Flüchtlingsdrama Dutzende Menschen sterben vor der Küste Maltas

Es ist eine der schlimmsten Flüchtlingstragödien der vergangenen Jahre: Vor der Insel Malta sind vermutlich 70 Menschen aus Afrika ums Leben gekommen, nachdem ihr Boot voll Wasser gelaufen und gesunken war. Nur acht Flüchtlinge überlebten das Unglück.


Rom/Brüssel - Ein Fischerboot war ihre Rettung: Unter den Überlebenden der Katastrophe ist ein 15 Jahre alter Junge. Er wurde gemeinsam mit den anderen Geretteten nach Malta gebracht. Die Einwanderer aus Somalia und Eritrea berichteten den Behörden, dass sich insgesamt 78 Menschen auf ihrem Boot befunden hätten. Unter den Vermissten seien vier Frauen, von denen drei schwanger gewesen seien, sowie ein Kind.

Die Flüchtlinge waren vor einer Woche in Libyen gestartet. Kurz darauf hatten sie nach Angaben der Überlebenden den Motor ihres Bootes im Meer verloren. Sie trieben dann hilflos in der schweren See. Zudem gingen den Flüchtlingen nach zwei Tagen die Lebensmittel aus, wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa am Donnerstag berichtete.

Die Überlebenden erzählten, dass einige ihrer Mitreisenden an Erschöpfung gestorben, andere von den hohen Wellen aus dem Boot gerissen worden seien. Seit Montag sei zudem immer mehr Wasser in das Boot eingedrungen, bis es schließlich südlich der Insel Malta gesunken sei.

Ein deutscher Hubschrauber der EU-Grenzagentur Frontex sucht seit Mittwoch nach den Vermissten und hat bereits drei leblose Körper im Meer gesichtet. Wegen schlechter Wetterbedingungen konnten die Leichen aber zunächst nicht geborgen werden.

Weitere 260 Flüchtlinge erreichten am Donnerstag die italienischen Küsten. Allein auf Sardinien seien rund 200 Immigranten angekommen, weitere 60 landeten auf Lampedusa und auf Sizilien. Seit vergangener Woche sind weit über tausend Einwanderer in Italien eingetroffen.

Nach Angaben unabhängiger Organisationen sind allein im Juni mindestens 185 Menschen bei dem Versuch gestorben, in die EU zu gelangen. 173 Flüchtlinge starben demnach zwischen Afrika und Europa in der Straße von Sizilien.

Auch im Juli seien Einwanderer auf dem Weg in die EU ums Leben gekommen, teilte die Organisation PICUM (Platform for International Cooperation on Undocumented Migrants) am Donnerstag in Brüssel mit. Nach vorläufigen Angaben nationaler Vereine und Verbände, die bei PICUM mitarbeiten, wurden im Juli 61 Todesfälle bekannt.

han/dpa



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