Flug-Abenteurer Von Steve Fossett fehlt noch jede Spur

Seit anderthalb Tagen ist Steve Fossett verschollen. Der weltberühmte Abenteurer verschwand, als er mit einer Kleinmaschine über dem US-Bundesstaat Nevada unterwegs war. Er soll auf der Suche nach dem Schauplatz für einen neuen Rekord gewesen sein.


Reno - Betont optimistisch geben sich die Einsatzleiter, die in der Wüste von Nevada die Suchaktion nach dem verschwundenen Abenteurer Steve Fossett organisieren. Schließlich ist es nicht das erste Mal, dass von dem 63-Jährigen jede Spur fehlt. 30 Meilen legte er einst zu Fuß zurück, als er nach einer Notlandung Hilfe holen musste.

Doch die Mannschaft, die das unwirtliche, 20.000 Quadratkilometer große Gebiet in Nevada aus der Luft absucht, macht sich auch keine Illusionen. "Es ist ein ziemlich großer Heuhaufen", sagte Major Cynthia S. Ryan von der Zivilen Luftfahrtbehörde dem Nachrichtensender CNN. "Und so ein Flieger ist zweifelsohne eine kleine Nadel." Ein Freund habe Fossett als vermisst gemeldet, sagte ein Sprecher der Bundesluftfahrtbehörde. Die Suche gestalte sich schwierig, da Fossett offenbar keinen Flugplan erstellt habe.

Am Montagnachmittag war Steve Fossett verschwunden, nachdem er mit seiner einmotorigen Maschine in der Nähe der Ortschaft Yerington in Nevada aufgebrochen war. Fossett hatte Treibstoff für vier bis fünf Flugstunden im Tank, heißt es bei CNN. Fossett habe ein Funkgerät an Bord gehabt, aber nach seinem Start mit niemandem Kontakt aufgenommen. Sechs Stunden, nachdem er losgeflogen war, begann die Suchaktion. Heftige Winde erschwerten ihre Arbeit. Hubschrauber, die Nationalgarde und die Polizei unterstützen sie. Bisher wurde kein Notsignal aufgefangen, wie es bei einem harten Aufprall üblich ist.

"Steve war in südlicher Richtung unterwegs", sagte Cynthia S. Ryan CNN, "er war auf der Suche nach ausgetrockneten Flussbetten, weil er was ganz bestimmtes für die Zukunft plante." Ryan zufolge will Fossett mit einem Landfahrzeug einen neuen Geschwindigkeitsrekord aufstellen.

Das zweisitzige Flugzeug vom Typ Citabria Super Decathlon, in dem Fossett unterwegs war, werde häufig für Flugakrobatikmanöver benutzt, hieß es. CNN-Informationen zufolge trägt Fossett keinen Fallschirm bei sich.

Fossett, der als erster Mensch allein die Erde in einem Heißluftballon umrundet hat, stellte mit seinen wagemutigen Abenteuern bislang mehr als hundert Weltrekorde auf. Zuletzt flog er im Jahr 2005 allein und ohne Zwischenstopp in einem Flugzeug gut 42.000 Kilometer einmal um die Welt. Außerdem schwamm er durch den Ärmelkanal, durchquerte mit dem Hundeschlitten Alaska, bestieg Achttausender und umrundete mit dem Segelschiff den Globus.

Dabei entging der Abenteurer so manches Mal nur knapp dem Tod. So stürzte er 1998 mitten in einem Sturm mit seinem Ballon fast 9000 Meter in das Korallenmeer nordöstlich von Australien. "Meine Güte, ich werde sterben", dachte er damals. Er wurde schließlich von einem Schiff aufgenommen und gerettet. Im Juli wurde Fossett in die Hall of Fame der Luftfahrt in Ohio aufgenommen. Er sagte in seiner Dankesrede, er habe seine Karriere als Abenteurer keinesfalls schon beendet. So wolle er im November nach Argentinien reisen, um dort einen Rekord mit einem Segelflugzeug zu brechen. Das Weltall hat dagegen noch nie einen Reiz auf den Millionär ausgeübt. Er wolle nur in den Weltraum fliegen, wenn er die Raumfähre selbst steuern dürfte. "Ich bin einfach kein Passagier."

Sein langjähriger Freund John Kugler beschrieb Fossett als einen umsichtigen und gut ausgebildeten Piloten. Das bestätigte auch Jeff Stolzer vom Forscherclub in New York, deren Mitglied Fossett ist. "Er plant alles ganz akribisch", sagte Stolzer. "Steve ist ein alter Haudegen", schrieb laut CNN Richard Branson, Chef von Virgin Atlantic - jenem Konzern, der einst die Weltumrundung gesponsert hatte. "Ich vermute, er wartet gerade neben seinem Flugzeug auf jemanden, der ihn abholt. Steve hatte schon viel größere Herausforderungen zu meistern."

pad/ffr/AFP/AP



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