Fehlende Geburtsurkunde 50 Millionen Kinder verschwinden im Nirgendwo

Hilflos sind sie Sklaverei und Ausbeutung ausgesetzt, werden oftmals Opfer von Menschenhändlern: Weltweit besitzen fast 50 Millionen Kinder keine Geburtsurkunde, ermittelte eine Unicef-Studie - und leben damit offiziell gar nicht.


Kindersklaven: Offiziell nicht registriert, als Leibeigene ausgebeutet
AP

Kindersklaven: Offiziell nicht registriert, als Leibeigene ausgebeutet

Köln - "Wenn ein Kind offiziell nicht existiert, dann kann man es auch nicht schützen", erklärte Unicef-Sprecherin Helga Kuhn. Gesetze gegen Kinderarbeit oder -prostitution seien nur durchzusetzen, wenn Herkunft und Alter des Kindes eindeutig festgestellt werden könne. Bei 50 Millionen Kindern sei dies jedoch nicht der Fall, da ihre Geburt nicht registriert worden sei.

Besonders betroffen seien Kinder aus den Ländern Südasiens und Afrikas, sagte Kuhn. So liege der Anteil nicht registrierter Geburten in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara mit 70 Prozent weltweit am höchsten. Die Kleinen würden damit leicht zur Beute von Menschenhändlern. Selbst im eigenen Land seien sie vom Schulbesuch ausgeschlossen, als Flüchtlinge könnten sie ihre Nationalität nicht nachweisen.

Sowohl die Politik als auch die Behörden sind nach Angaben der Unicef-Sprecherin für das Versagen in der Geburtenregistrierung verantwortlich: "Zum einen fehlt es dort am politischen Willen, zum anderen wissen die lokalen Behörden gar nicht, dass sie zuständig sind", so Kuhn.



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