Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Brooklyn Bridge: Berliner Künstler bekennen sich zum Flaggentausch

Flaggentausch auf Brooklyn Bridge: Wir waren das! Fotos
AP

Auf der New Yorker Brooklyn Bridge wehte plötzlich Weiß statt Rot-Weiß-Blau, jemand hatte die Flaggen ausgetauscht. Die Polizei fahndete wochenlang. Jetzt haben sich zwei Künstler aus Berlin gemeldet.

New York - Für die New Yorker Polizei war es eine Blamage: In einer nächtlichen Aktion hatten Unbekannte Mitte Juli auf der berühmten Brooklyn Bridge die amerikanischen Flaggen abgehängt und durch weiße ersetzt. Nun haben sich zwei Berliner Künstler zu der Aktion bekannt.

Wie die "New York Times" berichtet, meldeten sich Mischa Leinkauf, 37, und Matthias Wermke, 35, bei einem Reporter der Zeitung. Ihre Aktion habe keinen terroristischen Hintergrund gehabt und sei nicht als antiamerikanisches Statement gedacht gewesen, sie hätten vielmehr die "Schönheit des öffentlichen Raums" feiern und an einen Deutschen erinnern wollen: Der 22. Juli ist der Todestag des deutschstämmigen Ingenieurs John Roebling, der die Brooklyn Bridge konstruiert hat. Er starb 1869, zu Beginn der Bauarbeiten, bei einem Arbeitsunfall.

"Er wanderte in die USA aus, weil er in Deutschland seine Träume nicht verwirklichen konnte", sagte Wermke demnach dem Reporter der "New York Times". "Für uns ist die Brücke ein Symbol für Freiheit und kreative Möglichkeiten."

Vorschriftsgemäß gefaltet

Die beiden Berliner Künstler sind für gewagte, und oft auch illegale, Experimente bekannt. Unter anderem waren sie im Wiener Augarten auf einen Flakturm aus dem Zweiten Weltkrieg geklettert und hatten dort eine Flagge gehisst, die sie aus Warnwesten genäht hatten. Fotos dieser Aktion wurden in einer Kölner Galerie ausgestellt. Auch auf der Brooklyn Bridge waren sie schon einmal: 2007 befestigten sie Ballons an den Streben.

Dass der Flaggentausch nun so viel Aufregung auslösen würde, hätten sie nicht gedacht, sagte Leinkauf: "Wir wollten wirklich nicht die Polizei bloßstellen."

In New York war die Aufregung groß. Schließlich hätte sich auch jemand Zugang zu den abgesperrten Brückenbereichen verschaffen können, der weitaus Schlimmeres im Sinn hat als einen Flaggentausch. Dutzende Ermittler wurden darauf angesetzt, die Flaggenhisser zu finden - bislang hatten sie aber nur deren Spitznamen in Erfahrung bringen können.

Die US-Polizei ging von vier oder fünf Tätern aus. Ob sie noch Komplizen hatten, wollten Leinkauf und Wermke der "New York Times" nicht verraten. Nur so viel: Die weißen Flaggen hätten sie selbst von Hand genäht, mit Stoffbahnen und Sternen in verschiedenen Weißtönen. Und die US-Flaggen hätten sie vorschriftsmäßig gefaltet. Man werde sie demnächst zurückgeben, sagte Leinkauf: "Wir tragen die Konsequenzen. Eine offene Diskussion zu haben ist Teil unserer Arbeit. Wir brauchten nur ein wenig Zeit, um uns unsere Reaktion zu überlegen."

Die beiden überlegen nun, sich einen Anwalt zu nehmen.

vet

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 38 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Ich weiß ja nicht, ob ich das gemacht hätte...
humptata 13.08.2014
In den United States of America mit deren Flagge rumzumachen, erscheint mir hochgradig riskant.
2. Bravo!
flinke_perioden_met_zon 13.08.2014
Die Jungs gefallen mir! Thought provoking. Weiter so!
3. Kunst ist frei
marlang 13.08.2014
Deswegen steht mir auch ein freies Urteil zu: Ich liebe provokative Kunst, aber in den USA an einem nationalen Symbol unbedingt an einen deutschen erinnern zu wollen find ich weder besonders einfallsreich noch provokativ; eher naiv... Man hätte ja auch ohne jeden Nationalgedanken künstlerisch an die Erbauung der Brooklyn Bridge erinnern können; der Nationalgedanke nervt! Ohne Nationalgedanken hätte die Aktion einen wirklich wundervollen Effekt gehabt: Terrorismus-Phobie trifft auf Kunst... Aber das ist nur meine Meinung! Sollte allerdings der Spiegel hinzugefügt haben, dass diese Aktion einem Deutschen galt und es den Künstlern nicht um die Nationalität des Ingenieurs ging, muss ich meinen Kommentar revidieren!
4. Parlamentärflagge
Raseramses 13.08.2014
Man kann ja verstehen, dass die Amerikaner einen terroristischen Hintergrund angenommen haben: Schließlich ist die Weiße Flagge nach der Haager Landkriegsordnung das Zeichen der Kapitulation und der Anerfkennung der Niederlage und darf nicht mißbraucht werden. Das kann die USA ja noch nicht
5. Ojeoje
schmusel 13.08.2014
Ob die die Konsequenzen wirklich tragen wollen? Ausländer die in einen Sperrbereich eindringen und das Star Spangled Banner abhängen UND entführen! Da werden sofort die Handschellen klicken, Termin beim Haftrichter ist bereits gebucht, auf Kaution kommen die nicht mehr raus und der NY district attorney wird gleich mal 10 Jahre Riker's Island fordern. Der Ami versteht mit seiner Flagge keinen Spass. Und sowas wie Kunst und sonstige Aktionen gleich zweimal nicht.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: