Clearwater - Vor sechs Tagen waren die Maschinen abgestellt worden, die Terri Schiavo, 39, am Leben hielten. Seit einem Herzinfarkt war die Frau 13 Jahre lang in einem so genannten Wach-Koma und musste künstlich ernährt werden. Eine Gehirntätigkeit wurde nicht mehr festgestellt.
Jahrelang hatte Ehemann Michael Schiavo dafür gekämpft, dass seine Frau sterben darf. Sie habe nie von lebenserhaltenden Geräten abhängig werden wollen, hatte er argumentiert. Ihre Eltern dagegen wollten die Tochter unter allen Umständen am Leben halten. Sie reagiere auf ihre Umgebung, das Leben sei für sie trotz ihres Zustands lebenswert.
In der vergangenen Woche hatten Richter eine Wiederaufnahme des Verfahrens abgelehnt, damit war der Weg frei für den Tod der Frau: Die Magensonden durften entfernt werden. Ohne Wasser und Nahrung werde Terri Schiavo innerhalb von zehn Tagen eines natürlichen Todes sterben, hatten Ärzte geschätzt.
Nun ist der Sterbeprozess unterbrochen: Jeb Bush hat die Wiederaufnahme der künstlichen Ernährung, die erneute Einsetzung der Magensonde angeordnet. Der Senat stimmte am Dienstag einem entsprechenden Gesetz zu, wenige Minuten später verabschiedete auch das Abgeordnetenhaus die Vorlage. Inzwischen wurde die 39-Jährige in ein anderes Spital verlegt, wo die künstliche Ernährung wieder aufgenommen wurde.
Die Eltern der Wach-Komapatientin zeigten sich hocherfreut von der Entscheidung des Gouverneurs: Das von Bush unterzeichnete Gesetz habe ihm den Glauben an Gott wiedergegeben, sagte Terris Vater, Bob Schindler. "Wir haben gewonnen. Terri hat gewonnen." Der Mann der Kranken sagte dagegen, der Wunsch seiner Frau sei zum Spielball politischer Interessen geworden. Terris Sterbeprozess zu unterbrechen, sei "unmenschlich und barbarisch" sagte sein Anwalt George Felos. Das Gesetz sei verfassungswidrig.
Auch im Senat regte sich Kritik gegen das verabschiedete Gesetz. Die Regierung mische sich in Bereiche ein, die sie nichts angingen, sagte der demokratische Senator Steven Geller. Ein ehemaliger Richter des Obersten Gerichtshofs von Florida, Stephen Grimes, erklärte, er sei nicht sicher, ob die Regelung Bestand haben werde.
Das von Bush unterzeichnete Gesetz beschränkt sich auf Fälle, in denen der Patient kein Testament hinterließ, in einem dauerhaften vegetativen Zustand ist und dessen künstliche Ernährung gegen den Willen eines Angehörigen ausgesetzt wurde.
Michael Schiavos Anwalt hat nun fünf Tage Zeit, um vor Gericht neue Argumente gegen das Bush-Gesetz vorzubringen.
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