Femen-Aktion Barbusiger Protest auf dem Petersplatz

Sie protestierten erst gegen Premier Berlusconi, dann gegen Sextourismus: Meist tun sie das leicht bekleidet, doch dieses Mal hat sich eine Feministin der ukrainischen Bewegung Femen auf dem Petersplatz im Vatikan sogar das transparente Oberteil vom Leib gerissen - und wurde prompt festgenommen.

REUTERS

Hamburg - Sie startete ihre Protestaktion kurz nach dem Angelus-Gebet von Papst Benedikt XVI.: Eine Feministin der ukrainischen Bewegung Femen hat am Sonntag auf dem Petersplatz im Vatikan ihre Brust entblößt.

Bevor Sicherheitskräfte sie auf den Boden warfen und festnahmen, zog die Frau zur Überraschung der Gläubigen und Touristen ihr schwarzes, durchsichtiges Oberteil aus. Dabei schwenkte sie ein Schild mit der Aufschrift "Freiheit für Frauen" und dem Logo von Femen. Die junge Frau hatte noch vier Mitstreiterinnen, die den Petersplatz jedoch nicht erreichten, da sie vorher festgenommen wurden.

Femen prangert Prostitution und Sextourismus an. Ihre Mitglieder sind bei ihren öffentlichen Protestaktionen in der Regel nur halb oder leicht bekleidet. Die Aktivistinnen schlossen sich am Sonntag Zehntausenden Anhängern der Opposition an, die in der italienischen Hauptstadt den Rücktritt von Ministerpräsident Silvio Berlusconi forderten.

Der versammelten Menschenmenge sagte der Chef der sozialdemokratischen Partito Democratico, Pierluigi Bersani, seine Partei werde mit anderen Oppositionsgruppen zusammenarbeiten und die Führung einer neuen Regierung anstreben. Den aus ganz Italien angereisten Demonstranten schlossen sich außerdem sozialdemokratische Politiker aus Frankreich sowie Deutschland an.

"Berlusconi, diese Marionette muss gehen"

"Wir sind nicht glaubwürdig. Ich schäme mich dafür, wie andere europäische Länder uns sehen. Es ist peinlich. Dieser Mann (Berlusconi), diese Marionette muss gehen", sagte einer der Demonstranten, der Rentner Mario Puddu.

Berlusconi hat den von der Opposition geforderten Rücktritt jedoch erneut abgelehnt. In einer Audiobotschaft an eine politische Versammlung erklärte er am Sonntag, er habe ausreichend Unterstützung im Parlament, um die notwendigen Reformen durchzusetzen. Er werde nicht zurückgetreten und einem Marionetten-Regierungschef Platz machen, sagte er weiter.

Berlusconi steht angesichts der anhaltenden Schuldenkrise und der Streitigkeiten innerhalb seiner Regierungskoalition unter Druck. Sechs Mitglieder seiner Partei drängten ihn in dieser Woche zum Rücktritt, um die Bildung einer breiteren Koalition mit einer der Oppositionsparteien aus der politischen Mitte zu ermöglichen.

Berlusconi hat zuletzt eine Vertrauensabstimmung über die zur Stützung der italienischen Wirtschaft von der Europäischen Union geforderten neuen Gesetze angekündigt. Italien stimmte beim G-20-Gipfel in Cannes außerdem einer Überwachung seiner Reformbemühungen durch den Internationalen Währungsfonds zu - ein schwerer Schlag für das Land, das zu den sieben größten Volkswirtschaften der Welt gehört.

jjc/AFP



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