Unglücksflug 7K9268 Was für eine Fluglinie ist Kogalymawia?

Auf der Sinai-Halbinsel sind 224 Menschen mit der russischen Airline Kogalymawia abgestürzt. Schon vor vier Jahren kam es zu einem schweren Unglück auf einem Flughafen in Sibirien.

Unglücksmaschine A321 von Kogalymawia: Abgestürzt am frühen Morgen
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Unglücksmaschine A321 von Kogalymawia: Abgestürzt am frühen Morgen


6.13 Uhr, Sinai-Halbinsel, Flug 7K9268 verschwindet vom Radar. Ein paar Stunden später ist gewiss: Die Maschine der russischen Gesellschaft Kogalymawia auf dem Weg aus dem ägyptischen Ferienort Scharm al-Scheich nach Sankt Petersburg ist abgestürzt. Überlebt hat wohl keiner der 224 Menschen an Bord. Was für eine Fluglinie ist Kogalymawia, mit welchen Flugzeugen ist sie unterwegs?

Im Allgemeinen hat der Luftverkehr in Russland und anderen Ex-Sowjetstaaten keinen guten Ruf in punkto Sicherheit. Manche Unglücke russischer Flugzeuge führen Experten auf überalterte Maschine zurück, aber auch auf ungenügende Ausbildung der Crews, vernachlässigte Flughäfen und fehlende staatliche Kontrollen. Und auf Profitstreben auf Kosten der Sicherheit.

Die 1993 gegründete Gesellschaft Kogalymawia hat ihren Sitz in Kogalym in Westsibirien. Der Ort war erst acht Jahre zuvor im Zuge der Erschließung der Region für die Ölförderung erbaut worden, der Flughafen entstand 1991. Die Airline hieß damals noch Kolavia und flog von den beiden Flughäfen Kogalym und Surgut innerrussische Ziele an.

Am 1. Januar 2011 kam es auf dem Flughafen Surgut zu einem Unglück: Eine Tupolew Tu-154B von Kolavia fing kurz vor dem Start noch auf dem Rollfeld Feuer, an Bord waren 126 Passagiere und acht Crew-Mitglieder. Innerhalb weniger Minuten brannte die 28 Jahre alte Maschine, drei Menschen starben, 32 wurden verletzt. Ein Fehler in der Elektrik sollte die Brandursache gewesen sein.

Unglücksjet war 18 Jahre alt

Im Mai 2012 riefen Kogalymawia und die russische Tochtergesellschaft von TUI Travel, TUI Russia & CIS, das Joint-Venture Metrojet ins Leben - der Name Kolavia wurde geändert. Drei Airbus A321-200 wurden damals in TUI-Farben verziert, Uniformen für die Crew neu entworfen. Flüge vom Moskauer Flughafen Domodedovo unter anderem zu beliebten Zielen in der Türkei, nach Österreich, Italien und nach Spanien stehen seitdem auf dem Programm - auch die ägyptischen Flughäfen Scharm al-Scheich und Hurghada werden angeflogen. Im August 2014 wurde die Zusammenarbeit im Streit beendet.

Bis zum Unglück am Samstag flogen nach Information der Datenbank ch-aviation fünf A321 für die Marke Metrojet. Zwei weitere Bombardier Challenger 850 werden von Kogalymawia für VIP-Charterflüge eingesetzt. Die Unglücksmaschine ist eine A321-231, registriert unter EI-ETJ.

Ausgeliefert wurde sie an Middle East Airlines im Libanon und flog seither für Onur Air, Saudi Arabian Airlines und seit 2012 für Metrojet. Letzteres bestätigte der Flugzeugbauer Airbus. Das Flugzeug ist 18 Jahre alt und hat insgesamt rund 56.000 Flugstunden auf fast 21.000 Flügen hinter sich gebracht. Zum Vergleich: Das Durchschnittsalter der Lufthansa-Flotte beträgt zurzeit knapp elf Jahre.

Nach Angaben von Airbus hat das Unternehmen bis September 2015 mehr als 1150 Maschinen diesen Typs ausgeliefert. Das Kurz- und Mittelstreckenflugzeug A321 ist die etwas größere Ausführung des Passagierjets A320. Die Versionen unterscheiden sich vor allem in ihrer Länge und damit im Platzangebot. Im 44,51 Meter langen A321 können bis zu 220 Fluggäste befördert werden. Die Reichweite des seit 1993 fliegenden Jets wird mit 7400 Kilometern angegeben. Damit sind auch Transatlantikflüge möglich.

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Russischer Airbus: Absturz auf der Sinai-Halbinsel
Die russischen Behörden haben inzwischen die Büros von Kogalymawia in Moskau untersucht und Dokumente sichergestellt, berichtet die staatliche Fernsehstation Rossija 24. Russlands Verkehrsbehörde Rostransnadzor will laut Interfax überprüfen, ob die Fluglinie die Flugsicherheitsrichtlinien eingehalten hat. Auch checkt die Untersuchungskommission Kerosinproben vom letzten Tankstopp der Maschine in Samara.

Beim Krisenmanagement hatte Kogalymawia keine gute Figur gemacht. Noch mittags machten Firmenvertreter den Angehörigen falsche Hoffnungen. Einen Absturz könnten sie derzeit nicht bestätigen, diktierten sie russischen Reportern.

abl/dpa/Reuters

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