Hurrikan "Florence" "Es könnte Rekordfluten geben"

"Florence" rückt auf die Südostküste der USA zu. Zwar hat sich der Hurrikan inzwischen abgeschwächt, seine Zerstörungskraft ist aber weiter groß. Tausende Menschen bringen sich in Sicherheit.


Der Touristenort Myrtle Beach sieht aus wie eine Geisterstadt: Die Straßen sind wie leer gefegt, die Strandpromenade ist verwaist, die Hotels am Wasser sind geschlossen. An einem Motel verbarrikadieren Arbeiter die Fenster mit Spanplatten, vor vielen Läden liegen Sandsäcke. Viele sind aus dem sonst so belebten Ort in South Carolina geflohen.

Denn Hurrikan "Florence" rückt trotz verminderter Windstärke mit großer Zerstörungskraft auf die Südostküste der USA zu. Mehr als eine Million Menschen sollen dazu aufgerufen worden sein, sich in Sicherheit zu bringen.

Mit Windgeschwindigkeiten von rund 175 Kilometern pro Stunde zieht der Sturm über den Atlantik, wie das Nationale Hurrikan-Zentrum mitteilte. Die Stärke des inzwischen auf Kategorie 2 von 5 herabgestuften Wirbelsturms werde sich nur noch geringfügig ändern, bis er auf Land treffe, hieß es weiter.

Warnung vor lebensbedrohlichen Sturmfluten

Die Behörde warnt dennoch vor lebensbedrohlichen Sturmfluten und heftigen Regenfällen. Meteorologen hatten zuvor nicht ausgeschlossen, dass sich der Sturm zu einem Hurrikan der höchsten Stärke 5 entwickeln, also Windgeschwindigkeiten von mehr als 250 Stundenkilometern erreichen könnte.

Die Menschen an der Südostküste der USA bereiten sich seit Tagen auf die Ankunft des Wirbelsturms vor. "Florence" soll spätestens am Freitagmorgen auf die Küste der Bundesstaaten North Carolina oder South Carolina treffen. Mehrere Bundesstaaten, die nationale Katastrophenschutzbehörde FEMA, die US-Streitkräfte und Versorgungsunternehmen arbeiten rund um die Uhr, um sich für das Schlimmste zu wappnen.

"Es könnte Rekordfluten geben", sagte der amtierende Leiter des Hurrikan-Zentrums, Ed Rappaport. "Es wird ein Sturm werden, an den man sich erinnern wird. Ich hoffe, dass alle am Leben bleiben." Die Behörde warnte, eine lebensbedrohliche Sturmflut sei "sehr wahrscheinlich" entlang Teilen der Küste von North und South Carolina. Überschwemmungen auch über längere Zeiträume würden erwartet. US-Medien verglichen "Florence" schon vor seiner Ankunft mit Wirbelstürmen wie "Katrina", der 2005 Tod und Schrecken über die Südstaaten gebracht hatte.

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Hurrikan "Florence": Gespenstische Ruhe vor dem Sturm

Den Meteorologen gelang es zunächst nicht, den Weg des Hurrikans wegen dessen ungewöhnlicher Kurve exakt zu bestimmen. Je nach Rechenmodell könnten sich in der Schneise des Wirbelsturms neben Hunderttausenden Wohnhäusern bis zu sechs Kernkraftwerke und mehrere Sondermülldeponien befinden. Anlass zur Sorge gebe es wegen der Kraftwerke derzeit nicht, versicherte die Katastrophenschutzbehörde FEMA.

Die Behörden und an ihrer Spitze Präsident Donald Trump forderten die Menschen in der Region noch einmal eindringlich dazu auf, den Anweisungen zur Räumung ihrer Häuser Folge zu leisten. "Spielt keine Spielchen mit ihm. Er ist groß", sagte Trump in einer Videobotschaft über den Wirbelsturm.

Auch viele Tiere mussten in Sicherheit gebracht werden, etwa Wasserschildkröten. Die Wildpferde-Herden auf den Outerbanks vor North Carolina - eine weltbekannte Touristenattraktion - bleiben, wo sie sind. Nach Angaben der Behörden sind die Tiere durch ihre Instinkte gut gerüstet und begeben sich selbstständig außer Gefahr.

"Mike-Tyson-Faustschlag für die Küste von Carolina"

Ein FEMA-Vertreter verglich den Sturm mit der Schlaggewalt eines früheren Schwergewichts-Boxweltmeisters: "Das ist ein Mike-Tyson-Faustschlag für die Küste von Carolina." Die Behörde appellierte an die Menschen, Nothelfer nicht dadurch zu gefährden, dass sie in den bedrohten Gebieten blieben und später gerettet werden müssten. Es gebe genug Notunterkünfte.

Obwohl absehbar ist, dass der Sturm schwere Schäden anrichten dürfte, verbarrikadierten sich aus Furcht vor einer monatelang unmöglichen Rückkehr Hunderte Menschen in ihren Häusern - selbst auf den der Küste vorgelagerten Düneninseln, die den Fluten besonders stark ausgesetzt sein werden. Als sicher gilt, dass Hunderttausende Menschen nach Ankunft des Sturms ohne Elektrizität sein werden. Stromversorger haben Hunderte Spezialkräfte in die Region entsandt, um nach Einsturz von Strommasten die Versorgung wiederherzustellen. Der Energieversorger Duke Energy in North und South Carolina erklärte, in einer bis drei Millionen Haushalten drohe der Strom auszufallen. Eine Reparatur könne Wochen dauern.

Der Wirbelsturm bewegt sich nur langsam vorwärts - zuletzt mit etwa 28 Kilometern pro Stunde. In der Schneise des Hurrikans liegen vor allem North Carolina und South Carolina, weiter nördlich auch Virginia. Die FEMA erklärte, der Hurrikan werde über Land zwar schnell an Kraft verlieren, starken Regen aber auch in Gebiete bringen, die nicht an der Küste liegen. Allerdings halten es die Meteorologen auch für möglich, dass das Zentrum des Sturms an der Küste entlangziehen und somit tagelang schwere Regenfälle in die Region bringen wird, ohne sich nennenswert abzuschwächen.

sen/dpa/AFP



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