Syrische Flüchtlinge in Jordanien "Nichts hat sich für sie verändert"

Muhammed Muheisen porträtierte vor zwei Jahren das syrische Flüchtlingsmädchen Zahra - es wurde das Unicef-"Foto des Jahres". Jetzt hat er Zahra in Jordanien wiedergetroffen.

Muhammed Muheisen/ UNICEF

Von Felix Keßler


Wieder ist da dieser Blick. Direkt in die Kamera. Fragend, fordernd, anklagend. Vor zwei Jahren wirkte das Foto des syrischen Flüchtlingsmädchens Zahra vielleicht noch ein wenig zuversichtlich. Jetzt, zwei Jahre später, scheint die Hoffnung der Enttäuschung vollends gewichen.

Tausenden Kindern, die vor dem Syrienkrieg geflohen sind und nun in einem Camp in einem der Nachbarländer leben, geht es so wie Zahra. Sie sind Kinder ohne Kindheit. Bereits Ende 2017 ging ein Porträtfoto von Zahra um die Welt. Der jordanische Fotograf Muhammed Muheisen hatte mit der Aufnahme den Unicef-Wettbewerb "Foto des Jahres" gewonnen.

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Flüchtlinge: Zahra und ihre Familie

Jetzt, zwei Jahre später, war Muheisen wieder bei Zahras Familie. In der Zwischenzeit hat er Kontakt gehalten und die Entwicklung des Mädchens beobachtet. Heute sagt der Fotograf: "Nichts hat sich für sie verändert, und wenn doch, dann zum Schlechteren."

Zahra könne noch immer nicht zur Schule gehen, weil sie keinen Platz in einem der Bildungsprogramme bekomme. Ein Schicksal, das sie mit Tausenden Kindern teilt. Weil Spendengelder fehlen, müssten die Programme nun sogar noch weiter zurückgefahren werden, sagt Unicef-Sprecherin Ninja Charbonneau. "Einige unserer Bemühungen stehen auf der Kippe."

Laut einer Mitteilung musste Unicef Jordanien "wegen zu geringer internationaler Unterstützung" mehrere seiner Bildungsprogramme kürzen. Derzeit erhalten demnach nur noch 10.000 statt vorher 55.000 Kinder aus syrischen Familien in Jordanien eine monatliche Unterstützung, um den Schulbesuch zu ermöglichen. Für Kinder in abgelegenen informellen Siedlungen könne kein Schulbus mehr finanziert werden, so Unicef in einem Spendenaufruf.

Auch Zahra harrt mit ihren Eltern und ihren insgesamt acht Geschwistern in einer Zeltsiedlung aus - ohne Perspektive auf eine Zukunft mit Bildung und eine halbwegs normale Kindheit. "Zahra ist traumatisiert", sagt Muheisen, "mittlerweile ist sie auch resigniert."



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