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"Wie tollwütige Hunde niedermachen": Polizisten in Ferguson suspendiert

Polizisten in Ferguson (am Dienstag): Äußerungen "bizarr" und "inakzeptabel" Zur Großansicht
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Polizisten in Ferguson (am Dienstag): Äußerungen "bizarr" und "inakzeptabel"

Die Serie von Peinlichkeiten für die Polizei in der US-Stadt Ferguson reißt nicht ab. Unabhängig voneinander sind nun zwei weitere Einsatzkräfte suspendiert worden - Hintergrund sind bizarre Auftritte der Polizisten im Internet.

Ferguson - Im Zusammenhang mit den Protesten in der US-Stadt Ferguson sind erneut zwei Polizisten suspendiert worden. Die Behörden reagieren damit auf aggressive und beleidigende Äußerungen, die die beiden Einsatzkräfte unabhängig voneinander gemacht hatten.

Die Suspendierung von Matthew P. erfolgte nach Angaben der Polizeidirektion in Glendale wegen dessen Bemerkungen auf seiner Facebook-Seite. Der Polizist soll dort unter anderem geschrieben haben: "Ich habe diese Protestler satt. Ihr seid eine Belastung für die Gesellschaft und eine Plage für die Gemeinschaft." Man hätte die Menschen "in der ersten Nacht wie tollwütige Hunde niedermachen sollen". Die Polizeidirektion kündigte eine Untersuchung an und erklärte, Polizei und Stadtverwaltung teilten P.s Ansichten in keiner Weise.

Glendale, eine zu 97 Prozent von Weißen bewohnte 6000-Einwohner-Gemeinde, gehört wie Ferguson zum Einzugsbereich der Großstadt St. Louis im Bundesstaat Missouri. Pressefotografen hatten P. als einen von Hunderten Polizisten erkannt, die zur Verstärkung gegen die Demonstranten nach Ferguson entsandt worden waren. Einer der Journalisten sagte, der Polizist sei kurz davor gewesen, mit seinem Knüppel auf die Reporter einzuschlagen.

"Ich habe viele Leute getötet"

Im zweiten Fall wurde Dan P. in den Innendienst versetzt, ein Polizist mit 35 Jahren Berufserfahrung aus St. Louis, der ebenfalls bei den Protesten in Ferguson eingesetzt worden war. Grund für die Maßnahme ist ein jetzt aufgetauchtes Video aus dem Jahr 2012, in dem der Ex-Soldat vor Publikum damit prahlt, ein "Killer" zu sein.

Dan P. spricht in dem Film vor einer Gruppe ehemaliger Militärs und Polizisten in St. Louis. "Ich habe viele Leute getötet, und wenn es sein muss, töte ich noch eine ganze Menge mehr", sagt er. "Wenn du nicht getötet werden willst, dann komm mir nicht in die Quere!" P. macht in dem Video zudem beleidigende Bemerkungen über Muslime.

Der Polizeichef des Bezirks St. Louis, Jon Belmar, nannte die Äußerungen "bizarr" und bat für das Verhalten Dan P.s um Entschuldigung. Der Polizist habe zwar noch nie im Einsatz geschossen, dennoch seien "seine Äußerungen über das Töten inakzeptabel". P. wurde aus dem aktiven Dienst in die Verwaltung versetzt, gegen ihn wird intern ermittelt. Laut CNN ist außerdem eine psychologische Untersuchung denkbar.

Bereits in der vergangenen Woche war in Ferguson ein Polizist suspendiert worden, nachdem er friedliche Bürger beschimpft und mit seinem Sturmgewehr bedroht hatte ("I will fucking kill you!").

In dem Vorort von St. Louis hatte es tagelang Zusammenstöße von Demonstranten mit der Polizei gegeben. Auslöser für die Unruhen waren die tödlichen Schüsse eines weißen Polizisten auf den 18-jährigen unbewaffneten Afroamerikaner Michael Brown am 9. August.

Zuletzt blieb die Lage in der 30.000-Einwohner-Stadt drei Nächte in Folge ruhig. Eine Kundgebung mit Hunderten Teilnehmern lief am Freitag friedlich ab. Auch die Nationalgarde, die zwischenzeitlich in die Stadt eingerückt war, zieht sich aus Ferguson zurück. Gouverneur Jay Nixon hatte den Abzug der Truppen am Donnerstag angeordnet.

Chronologie

rls/AFP/Reuters

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insgesamt 127 Beiträge
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1. Die hässliche Seite des Internets
cucco 23.08.2014
Die Äusserungen der Polizisten sind ganz sicher kein Einzelfall, eher die Regel wie sie unter sich auch sprechen. Wäre das nicht so, dann kämen diese Sätze nicht so unbekümmert indie Öffentlichkeit. Jeder hat Momente, in denen er Zorn, Gleichgültigkeit, übertrieben Emotionen, Liebe und Hass unausgewogen und vor allem nicht "politically correct" äussert. Dann braucht man einen break, und nach einiger Zeit ist man wider auf normal. Doch die böse Seite des Internet ist krass anti-chtistlich: Internet speichert alles, Internet vergibt und vergisst nicht! Das haben die Menschen selbst erfunden und 99% der Menschheit oder noch mehr wissen nicht mit dem Medium umzugehen. Wir haben unsere Mühe den Kindern beizubringen, nichts persönliches im Internet zu lassen. Aber es muss sein gegen den (fast immer) dummen Mainstream zu schwimmen.
2.
steelman 23.08.2014
" Einer der Journalisten sagte, der Polizist sei kurz davor gewesen, mit seinem Knüppel auf die Reporter einzuschlagen." Da kommen Erinnerungen hoch an die Startbahn West, dieses deutsche Lehrstück für Demokratie.
3. Wenn Politiker gegen Polizisten kämpfen,
coralian 23.08.2014
solidarisieren sich die Polizisten mit den Aufrührern. Konnte man sehr schön in der Ukraine sehen, als der ehemalige Präsident Wiktor Janukowytsch sich gegen seine Polizei stellte und den Majdan nicht sofort räumen liess. Hinterher räumten die faschistischen Schläger ihn weg. Die versuchen die Polizei zu Sündenböcken für die enorm hohe Kriminalität und Rechtsverachtung der schwarzen Bevölkerungsminderheit zu machen. Wer glaubt, das Kriminalität eine Folge polizeilicher Arbeit sei, ist nicht ganz dicht.
4. Einstellungsvorausetzungen verschärfen
Christian Teuber 23.08.2014
Wenn man jeden Depp von der Straße einen Deputy-Stern an die nicht weiße Weste nadelt, dann kommt auch so was raus. Und bei ehemaligen Frontkämpfern sollte man aus einschlägiger Erfahrung besonders äußerst vorsichtig sein. Für einen (ausgebildeten) Hammer sieht nun mal alles aus wie ein Nagel. Auch wenn die deutsche Polizei kein Hort höchster moralischer Werte ist, wie man an kürzlichen Videos aus Berlin ablesen konnte, sind die Einstellungsvoraussetzungen hier doch erheblich strenger und interne Ermittlungen werden schneller eingeleitet. (Hoffe ich zumindest mal...)
5.
deepfritz 23.08.2014
Wenn wir schon allgemeinern : was von 1939 bis 1945 spiegelte wohl den Charakter Ihrer Vorfahren wider? Oder etwa nicht?
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