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Protest in Ferguson und St. Louis: US-Polizei nimmt 90-jährige Holocaustüberlebende fest

LiveLeak/thomasrd

Hedy Epstein demonstrierte für Gerechtigkeit, nach den tödlichen Schüssen auf Michael Brown aus Ferguson wollte sie ein Zeichen setzen. Dann wurde die 90-jährige Holocaustüberlebende von der Polizei in Kabelbindern abgeführt.

Ferguson/St. Louis - "Die Nationalgarde muss weg, die Nationalgarde muss weg." Mit lauten Rufen und Plakaten marschierte eine Gruppe Protestierender am Montagnachmittag (Ortszeit) in die Innenstadt von St. Louis. Ihr Ziel war das Büro des Gouverneurs von Missouri, Jay Nixon. Er hatte die Nationalgarde in die nahegelegene Kleinstadt Ferguson beordert, wo sie die Unruhen nach dem Tod des schwarzen Teenagers Michael Brown befrieden soll. Die Demonstrierenden forderten Gerechtigkeit für Brown, so berichtet es der Fernsehsender KMOV.

Mittendrin befand sich auch eine bekannte Aktivistin. Hedy Epstein, 90 Jahre alt, geboren in Freiburg in Deutschland, überlebte als Kind den Holocaust. Seit Jahrzehnten engagiert sie sich in den USA für Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit. Zuletzt hatte sie sich vor allem für Palästina eingesetzt.

Bei der Demonstration in St. Louis hielt die 90-Jährige nun eine Rede gegen Polizeigewalt. Im Verlauf der Kundgebung hätten Epstein und acht weitere Mitstreiter sich vor dem Eingang des Bürogebäudes an den Armen untergehakt, berichtet das Wochenmagazin "The Nation" online. Schließlich sei die Menschenkette von der Polizei aufgelöst worden.

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Holocaust-Überlebende Epstein: 90-Jährige in Kabelbindern

Videoaufnahmen zeigen, wie mehrere Beamte die alte Frau abführen - die Arme wurden Epstein und ihren Mitstreitern mit Kabelbindern auf den Rücken gebunden. Die Begründung: Sie hätten sich geweigert, die Blockade aufzulösen. Ihnen wird Missachtung des Aufrufs zur Auflösung einer Menge vorgeworfen. Alle neun Demonstranten befinden sich mittlerweile wieder auf freiem Fuß.

Epstein lebt seit Jahren in St. Louis. 2001 gründete sie hier ein weltweites Frauennetzwerk, das sich gegen Kriege und Gewalt engagiert. "Ich mache das hier, seit ich ein Teenager bin", sagte Epstein bei ihrer Abführung über ihren Einsatz. "Aber ich hätte nicht gedacht, dass das noch nötig wäre, wenn ich 90 bin." Die Menschen müssten sich in diesen Zeiten zusammentun.

Berichte von Schüssen in Ferguson

In Ferguson zeichnete sich in der Nacht eine weitere Eskalation ab. Aus der Menge der Demonstranten seien Schüsse auf Polizisten abgefeuert worden, die Einsatzkräfte hätten unter "schwerem Beschuss" gestanden, sagte Ron Johnson. Er hat als Offizier der Highway Patrol seit Donnerstag das Kommando über die Polizei in Ferguson. Demnach gab es Dutzende Festnahmen. 31 Menschen wurden laut Polizei in Gewahrsam genommen.

Auch mehrere Medienvertreter wurden festgenommen. Zwei deutsche Reporter der "Welt" wurden von der Polizei abgeführt und offenbar ohne Angaben eines Grunds drei Stunden festgehalten. Später teilte auch die "Bild"-Zeitung mit, einer ihrer Reporter befände sich in polizeilichem Gewahrsam. Zuvor hatte die Fotoagentur Getty Images gemeldet, einer ihrer Fotografen sei festgenommen worden. Scott Olson wurde demnach in Gewahrsam genommen, als er Bilder von einer Demonstration in Ferguson aufnahm. Vor einigen Tagen war ein Reporter der "Washington Post" festgehalten worden.

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Festnahme von Reportern in Ferguson: "Eklatante Verletzung der Pressefreiheit"
Vor zehn Tagen hatte der weiße Polizist Darren W. den 18-jährigen Michael Brown erschossen, obwohl dieser unbewaffnet war. Nach Angaben von Augenzeugen soll Brown die Hände über den Kopf gehalten haben, als die Schüsse fielen. Die Polizei gibt an, es habe zuvor einen Angriff auf W. gegeben. Seitdem kommt es in Ferguson zu Protesten, die von Plünderungen und Ausschreitungen begleitet werden.

Lesen Sie hier eine Chronologie der Ereignisse in Ferguson.

Chronologie

gam/jäs

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