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Prominente über Ferguson: Auffällig schweigsam

Rapper Nelly in Ferguson: Worte statt Gewalt Fotos
REUTERS

Zum Tod des schwarzen Teenagers Michael Brown aus Ferguson haben sich bislang wenig Prominente geäußert. Rapper Nelly solidarisierte sich nun mit den Demonstranten in der US-Kleinstadt. Wie verhalten sich seine Kollegen aus dem Showgeschäft?

Ferguson - Seit Tagen gehen in der US-Kleinstadt Ferguson die Menschen auf die Straße. Sie fordern Gerechtigkeit im Fall des unbewaffneten schwarzen Teenagers Michael Brown, der von einem weißen Polizisten erschossen wurde. Sie demonstrieren gegen Rassismus und Polizeigewalt. Längst wird auch in den sozialen Netzwerken diskutiert. Nur eine sonst eher mitteilungsbedürfte Gruppe ist auffällig schweigsam: Hollywood.

Die Zurückhaltung vieler Prominenter stößt im Internet auf Kritik. "Ich verstehe einfach nicht, wie manche gegen ein Luxushotel in Los Angeles zum Boykott aufrufen können, sich aber nicht zu den Vorgängen in Ferguson äußern", heißt es beispielsweise in einem Tweet. Dass Dutzende Promis die "Ice Bucket Water Challenge" absolvierten, um Bewusstsein für die Nervenkrankheit ALS zu schaffen, aber zur Situation in Ferguson schwiegen, erscheint vielen unverständlich.

Viele User verlangten gerade von afroamerikanischen Stars wie Jay-Z, Beyoncé, Kanye West, Michael Jordan oder Oprah Winfrey sich im Fall Michael Brown zu Wort melden. "Liebe schwarze Promis, wenn euch euer Publizist rät, nichts über Ferguson zu sagen, feuert sie", schrieb eine New Yorker Filmkritikerin.

Es gab jedoch auch mahnende Stimmen. "Zu fordern, dass jeder schwarze Promi mit einer Hitsingle oder einer Twitter-Gefolgschaft etwas zu Ferguson sagt, setzt voraus, dass es sich lediglich um eine Angelegenheit einer Minderheit handelt", kommentierte das "Daily Beast". Dabei werde vergessen, dass es sich um ein Menschenrechtsproblem handele.

US-Rapper besuchen Ferguson

Einige Prominente, darunter größtenteils Afroamerikaner, zeigten sich mittlerweile solidarisch mit den Demonstranten in Ferguson. Der Rapper Nelly, der selbst aus St. Louis stammt, besuchte am Montag mit befreundeten Musikern die Kleinstadt. Er sprach mit den Protestierenden und forderte sie auf, Worte statt Gewalt einzusetzen. In Zusammenarbeit mit Browns Eltern gründete er eine Stiftung, die benachteiligte Jugendliche auf ihrem Weg zum College unterstützen soll.

Der Rapper Talib Kweli diskutiert seit Tagen mit Twitter-Usern über das Ausmaß an Alltagsrassismus. Dass Schwarze gewalttätiger und krimineller seien als Weiße, sei "ein Mythos". Als prominente Person sei es seine Pflicht, Probleme in der Gesellschaft offen anzusprechen. Auch er war nach Ferguson gereist.

In den sozialen Netzwerken äußerten sich weitere Kollegen. Sean Combs alias P. Diddy postete ein Video auf Instagram, in dem er sich direkt an US-Präsident Barack Obama wandte. "Steigen Sie in ein Flugzeug, es ist ernst - das sind Ihre Leute!"

Grammy-Preisträger John Legend verurteilte das Verhalten der Polizei in Ferguson. "Die Polizisten heizen die Lage mit Absicht weiter an. Sie nennen uns 'Tiere', das ist ein Begriff, um Sklaverei zu rechtfertigen", kommentierte er auf Twitter. Er bezog sich dabei auf einen Beitrag des TV-Senders CNN, in dem ein Polizist in Richtung der Demonstranten brüllte, die "Tiere" sollten nur herkommen.

TV-Produzentin Shonda Rhimes ("Grey's Anatomy", "Scandal") kritisierte die Festnahme mehrerer Journalisten. "Jetzt entfernen sie die Presse aus dem Gebiet? Sie entfernen die Zeugen?!", schrieb sie auf Twitter.

Zwischenzeitlich machte ein Zitat des Bürgerrechtlers Martin Luther King die Runde: "Dunkelheit kann Dunkelheit nicht vertreiben; nur Licht kann das. Hass kann Hass nicht vertreiben, nur Liebe kann das." Unter anderem wurde der Tweet von Outkast-Sänger Big Boi und Schauspielerin Kerry Washington verbreitet.

"Mad Men"-Star Jon Hamm, der ebenfalls einen Teil seiner Jugend in St. Louis verbrachte, erklärte bei einem Besuch in der Stadt lediglich: "Ich hoffe, dass die Gerechtigkeit sich durchsetzt." Hinsichtlich der Ausschreitungen sei jedoch niemand ohne Schuld, sagte er dem Newsportal stltoday.com.

Vor wenigen Tagen hatte Lena Dunham sich kurz zu Wort gemeldet. "Ich schicke Liebe und Unterstützung zu den Bürgern in Ferguson, die leiden und eine Veränderung fordern", schrieb sie auf Twitter.

Lesen Sie hier eine Chronologie der Ereignisse in Ferguson.

Chronologie

gam/las

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