Fischsterben: Tausende Karpfen verenden in Thüringen

Ein mysteriöses Massenfischsterben in der Heyda-Talsperre in Thüringen gibt den Behörden Rätsel auf. An den Ufern der Talsperre stinkt es penetrant. 25 Tonnen Fischkadaver wurden bislang aus dem Wasser geborgen.

Talsperre in Thüringen: Tausende Karpfen verendet Fotos
DPA

Ilmenau - Die Idylle an dem beliebten Ausflugsziel ist seit Wochen gestört. In Massen treiben tote Fische mit dem Bauch nach oben in der Heyda-Talsperre nahe Ilmenau (Thüringen). Freiwillige Helfer des Kreisangelverbands sind seit Mitte April dabei, Tausende tote Silberkarpfen mit Keschern aus dem Wasser zu fischen. Am Samstag ging die Bergung weiter, ein Ende ist nicht abzusehen.

Bei einem Krisentreffen sicherten die umliegenden Gemeinden den bisher allein agierenden Anglern am Samstag ihre Hilfe zu. Die ehrenamtlichen Helfer kommen mit dem Abfischen nicht hinterher, es fehlt an Booten.

Landrätin Petra Enders ordnete jetzt an, ab Montag täglich Wasserproben zu nehmen, um mögliche Veränderungen in der Talsperre zu erkennen. Experten sahen am Samstag zunächst jedoch keine Gefahr für das Ökosystem.

25 Tonnen Fischkadaver haben die Freiwilligen bisher aus der Talsperre geholt. Die Helfer schätzen, dass noch einmal so viele tote Fische dazukommen werden. Allein am Samstag bis zum Mittag füllten sie einen 18.000 Liter fassenden Container bis zur Hälfte mit den verwesenden Kadavern.

Warum die Silberkarpfen so plötzlich in Massen verenden, ist noch immer unklar. Erste Untersuchungen konnten keinen Bakterien- oder Virenbefall feststellen, sagte Eckhard Bauerschmidt, Landratsamtssprecher des Ilmkreises. Mysteriös sei, dass es allen anderen Fischen in der Talsperre gutgehe.

In den achtziger Jahren waren Tausende Silberkarpfen in der Talsperre zu medizinischen Zwecken ausgesetzt worden. Aus ihnen wurde ein Serum gewonnen. Bei den nun verendeten Karpfen soll es sich überwiegend um ältere Tiere handeln.

In den vergangenen Jahrzehnten hatte eine Alge mit dem lateinischen Namen Prymnesium parvum weltweit immer wieder Fische massenhaft getötet. In Israel wütete sie in Karpfenteichen, in England zwischen 1969 und 1975 vor allem in der Thurne und ihren Nebenflüssen. 1989 traf es norwegische Aquakulturen, wo plötzlich Lachse und Regenbogenforellen zuhauf starben. 2005 schlug die Killeralge in den USA zu.

hda/dpa

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