Nach Rettungsaktion in Paris "Spiderman" wird Feuerwehrmann

Die heldenhafte Rettung eines Vierjährigen hat das Leben eines Flüchtlings in Paris völlig verändert: Er darf nicht nur Franzose werden, sondern auch Feuerwehrmann. Der Fall löst jedoch auch Kritik aus - an der Regierung.

AFP/ BSPP

Bis vor wenigen Tagen war Mamoudou Gassama ein Flüchtling aus Mali, der sich illegal in Frankreich aufhielt. Er hatte keine gültigen Papiere, keine Arbeitserlaubnis, keine Perspektive und fand kaum Hilfe und Beachtung . Dann wurde der 22-Jährige "Spiderman" - und plötzlich zeigt ihm Frankreich ein anderes Gesicht.

Gassama hatte mit einer spektakulären Kletteraktion ein Kleinkind gerettet, das von einem Balkon zu fallen drohte. Videoaufnahmen davon machten die Runde im Netz. Das brachte dem 22-Jährigen nicht nur den Spitznamen "Spiderman" ein, sondern bedeutete auch eine Kehrtwende in seinem Leben.

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"Held von Paris": Berühmter Feuerwehrmann in spe

Gassama darf nun weiter seine Qualitäten als Helfer in der Not unter Beweis stellen - bei der Pariser Feuerwehr. Der 22-Jährige hat einen Vertrag über ein zehnmonatiges Praktikum unterzeichnet, wie der "Guardian" berichtet. Dafür erhalte er eine Vergütung von 600 Euro im Monat.

Gassama muss sich außerdem keine Sorgen mehr um seinen Aufenthaltsstatus machen. Dem Bericht zufolge soll er innerhalb der nächsten drei Monate die französische Staatsbürgerschaft erhalten.

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Präsident Emmanuel Macron hatte den 22-Jährigen persönlich empfangen, seinen Mut gelobt und anschließend getwittert, er habe Gassama ermutigt, einen Antrag auf Einbürgerung zu stellen. Zudem versprach Macron: "Alle Papiere werden in Ordnung gebracht."

Kritik: Beispiel Gassama wird "schamlos" ausgenutzt

Wohltätigkeitsorganisationen, die sich um Flüchtlinge kümmern, haben danach scharfe Kritik an der französischen Regierung geübt: Sie nutze den Fall "schamlos" für PR-Zwecke aus, um von ihrem harten Durchgreifen gegenüber Flüchtlingen abzulenken."Das ist schon etwas zynisch", sagte Claire Rodier von der Flüchtlingsorganisation GISTI.

Es gebe einen Widerspruch zwischen dem Umgang mit Gassama und der "repressiven Politik dieser Regierung gegenüber Migranten und Flüchtlingen ohne Papiere". Die Regierung solle nicht nur Gassama helfen, sondern auch Tausenden Flüchtlingen, die unter äußerst schwierigen Bedingungen ohne staatliche Unterstützung im Land lebten.

Ein Sprecher der Regierung wies die Kritik laut "Guardian" zurück: Wer die Regierung nun beschuldige, hätte auch Vorwürfe erhoben, wenn sie im Fall von Gassama nicht gehandelt hätte. Am Morgen war in Paris ein großes Migranten-Zeltlager geräumt worden. Lesen Sie hier mehr dazu.

Gassama war dem "Guardian" zufolge als Jugendlicher von Mali über Libyen in einer lebensgefährlichen Fahrt übers Mittelmeer nach Italien geflüchtet. Vier Jahre später ging er zu seinem Bruder nach Frankreich. Außerhalb von Paris lebte er dem Bericht zufolge in einer überfüllten Flüchtlingsunterkunft, wo er abends zum Schlafen eine dünne Matratze auf dem Boden ausrollte.

fok



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