Vertauschte Flaggen auf Brooklyn Bridge Die Polizei sieht weiß

Für eine Weile wehten auf der New Yorker Brooklyn Bridge weiße Flaggen statt Stars and Stripes. Die Polizei hat offenbar fünf Verdächtige im Blick. Von ihnen erhoffen sich die Ermittler Antworten: War das ein Scherz, eine Botschaft oder eine Drohung?

AP

New York - Auf den Türmen der Brooklyn Bridge wehen wieder amerikanische Flaggen, die Ordnung auf dem New Yorker Wahrzeichen ist insofern wieder hergestellt. Für die Polizei dagegen noch lange nicht. Es ist eine ziemliche Blamage, dass Unbekannte sich Zugang zu dem Bauwerk verschafften und die US-Fahnen gegen weiße Exemplare tauschen konnten. Schließlich hätten sich auch Leute Zugang verschaffen können, die weitaus Schlimmeres im Sinn haben als einen Flaggentausch.

"Ich bin nicht besonders glücklich über die Sache", sagte Polizeichef William Bratton. "Wir nehmen das nicht auf die leichte Schulter", sagte der stellvertretende Polizeichef John Miller. "Es geht um unerlaubtes Betreten - sie haben sich und andere in Gefahr gebracht. Deshalb ermitteln wir."

Fest steht bislang nur, dass sich vier oder fünf Personen Zugang zu abgesperrten Bereichen der Brücke verschafften. Sie verdunkelten Scheinwerfer, die die US-Flaggen anstrahlten, und ersetzten diese durch gebleichte Versionen der Stars and Stripes.

Täglich mehr als 120.000 Fahrzeuge

Überwachungsvideos zeigen, dass die Unbekannten gegen 3.10 Uhr auf der Brücke zu Fuß unterwegs waren. Rund 20 Minuten später flackerte der Scheinwerfer auf dem Brückenturm Richtung Brooklyn, dann erlosch er. Wiederum zwölf Minuten später ging auch auf dem Turm bei Manhattan das Licht aus. Erst gegen 5.30 Uhr bemerkten Bauarbeiter die weißen Fahnen. Bis wieder US-Flaggen wehten, wurde es Mittag.

Laut "New York Post" kennt die Polizei inzwischen die Spitznamen der Verdächtigen. Dutzende Ermittler arbeiteten daran, die Klarnamen herauszufinden, um die Personen befragen zu können. Im Fokus stehen auch Bauarbeiter und Wartungspersonal - immerhin haben diese Gruppen Zugang zu den für die Öffentlichkeit gesperrten Brückenbereichen.

Täglich benutzen mehr als 120.000 Fahrzeuge, 4000 Fußgänger und 3100 Fahrradfahrer die Brücke. Die US-Flaggen werden etwa alle zwei Monate ausgetauscht.

ulz/AP



insgesamt 20 Beiträge
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Loddarithmus 24.07.2014
1. Und die NSA ...
... hat's trotz zig-Milliardenaufwand nicht verhindern können? Quo vadis, USA? Moribundi estis, wenn ihr den Aufwand nicht verdoppelt!
kjartan75 24.07.2014
2. Beispielhaft
...wird hier die Paranoia sichtbar. Alles und jeder muss pausenlos überwacht werden, denn aus Leuten, die Flaggen hissen, werden schnell Terroristen und Bombenleger. Bezeichnend ist dieser Satz, der den Flaggentausch kommentiert: "...sie haben sich und andere in Gefahr gebracht. Deshalb ermitteln wir" Ah ja, alles klar, Gefahr von einer weißen Flagge.
A_E_Neumann 24.07.2014
3. Es reicht
So kann es doch nicht weitergehen. Wo kommen wir denn hin, wenn jeder irgenbdwo eine weiße Flagge hissen kann. Diese Terroristen sind gefährlich und müssen gestoppt werden. Also ich bin dafür, das wir alle eine Wanze in der Wohnung aufstellen müssen und auch jederseit eine Armband tragen müssen, das uns trackt. Da reicht es nicht, wenn das einige freiwillig machen und die Hardware selbst bezahlen. Nein, da müssen wir von Staats wegen vorgehen. Oder hat jemand was zu verbergen?
PeterLublewski 24.07.2014
4. Jubeln
So eine Flagge zu hissen, ist meiner Ansicht nach in den USA unserer Zeit ein Selbstmordversuch. Derjenige, der den Flaggenhisser ohne Vorwarnung von der Brücke schießt, würde noch als Held bejubelt.
Europa! 24.07.2014
5. Ein Friedenszeichen aus dem Land des Krieges?
Zitat von sysopDPAFür eine Weile wehten auf der New Yorker Brooklyn Bridge weiße Flaggen statt Stars and Stripes. Die Polizei hat offenbar fünf Verdächtige im Blick. Von ihnen erhoffen sich die Ermittler Antworten: War das ein Scherz, eine Botschaft oder eine Drohung? http://www.spiegel.de/panorama/flaggen-auf-brooklyn-bridge-polizei-sucht-nach-verdaechtigen-a-982666.html
Die Hysterie wegen der weißen Fahnen zeigt, wie schwach das amerikanische Selbstbewusstsein in Wirklichkeit ist. Wenn man aufrüstet wie ein Weltmeister, sind weiße Fahnen eben eine Riesenbedrohung. Was nützen all die Raketen, Drohnen, Flugzeugträger und Bomben, wenn am Ende einfach jemand die weiße Fahne hisst.
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