Falschfahrer auf der A5: 20-Jähriger verursachte Horror-Unfall bei Lahr

Ein 20-Jähriger hat in Südbaden bei Lahr die verkehrte Auffahrt zur A5 genommen. Er raste in einen vollbesetzten Minivan, sechs Menschen kamen ums Leben, fünf wurden verletzt. Noch rätselt die Polizei, warum der junge Mann auf die falsche Spur geriet.

Der Mann, der am Sonntag um 6 Uhr fünf Menschen tötete und selbst starb, war 20 Jahre alt. Er stammte aus dem Raum Offenburg in Südbaden und saß allein in seinem weißen BMW, als er nach Angaben der Polizei bei Lahr in die verkehrte Richtung auf die Autobahn 5 auffuhr. Es herrschte teilweise Nebel.

Verkehrsteilnehmer meldeten den Falschfahrer bei der Polizeidirektion Offenburg, die Polizei leitete die Information umgehend weiter - das Leben der fünf Menschen konnte sie dennoch nicht mehr retten.

Keine fünf Minuten nach der ersten Meldung raste der 20-Jährige nahe des Parkplatzes Unditz frontal in einen Minivan, den ein 30-Jähriger aus dem Raum Offenburg lenkte. Beide Fahrer waren sofort tot. Der Aufprall war so heftig, dass der Motorblock des Großraumwagens herausgeschleudert wurde.

Im Wrack des Vans starben zudem eine 23-Jährige und eine 36-Jährige sowie zwei Männer im Alter von 26 und 27 Jahren. Alle vier stammen aus dem Raum Emmendingen.

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Horrorunfall auf der A5: "Ein Bild des Schreckens"
Unmittelbar nach der Kollision hielt eine nachkommende Fahrerin mit ihrem Auto auf dem Seitenstreifen an, offensichtlich um Hilfe zu leisten. Sie wurde von einem nachfolgenden Pkw übersehen und überrollt. Die 37-Jährige erlitt dabei schwerste Verletzungen, wie die Polizei mitteilte. Inzwischen ist sie außer Lebensgefahr. An dem Folgeunfall waren nach derzeitigem Stand der Ermittlungen zwei weitere Pkw beteiligt, deren Insassen leicht verletzt wurden.

"Den Einsatzkräften bot sich ein schreckliches Bild", sagte der Polizeisprecher. Die Unfallstelle war übersät von Trümmern und Wrackteilen.

Gerichtsmediziner, Sachverständige und Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft eilten an den Unfallort, um das Unglück und seine Ursache zu rekonstruieren. Feuerwehr, das Technische Hilfswerk (THW) und Rettungsdienste waren im Großeinsatz. Die Autobahn zwischen Offenburg und Lahr war bis zum frühen Nachmittag gesperrt.

Im Durchschnitt sterben 20 Menschen pro Jahr durch Falschfahrer

Suizidabsicht, Drogeneinfluss, Mutprobe, Orientierungslosigkeit: Die Gründe, warum Autofahrer die falsche Auffahrt einer Autobahn nehmen oder auf Landstraßen in den Gegenverkehr lenken, können unterschiedliche Ursachen haben. Der Auto Club Europa (ACE) weist darauf hin, dass manche Auffahrten einfach auch schlecht beschildert sind.

Laut Verkehrsunfallforschung sind diese Fälle statistisch gesehen eher selten. Durch Falschfahrer sterben pro Jahr durchschnittlich 20 Menschen. Nach Angaben des ADAC gibt es bislang keine belastbaren Anzeichen für die Annahme, dass Geisterfahrer häufiger im Herbst unterwegs sind.

Zuletzt hatte ein Falschfahrer im Sauerland - auch an einem frühen Sonntagmorgen - einen Unfall mit fünf Toten verursacht: Er war nach Angaben der Polizei in Suizidabsicht auf der Autobahn bei Meschede in den Gegenverkehr gefahren und hatte vier weitere Menschen in den Tod gerissen.

In Rheinland-Pfalz waren Mitte Oktober bei einem Falschfahrer-Unfall ein Vater und zwei seiner Kinder getötet worden. In Bayern kamen wenige Tage zuvor fünf Menschen ums Leben. Damals hatte eine vermutlich psychisch kranke Frau den Unfall verursacht, als sie in den Gegenverkehr lenkte.

2800 Falschfahrer-Meldungen pro Jahr

Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums gibt es im Jahr etwa 1700 bis 2000 Meldungen, dass ein Falschfahrer unterwegs ist - dazu zählen aber auch glimpflich verlaufene Vorfälle, Irrtümer und Telefonscherze. In der Regel melden andere Autofahrer die Falschfahrer der Polizei oder Radiostationen weiter. Laut ADAC werden im Jahr bundesweit sogar 2800 Fälle gemeldet, davon 2000 auf Autobahnen: Drei Prozent der tödlichen Unfälle auf Autobahnen wurden demnach von Falschfahrern verursacht.

Die meisten unfreiwilligen, sogenannten Geisterfahrten gehen den Verkehrsforschern zufolge tatsächlich glimpflich aus, weil ein Falschfahrer, der seinen Irrtum erkannt hat, in der Regel alles tut, um Unfälle zu vermeiden und möglichst schnell auf eine ordnungsgemäße Spur zu finden.

Doch wer den Tod sucht, hält sich nicht an Regeln. Entsprechend rar sind auch die Ratschläge für solche Fälle, die Forderungen nach Schutzmaßnahmen sind indes groß: Die Deutsche Polizeigewerkschaft drängt auf den Einsatz spezieller Fahrbahn-Krallen im Asphalt. Sie sind so konstruiert, dass sie bereits an der Autobahnauffahrt nur die Reifen des Falschfahrers beschädigen und ihn somit an der Weiterfahrt hindern.

Tipps zum richtigen Verhalten bei Falschfahrern
Nachrichten über einen Falschfahrer
Befindet man sich auf einer Autobahn oder Bundesstraße, auf der ein Falschfahrer unterwegs ist, gibt es drei Dinge zu tun: Tempo reduzieren, auf keinen Fall überholen - und ruhig bleiben. Bei der ersten Möglichkeit soll man die Straße verlassen oder auf einen Parkplatz fahren. Wenn genug Platz am Streckenrand vorhanden ist, kann man auch rechts ranfahren und warten, bis im Radio Entwarnung gegeben wird.
Sie haben einen Falschfahrer gesehen
Hat man einen Falschfahrer gesehen, sollte die nächste Notrufsäule abgewartet und dort die Meldung durchgegeben werden. Somit ist gewährleistet, dass die Polizei sofort den genauen Standort kennt. Bei Meldungen übers Handy sind diese Informationen meistens nicht gegeben.
Eigener Fehler
Hat man festgestellt, selbst zum Geisterfahrer geworden zu sein, muss sofort das Tempo reduziert und der nächstgelegene Fahrbahnrand angesteuert werden. Auf keinen Fall darf die Fahrbahn gekreuzt oder gar gewendet werden. Steht das Auto, muss man die Warnblinker einschalten, sich hinter die Leitplanke stellen und die Polizei verständigen.

jjc/rom

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