Feuerwehrmänner oben ohne: "Wir sehen uns als Kalender-Girls"

Von Simone Utler

Die Freiwillige Feuerwehr Bad Laer bessert mit Oben-ohne-Fotos ihre Finanzen auf: Weil das Geld für eine Wärmebildkamera fehlt, ziehen 15 Feuerwehrmänner die Hemden aus und posieren für einen Kalender. Der ist inzwischen über die Ortsgrenzen hinaus begehrt.

Hamburg - Sie posieren vor dem roten Einsatzfahrzeug, mit einer Axt, einem Trennschleifer oder dem Löschschlauch, sie tragen ihre Latzhosen und Helme, die Oberkörper sind nackt: 15 Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr in Bad Laer haben sich als Models für einen Kalender zur Verfügung gestellt. Vom Feuerwehrmann-Anwärter bis zum Brandmeister sind alle dabei, die Männer sind zwischen 20 und 58 Jahre alt.

Mit dem Verkauf der Kalender wollen die Feuerwehrleute des 8000-Einwohner-Örtchens in Niedersachsen Geld für eine Wärmebildkamera zusammenbekommen. Die Gemeinde habe gerade ein neues Einsatzfahrzeug gekauft, so dass nicht gleich die nächste Anschaffung möglich sei, sagt Oberfeuerwehrmann Tobias Roggenkamp. Bisher leihe sich die Feuerwehr Wärmebildkameras von den Nachbargemeinden aus, aber dabei gehe immer Zeit verloren.

Roggenkamp ist als Regionaldiakon und Feuerwehrseelsorger in Bad Laer tätig und hatte die Idee zu dem Kalender. Rund 7000 Euro brauchen die Feuerwehrmänner für die Kamera. Jeder Kalender bringt 10 Euro, 1000 Stück wurden gedruckt.

SPIEGEL ONLINE: Ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen: Ihre Geschichte erinnert ein wenig an den Film "Ganz oder gar nicht", in dem normale Männer ohne Astralkörper oder Bühnenerfahrung ihr Geld als Stripper verdienen.

Roggenkamp: Wir sehen uns eher als Kalender-Girls. Tatsächlich habe ich einen Kalender von einer anderen Feuerwehr gekauft, um den Kameraden zu zeigen, wie so etwas aussehen kann. Allerdings wurde da deutlich mehr Haut gezeigt. Auf einem Bild ist ein Feuerwehrmann ganz nackt und bedeckt sich nur mit einem Verkehrshütchen. Das war uns zu anzüglich. Bad Laer ist zu gut 60 Prozent katholisch, und wir wollten uns dem Umfeld entsprechend verhalten. So haben wir uns für einen Mix aus Feuerwehrtechnik und Manpower entschieden.

SPIEGEL ONLINE: Woher hatten Sie die Idee mit dem Kalender?

Roggenkamp: Ich habe im Internet auf der Seite eines Fachversands für Feuerwehrartikel gestöbert. Die verkaufen beispielsweise Feuerwehrautos für Kinder, Krawattennadeln oder Aufkleber mit Sprüchen wie "Fühl dich sicher - schlafe mit einem Feuerwehrmann". Da gibt es auch Kalender. Und da dachte ich: So etwas könnten wir auch machen.

SPIEGEL ONLINE: Hatten Sie schnell ausreichend freiwillige Models?

Roggenkamp: Die erste Reaktion war eher verhalten. Zum ersten Fototermin kam nur eine Handvoll Männer. Gemeinsam haben wir entschieden, was wir machen wollen. Doch als ich dann die ersten Bilder zeigen konnte, die echt schön geworden waren, kamen zum zweiten Termin mehr Männer als wir Kalenderblätter frei hatten.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie und Ihre Kollegen sich auf die Shootings vorbereitet? Mit Hanteln und Sonnenbank vielleicht?

Roggenkamp: Die Zeit war zu knapp, um ins Fitnessstudio zu gehen. Aber wir haben uns schon gefragt, ob unsere Speckröllchen und Falten in Ordnung sind. Letztlich ist das Besondere an den Bildern, dass die Kameraden so aussehen, wie sie wirklich sind - eben keine Top-Models.

SPIEGEL ONLINE: Haben die Männer sich vor dem Unterfangen das Okay ihrer Frauen eingeholt?

Roggenkamp: Da hat keiner um Erlaubnis gefragt. Eine der Ehefrauen kam in den Fotoladen, um Passfotos machen zu lassen, als wir gerade die Aufnahmen sichteten. Sie sah ihren Mann auf einem der Bilder und sagte nur: "Na, er muss ja wissen, was er tut."

SPIEGEL ONLINE: Und wie kommt der Kalender in der Gemeinde an?

Roggenkamp: Die Reaktionen sind meist positiv. Wir haben schon 300 Stück verkauft. Inzwischen gibt es sogar Anfragen aus dem ganzen Landkreis. Auf die Frage, für was wir uns noch ausziehen würden, kann ich aber nur sagen: Für diesen Zweck war es für uns okay, aber sonst würden wir das nicht machen.

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insgesamt 25 Beiträge
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    Seite 1    
1. Ältestes Model
susanneuser 08.10.2012
Am besten gefällt mir das älteste Modell :-)
2. Scharfe Fotos?
graf_krolock 08.10.2012
Zitat von susanneuserAm besten gefällt mir das älteste Modell :-)
Da scheint mir einer im Umgang mit dem Filter "Unscharf maskieren" nicht kundig zu sein.
3. Von der Bühne in die Realität
Meratus 08.10.2012
Das Weyher Theater hat genau solch eine Marketingstrategie letztes Jahr (2011) im Stück "Kalendar Boys" brillant inszeniert (www.weyhertheater.de/der-spielplan/kalender-boys/ ). Listige Zungen behaupten ja, es gäbe einen Zusammenhang zur Nachbarstadt Syke wo 1994 und (!) 2009 das Feuerwehrhaus abgebrannt war und man es dank Spenden wieder aufbauen konnte.
4.
KnoKo 08.10.2012
Zitat von susanneuserAm besten gefällt mir das älteste Modell :-)
Dem schließe ich mich an. Ein klasse Bild, das beinahe etwas von einem Gemälde hat. Kompliment an den Fotografen. Insgesamt eine tolle Idee.
5. Photoshop lässt grüßen
tendust_remar 08.10.2012
Dass die Beleuchtung der Körper nicht mit der Beleuchtung des Hintergrundes übereinstimmt sieht selbst das ungeschulte Auge eines Amateurs.
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