Fashion Week in Berlin: Uneingeladene Gäste willkommen!

Von Wlada Kolosowa

Models, Designer, Chefeinkäufer - in Berlin versammelt sich die Modewelt zur Fashion Week. Das verspricht Glamour satt, doch Otto Normalverbraucher hat bei den großen Schauen kaum eine Chance, am Catwalk zu sitzen. Egal: Es gibt genug andere Modeevents in der Stadt.

Schau von Designerin Alexandra Kiesel (2012): Viel Rummel auch abseits der Catwalks Zur Großansicht
dapd

Schau von Designerin Alexandra Kiesel (2012): Viel Rummel auch abseits der Catwalks

Die Fashion Weeks stehen oft im Verdacht, elitäre Veranstaltungen zu sein: all die Dramen um Gästelistenplätze, Feilschen um die Sitzordnung in der ersten Reihe und Menschentrauben, die sich vor den Modezelten an ihre hart ernetzwerkten Einladungen klammern. Und viele Veranstaltungen der am Dienstag beginnenden Fashion Week Berlin sind tatsächlich "für Fachpublikum" vorgesehen - ein recht dehnbarer Begriff, der die Chefin der Deutschen "Vogue", Christiane Arp, umschließt, aber auch den frisch geschlüpften Modeblogger.

Wer in Berlin Mode schnuppern will, muss nun aber nicht noch eilig einen Blog basteln. Es gibt viele öffentliche Events für alle, die einfach neugierig sind. "Die Anzahl der öffentlichen Veranstaltungen wächst", sagt Nadine Jüdes, die zuständig für das Marketing der Fashion Week ist. "Mehr junge Designer interessieren sich für die Fashion Week und wollen auch Modebegeisterte abholen, die kein Fachpublikum sind."

Grün und umsonst - die nachhaltigen Modenschauen

Vor allem nachhaltigen Designern ist es nicht so wichtig, dass der Zugang zu ihren Schauen möglichst exklusiv ist, sondern dass viele Augen ihr Werk sehen.

Lavera Showfloor im Umspannwerk am Alexanderplatz bietet einen Laufsteg für Designer, die sich auf grünem Boden bewegen. Bei der Auswahl der Labels wurde zum Beispiel auf Kriterien wie geringer CO2-Austoß und naturfreundliche Färbetechniken geachtet. Insgesamt zeigen zwölf Labels ihre Kollektionen, unter ihnen Namen wie Esther Perbandt und Kaska Hass. Die Modenschauen sind für alle offen, solange Platz ist, allerdings müssen sich Gäste vorher anmelden.

Auch im Showfloor Berlin in Neukölln liegt der Fokus auf Nachhaltigkeit. Auf der Seite showfloorberlin.de kann man kostenlose Tickets für die 16 Shows sichern.

Der Schweizer Designer Julian Zigerli gilt als ein Innovator der Männermode. Seine Entwürfe sind smart, experimentierfreudig und beweisen auf jeden Fall Humorgefühl. 2011 hat er zum Beispiel den Jackpack vorgestellt: eine Mischung aus Jacke und Backpack, den Rucksack. Seine neue Kollektion "Happy Tears" stellt er am 16. Januar in der Galerie Cruise & Callas vor.

Showrooms: Klein, aber oho

Es muss nicht gleich der Laufsteg sein! Viele Designer präsentieren ihre Kollektionen in Läden, Galerien und Showrooms: Oft ist es billiger als eine Modenschau und persönlicher, weil die Besucher alles genauer betrachten können - und manchmal sogar anfassen und anprobieren. Über 150 nationale und internationale Designer und Künstler zeigen ihr Werk an über 50 Orten in Berlin.

Zum Beispiel Designerin Alexandra Kiesel, die 2011 den "Designer for Tomorrow"- Award von Marc Jacobs entgegen nahm. Eine Saison später präsentierte sie eine Kollektion im Mercedes-Benz-Zelt der Fashion Week. In diesem Jahr hat sich Kiesel für einen Showroom im Laden Konk entschieden. Für ihre Kollektion hat sie sich von konstruktivistischer Malerei und Werbegrafiken aus der Sowjetunion der Zwanziger Jahre inspirieren lassen.

Wer auf Fetischmode steht, wird sie im Showroom Degenerotika finden. Ab Mittwoch wird im House of Adora "Hardcore Couture" präsentiert. Was das ist? Ungewöhnliche Formen, augenzwinkernde Erotik, Leder nicht zu knapp. Und Schwarz. Viel Schwarz.

Bunt wird es hingegen im Showroom der Berlin Friendly Society; "Das Dirndl geht in den Untergrund und der Smoking macht einen Stagedive" lautet ihr Slogan. Die zwölf Designer, die ihr Werk hier präsentieren, haben keine Angst, Gegensätze zu mischen: klassische Schnitte mit futuristischen Experimenten, Modeschmuck der vergangenen Jahrzehnte mit urbanem Schick.

Mode zum Sterben und Jackies Kleid

Wie oft hat man diese Worte in einer Schuhboutique gehört: "Für diese Wildlederstiefel würde ich sterben!" Bildhauerin Iris Schieferstein und Maler Hans Peter Adamski haben diesen Satz wohl wörtlich genommen und tote Tiere als Rohmaterial für ihre Ausstellung "to die for" benutzt. High-Heels aus Pferdehufen, jemand Interesse? Lady Gaga soll sich schon ein Paar von ihnen gesichert haben.

Außerdem: Die Galerie für junge Künstler- und DesignerInnen Berlin zeigt in der Ausstellung "Street meets Fashion" die Fotografien von Rainer Pastwoski und Jörg Rubbert. Und das Museum The Kennedys lädt zu einer modischen Zeitreise in die Sechziger ein, als John F. Kennedy zum 35. Präsidenten der USA gewählt wurde.

Die Ausstellung zeigt, dass Mode politische Relevanz haben kann: Man sagt, seinen Sieg hat er unter anderem seiner Frau zu verdanken - und ihren Outfits. Stilikone Jacqueline Kennedy setzte auf Designer wie Chanel, Givenchy und auch das finnische Label Marimekko, das nun als Co-Organisator der Ausstellung auftritt. Gezeigt werden ein Originalkleid von Jackie, das sie während des Wahlkampfes trug, sowie Fotos, Titelseiten und Kleidung aus dieser Zeit.

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insgesamt 15 Beiträge
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    Seite 1    
1. Mode
Spiegelleserin57 15.01.2013
mit dieser ausgefallenen Mode kann kaum jemand auf die Straße gehen. Man kleidet sich doch eher passend! Der persönliche Stil ist entscheidend und nicht das was irgendwelche Designer vorschreiben wollen.
2. Naja...
thomas.b 15.01.2013
Die Fashion Week mag ja interessant sein für Glamour-Süchtige, die Berliner findens einfach nur peinlich. Die schräg aufgetakelten Mädchen sind hier aber immer einen Lacher wert ;-)
3.
billger 15.01.2013
Zitat von sysopModels, Designer, Chefeinkäufer - in Berlin versammelt sich die Modewelt zur Fashion Week. Das verspricht Glamour satt, doch Otto Normalverbraucher hat bei den großen Schauen kaum eine Chance, am Catwalk zu sitzen. Egal: Es gibt genug andere Modeevents in der Stadt. Fashion Week Berlin: Mode abseits der großen Laufstege - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/fashion-week-berlin-mode-abseits-der-grossen-laufstege-a-877420.html)
Und mir will es immer noch nicht in den Kopf, weshalb man eine der größten Strassen Berlins über Wochen voll sperren muss, nur damit sich die "Kreativszene" dort einen Laufsteg mit Zeltüberdachung aufstellen kann. Angesichts sonstiger Pleiten und Pannen habe ich das Gefühl, Berlin setzt wieder mal die falschen Schwerpunkte. Anziehen tut das Zeug in Berlin eh keiner und der Modezirkus zieht nach einer Woche weiter. Ausser Taxifahrer und Hotels hat es keinem Einheimischen einen Job gebracht, aber unser Wowereit hat sich wieder ein paar Tage köstlich auf Empfängen amüsiert.
4. @ spiegelleserin57
bigjes 15.01.2013
Es ist ja gerade ein Merkmal der Fashion Week das überwiegend alltagstaugliche Mode präsentiert wird! Es gibt hier wenig extreme Designerdinge, die untragbar sind, sondern es geht mehr um Wohlfühlen etc. Aber die ganze sinnlose Sperrung am Brandenburger Tor ist für so einen langen Zeitraum (vor Sylvester angefangen) für ein kommerzielles Event mehr als fragwürdig! Klar, für uns Berliner ist es ist lustig so viele Fashionvictims auf einen Haufen zu sehen, da man die hier sonst nur eher wenig hat. Berlin ist halt nicht München, Düsseldorf, Köln oder Hamburg. Hier war es immer schon etwas schlampiger. Man muß jetzt nur die Innenstadt besuchen und hat den ganzen Tag Fashion Week. Ich brauche da gar keine Veranstaltungen mehr. Den Überblick erhalte ich durch Besichtigung der Fachbesucher....
5. jobs
jgotty 15.01.2013
Also neben dieser ganzen Laufsteg Fashion gibt es ja auch einige Messen auf denen tragbare Mode verkauft wird. Und da wird eine ganze Menge Geld in die Stadt gespült. Von Handwerkern bis Gastronomen, kenne ich kaum jemand der in den Wochen vor der Messe nicht gut ausgelastet ist und auch lukrative Aufträge an Land ziehen kann... Ob daraus jetzt langfristige Jobs enstehen steht nochmal auf einem anderen Blatt, schließlich sind das nur Peaks, aber Geld und Leute kommen trotzdem in die Stadt.
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