war seine ständige Begleiterin. Wie kaum ein anderer verstand es Moshammer, sich selbst zu inszenieren. Mit seinem tiefschwarzen Haar und seinem stets makellosen Outfit verlieh der Modeschöpfer, der selbst am liebsten im 18. Jahrhundert gelebt hätte, seinen Auftritten gern einen herrschaftlichen Anstrich. Bis zum Tod seiner Mutter Else im Jahr 1993 waren Mutter und Sohn als unzertrennliches Paar in der Öffentlichkeit aufgetreten.

In einem Interview sagte Moshammer, der eine schwere Kindheit gehabt haben soll, dass sein Jugendtraum gewesen sei, Eiskunstläufer zu werden. "Ich war fasziniert vom Eistanzen. Mein Vater hat gesagt, das kommt gar nicht in Frage. Dann hab ich heimlich Stunden genommen - bis der Vater draufgekommen ist", sagte er vor wenigen Wochen der österreichischen Zeitung "Der Standard". Moshammer hatte für die Eislauf-Show "Holiday on Ice" einige Kostüme kreiert.

Nestlé stoppt Kaffee-Werbung mit Moshammer

Der Nahrungsmittelkonzern Nestlé stoppte seine Werbekampagne, an der Moshammer mitgewirkt hatte. "Wir haben die Kampagne mit sofortiger Wirkung abgesetzt", sagte ein Sprecher der "Financial Times Deutschland" nach deren Angaben. Im Unternehmen sei man tief erschüttert über den Tod Moshammers. Der Modeschöpfer hatte für Kaffeeprodukte von Nestlé geworben.

Der Millionär Moshammer setzte sich stark für soziale Belange ein. Vor allem für Obdachlose gab er großzügige Spenden und kümmerte sich um bessere Lebensverhältnisse. Beim deutschen Vorentscheid zum Schlager-Grand-Prix 2001 sorgte er mit einem Gesangsauftritt für Schlagzeilen.

Über das Alter Moshammers gibt es unterschiedliche Angaben. Er selbst hatte früher gesagt, dass er am 27. Dezember 1945 in München geboren wurde. Damit wäre er 59 Jahre alt gewesen. Tatsächlich soll er aber bereits 64 Jahre alt gewesen sein.



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.