Michalsky auf der Fashion Week: Am Hof des Partykönigs

Von Anna-Lena Roth

REUTERS

Michael Michalsky gilt als Bling-Bling-Proll unter den Designern. Zum Abschluss der Fashion Week hat er 1500 Gäste ins Berliner Tempodrom geladen. Die Show kostet Hunderttausende Euro - und unzählige Nerven.

Jetzt reicht es ihm. "Ich bin echt kaputt", sagt Michael Michalsky. "Total erschöpft." Gerade hat er 1500 Gästen im Berliner Tempodrom seine neue Kollektion gezeigt, sechs Monate hat er daran gearbeitet, die vergangenen zehn Tage jeweils 16 Stunden. Jetzt sind seine Ideen auf dem Laufsteg real geworden. Man kann zusehen, wie die Anspannung aus dem Körper des 46-Jährigen fährt.

Barbara Becker kommt hinter die Bühne, Christoph Metzelder, Klaus Wowereit, Michalskys Eltern. Bussis! Komplimente! Die Fotografen wollen unterhalten werden, Michalsky liefert: Er nimmt in den Arm, wer immer neben ihm steht, lacht, scherzt, posiert, ruft: "Wer hat noch nicht, wer will noch mal?" Ist es anstrengend, Michael Michalsky zu sein? "Heute noch mehr als sonst", sagt er.

Noch immer hat der Designer das Image des Bling-Bling-Prolls. Er trägt Glitzersteinchen im Ohr, Glitzersneakers an den Füßen, groben Silberschmuck am Handgelenk. Michalsky steht gern in der Öffentlichkeit, häufig ist er einen Tick zu laut. Das ist toll für Bilder und Geschichten, aber schlecht für den Ruf eines Designers.

Michalsky studierte Modedesign in London, arbeitete beim Jeanshersteller Levi Strauss, wechselte Ende der neunziger Jahre zu Adidas. Er wurde Kreativchef der internationalen Marke, machte die drei Streifen wieder cool.

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Michalsky bei der Fashion Week Berlin: Die Abschlussfete

Seit 2006 ist Michalsky selbstständig, entwirft Streetwear-Mode. Er arbeitete mit Tchibo zusammen, mit der Waschmittel-Firma Ariel, inzwischen gibt es seine Sneakers, seine Parfums, seine Sofas - und zweimal im Jahr die Michalsky-Stylenight. Die größte Party der Fashion Week.

Die perfekte Show

300 Leute sind am Freitagabend damit beschäftigt, dass alles glatt läuft: der Champagnerempfang, die Auftritte auf dem roten Teppich, die Präsentation von einer Männer- und einer Frauenkollektion, die Auftritte von zwei Livebands, die Aftershowparty. Es muss die perfekte Inszenierung werden. Es ist die einzige Werbung, die das Label macht.

600.000 Euro kostet der Abend nach Angaben des Geschäftsführers Volker Tietgens. Auf Anzeigen verzichtet die Firma, "das wäre noch deutlich teurer". Die Firma habe 2012 noch Verlust gemacht, 2013 wolle man bei Plusminus null rauskommen.

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Ende der Fashion Week: Schön war's, Berlin
Michalsky selbst spricht ungern über Zahlen, dafür umso lieber über sein Motto "real clothes for real people" - echte Kleidung für echte Menschen. Er sei kein Künstler wie andere Designer, sagt Michalsky. Seine Kleider, seine Schau sollten nichts Elitäres haben, sondern jedem zugänglich sein.

"Das ist doch geil"

Die Show wird per Livestream übertragen. Laut Geschäftsführer Tietgens haben bei der Präsentation im Januar 40.000 Menschen zugesehen. "Die hocken am Freitagabend zur Prime Time am Computer und schauen Michalsky. Das ist doch geil."

Tietgens ist vor fünf Jahren als Investor bei Michalsky eingestiegen, er hat bisher "keine zehn Millionen Euro" in das Label gesteckt. Seit 2009 ist er Geschäftsführer und hat in den vergangenen Jahren mit Michalsky auch an dessen Image gearbeitet. Tietgens weiß, dass Michalsky als Person das beste Aushängeschild der Marke ist. Da sei es wichtig, sich einmal pro Saison groß zu präsentieren, eine große Party zu schmeißen.

Etwa ein Drittel der Besucher an diesem Abend seien Geschäftspartner, sagt Tietgens. Bei ihnen wolle man Eindruck machen. "Denn bevor man einen Händler von einem Produkt überzeugen kann, muss er erstmal davon gehört haben", sagt Tietgens.

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insgesamt 5 Beiträge
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1. Mit Klamotten die man in Billig Ländern
mischpot 06.07.2013
dann produzieren lässt, kann man wohl immer noch eine Menge Geld verdienen.
2. wer kauft diese Klamotten überhaupt
Meckerliese 06.07.2013
Drittklassige Schauspielerinnen und "Designerinnen" die in der Bild zu sehen waren. Kaufen die seine Klamotten? Irgendwo stand mal, dass er finanzielle Probleme hat. Sind die nun behoben?
3. Wenn man dem Artikel glaubt, gab es bisher ja nur Verluste.
blauervogel 06.07.2013
Zitat von mischpotdann produzieren lässt, kann man wohl immer noch eine Menge Geld verdienen.
Mit belangloser, langweiliger Kleidung ohne eine eindeutige Handschrift, ohne Erkennungsmerkmal, ist kaum Geld zu verdienen, egal wo sie produziert wird. Die neue Frauenkollektion ist tragbar aber spricht mich, bis auf ein, zwei Teile nicht an. In diesem Preissegment gibt es zu viel Konkurrenz, da muss man sich schon profilieren, erkennbar sein. Die neue Kollektion von Marc Cain ist interessanter und inspirierender. Boss, Hugo, Strenesse haben schönere Modelle in dieser Preislage, von meinen Lieblingsdesignerinnen Victoria Beckham, Amanda Wakeley, Jill Sander nicht zu reden. Daran müsste sich MM orientieren, nicht im Stil, aber in der Erkennbarkeit der Marke. Nur bitte nicht wie Kaviar Gauche Kollektionen für Zalando designen, das ist ein absolutes NO GO!
4. Hahahaha!!!
etude 06.07.2013
Bild 5: Clark Kent im Konfirmationsanzug...
5. jetzt reicht es aber
ms66 06.07.2013
hallo SPON, könntet ihr jetzt bitte mit diesen Hype-Artikeln über die Fashion-Week aufhören. Außer einer kleiner Schar Neu-Berliner interessiert das Niemanden: es ist wieder einmal eine Artikelserie aus der Reihe: in-menschen_neu-wohnhaft-in-berlin versuchen sich medial zu pushen. Berlin ist ja so was von super-affen-geil ... und wir sind alle so bedeutend ... Nur tatsächlich verliert sich das wahre Interesse an der ganzen Chose hinter der Stadtgrenze. International gesehen bleibt die Fashion-Week ja dann doch eher - na, ja- zweite Reihe ?
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