Von Wlada Kolosowa
Die Fashion Weeks stehen oft im Verdacht, elitäre Veranstaltungen zu sein: all die Dramen um Gästelistenplätze, Feilschen um die Sitzordnung in der ersten Reihe und Menschentrauben, die sich vor den Modezelten an ihre hart ernetzwerkten Einladungen klammern. Und viele Veranstaltungen der am Dienstag beginnenden Fashion Week Berlin sind tatsächlich "für Fachpublikum" vorgesehen - ein recht dehnbarer Begriff, der die Chefin der Deutschen "Vogue", Christiane Arp, umschließt, aber auch den frisch geschlüpften Modeblogger.
Wer in Berlin Mode schnuppern will, muss nun aber nicht noch eilig einen Blog basteln. Es gibt viele öffentliche Events für alle, die einfach neugierig sind. "Die Anzahl der öffentlichen Veranstaltungen wächst", sagt Nadine Jüdes, die zuständig für das Marketing der Fashion Week ist. "Mehr junge Designer interessieren sich für die Fashion Week und wollen auch Modebegeisterte abholen, die kein Fachpublikum sind."
Grün und umsonst - die nachhaltigen Modenschauen
Vor allem nachhaltigen Designern ist es nicht so wichtig, dass der Zugang zu ihren Schauen möglichst exklusiv ist, sondern dass viele Augen ihr Werk sehen.
Lavera Showfloor im Umspannwerk am Alexanderplatz bietet einen Laufsteg für Designer, die sich auf grünem Boden bewegen. Bei der Auswahl der Labels wurde zum Beispiel auf Kriterien wie geringer CO2-Austoß und naturfreundliche Färbetechniken geachtet. Insgesamt zeigen zwölf Labels ihre Kollektionen, unter ihnen Namen wie Esther Perbandt und Kaska Hass. Die Modenschauen sind für alle offen, solange Platz ist, allerdings müssen sich Gäste vorher anmelden.
Auch im Showfloor Berlin in Neukölln liegt der Fokus auf Nachhaltigkeit. Auf der Seite showfloorberlin.de kann man kostenlose Tickets für die 16 Shows sichern.
Der Schweizer Designer Julian Zigerli gilt als ein Innovator der Männermode. Seine Entwürfe sind smart, experimentierfreudig und beweisen auf jeden Fall Humorgefühl. 2011 hat er zum Beispiel den Jackpack vorgestellt: eine Mischung aus Jacke und Backpack, den Rucksack. Seine neue Kollektion "Happy Tears" stellt er am 16. Januar in der Galerie Cruise & Callas vor.
Showrooms: Klein, aber oho
Es muss nicht gleich der Laufsteg sein! Viele Designer präsentieren ihre Kollektionen in Läden, Galerien und Showrooms: Oft ist es billiger als eine Modenschau und persönlicher, weil die Besucher alles genauer betrachten können - und manchmal sogar anfassen und anprobieren. Über 150 nationale und internationale Designer und Künstler zeigen ihr Werk an über 50 Orten in Berlin.
Zum Beispiel Designerin Alexandra Kiesel, die 2011 den "Designer for Tomorrow"- Award von Marc Jacobs entgegen nahm. Eine Saison später präsentierte sie eine Kollektion im Mercedes-Benz-Zelt der Fashion Week. In diesem Jahr hat sich Kiesel für einen Showroom im Laden Konk entschieden. Für ihre Kollektion hat sie sich von konstruktivistischer Malerei und Werbegrafiken aus der Sowjetunion der Zwanziger Jahre inspirieren lassen.
Wer auf Fetischmode steht, wird sie im Showroom Degenerotika finden. Ab Mittwoch wird im House of Adora "Hardcore Couture" präsentiert. Was das ist? Ungewöhnliche Formen, augenzwinkernde Erotik, Leder nicht zu knapp. Und Schwarz. Viel Schwarz.
Bunt wird es hingegen im Showroom der Berlin Friendly Society; "Das Dirndl geht in den Untergrund und der Smoking macht einen Stagedive" lautet ihr Slogan. Die zwölf Designer, die ihr Werk hier präsentieren, haben keine Angst, Gegensätze zu mischen: klassische Schnitte mit futuristischen Experimenten, Modeschmuck der vergangenen Jahrzehnte mit urbanem Schick.
Mode zum Sterben und Jackies Kleid
Wie oft hat man diese Worte in einer Schuhboutique gehört: "Für diese Wildlederstiefel würde ich sterben!" Bildhauerin Iris Schieferstein und Maler Hans Peter Adamski haben diesen Satz wohl wörtlich genommen und tote Tiere als Rohmaterial für ihre Ausstellung "to die for" benutzt. High-Heels aus Pferdehufen, jemand Interesse? Lady Gaga soll sich schon ein Paar von ihnen gesichert haben.
Außerdem: Die Galerie für junge Künstler- und DesignerInnen Berlin zeigt in der Ausstellung "Street meets Fashion" die Fotografien von Rainer Pastwoski und Jörg Rubbert. Und das Museum The Kennedys lädt zu einer modischen Zeitreise in die Sechziger ein, als John F. Kennedy zum 35. Präsidenten der USA gewählt wurde.
Die Ausstellung zeigt, dass Mode politische Relevanz haben kann: Man sagt, seinen Sieg hat er unter anderem seiner Frau zu verdanken - und ihren Outfits. Stilikone Jacqueline Kennedy setzte auf Designer wie Chanel, Givenchy und auch das finnische Label Marimekko, das nun als Co-Organisator der Ausstellung auftritt. Gezeigt werden ein Originalkleid von Jackie, das sie während des Wahlkampfes trug, sowie Fotos, Titelseiten und Kleidung aus dieser Zeit.
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Panorama | Twitter | RSS |
| alles zum Thema Berlin Fashion Week | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH