Fischer-Attacke Farbbeutel kostet 3600 Mark

Ein Farbbeutel auf einen amtierenden Außenminister kostet immerhin 3600 Mark. Diesen Preis legte jetzt das Amtsgericht Bielefeld fest - zur Freude des "Fischer-Attentäters".


Der Farbbeutel-Wurf von Bielefeld
[M] REUTERS

Der Farbbeutel-Wurf von Bielefeld

Bielefeld - Der Mann, der im Mai 1999 auf einem Grünen-Parteitag Außenminister Joschka Fischer mit einem Farbbeutel am Kopf verletzt hatte, kam mit der Geldstrafe noch glimpflich davon. Das Gericht revidierte einen Strafbefehl, der dem Angeklagten sieben Monate Haft auf Bewährung eingebracht hätte. Die Verhandlung wurde von lautstarken Sympathiebekundungen zahlreicher Gesinnungsgenossen des 33-Jährigen begleitet.

Das Gericht setzte sich mit seinem Urteil über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinweg, der gleichlautend mit dem Strafbefehl wegen gefährlicher Körperverletzung sieben Monate auf Bewährung gefordert hatte. Der Richter erkannte dagegen auf Körperverletzung in einem minder schweren Fall, weil der angeklagte Samir F. den Politiker offenbar nicht absichtlich habe verletzen wollen. Fischer war am Ohr getroffen worden und hatte mehrere Wochen unter den Folgen zu leiden.

Samir F. begründete die Tat mit der damaligen Rolle Fischers als "Kriegsaußenminister". Er habe den Politiker deshalb rot markieren wollen und ihn "zur rechten Zeit am rechten Ohr getroffen". Fischer, so der Angeklagte, sei mitverantwortlich für den Tod von 1000 durch die Nato-Bomben im Kosovo ermordeten Zivilisten und für die Verstrahlung von Menschen durch Uranmunition. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert und war der Meinung, in dem Prozess würden die Rollen von Opfern und Tätern vertauscht. Angeklagter, Verteidigung und Staatsanwaltschaft prüfen, ob sie Berufung einlegen.

Fischer selbst war zur Hauptverhandlung nicht geladen. Nach Angaben eines Gerichtssprechers war der Außenminister im Wege der Rechtshilfe bereits in Berlin zu dem Vorfall vernommen worden.



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