Flug MH370 Verschollene Boeing drehte früher ab als angenommen

Auf der Suche nach der verschollenen Malaysia-Airlines-Maschine im Indischen Ozean ist es den Ermittlern offenbar gelungen, den Kurs der Boeing 777 weiter einzugrenzen. Grundlage ist ein Anruf auf einem Satellitentelefon der Crew.

Verschollene Boeing 777 der Malaysia Airlines (am 5. Februar 2014 über Polen): Suchgebiet unverändert
REUTERS

Verschollene Boeing 777 der Malaysia Airlines (am 5. Februar 2014 über Polen): Suchgebiet unverändert


Sydney - Es ist eine mühselige Arbeit, der die Ermittler im Fall der seit März verschollenen Boeing 777 nachgehen. Bis heute wurde keine physische Spur der Malaysia-Airlines-Maschine gefunden; nur indirekt können die Experten den Flugverlauf von MH370 rekonstruieren - über Radardaten und über sogenannte Handshakes, die die Maschine mit einem Kommunikationssatelliten der Firma Inmarsat austauschte.

Insofern ist es zwar nur ein Puzzlestück, aber womöglich ein durchaus bedeutsames, von dem Australiens Vizepremierminister Warren Truss jetzt vor Reportern berichtete. Demnach ist es Ermittlern offenbar gelungen, den Kurs der Maschine weiter einzugrenzen. Neue Daten würden nahelegen, "dass das Flugzeug ein bisschen früher nach Süden abdrehte, als wir bislang angenommen hatten".

Grundlage dieser Erkenntnis ist laut Truss ein fehlgeschlagener Anruf auf einem Satellitentelefon. Mit diesem hatte Malaysia Airlines versucht, Kontakt zur Crew aufzunehmen, nachdem das Flugzeug von den Radarschirmen verschwunden und die Kommunikation mit der Besatzung abgerissen war. Zwar scheiterte dieser Versuch, doch anhand der Daten des Anrufs ließ sich jetzt offenbar die Flugroute präzisieren.

Wende an der Nordwestspitze Sumatras

Bei der von Truss angesprochenen Kursänderung nach Süden geht es nicht etwa um jene Momente, in denen Flug MH370 erstmals von der geplanten Route nach Peking abwich. Zum Zeitpunkt des Anrufs war die Boeing 777 bereits lange nach Westen abgedreht und hatte weite Teile der Straße von Malakka überflogen. An der nordwestlichen Spitze der Insel Sumatra soll es schließlich zu der Wende Richtung Süden gekommen sein - um dieses letzte nachvollziehbare Manöver geht es den Ermittlern.

Der Zeitpunkt der Kursänderung könnte deshalb entscheidend sein, weil er in die Berechnungen zum wahrscheinlichsten Absturzort über dem Indischen Ozean einfließt. Ausgehend von diesen Kalkulationen wurde ein 60.000 Quadratkilometer großes Gebiet eingegrenzt, in dem das niederländische Unternehmen Fugro Survey ab September unter Wasser nach Wrackteilen suchen soll.

Vizepremier Truss sagte vor Reportern zwar, das Suchgebiet solle ungeachtet der neuen Erkenntnisse unverändert bleiben. Martin Dolan, Chef der australischen Transportsicherheitsbehörde ATSB, kündigte allerdings an, er werde in der kommenden Woche mit internationalen Experten beratschlagen, ob das Areal erweitert oder nach Süden verschoben werden müsse.

Abkommen über Aufteilung der Kosten unterzeichnet

Dolan zufolge befand sich das Flugzeug offenbar bereits auf südlichem Kurs, als die Airline versuchte, ihre Crew per Telefon zu erreichen. Weniger als 20 Minuten zuvor war Flug MH370 vom Militärradar verschwunden. Bislang habe man bei den Modellen zum weiteren Flugverlauf die Möglichkeit berücksichtigen müssen, dass die Maschine relativ spät nach Süden abgedreht sei, sagte Dolan. Diese Option könne man nun wohl ausschließen.

Australiens Vizepremier Truss und Malaysias Transportminister Liow Tiong Lai unterzeichneten unterdessen ein Abkommen, das die Aufteilung der Kosten zwischen beiden Staaten regelt. Die Unterwassersuche nach Flug MH370 ist auf ein Jahr ausgelegt und wird mit geschätzten 48 Millionen Dollar extrem teuer. Fugro Survey setzt drei Schiffe mit Unterwasser-Schleppsonden ein, um die Blackbox oder wenigstens Trümmerteile der Boeing zu finden.

"Die Ermittlungen zur Absturzursache können nicht fortgesetzt werden, bis diese Suchaktion ein Ergebnis gebracht hat", sagte Liow. "Wir müssen das Flugzeug und die Blackbox finden, um die Untersuchung abschließen zu können."

Das Flugzeug mit 239 Menschen an Bord war am 8. März kurz nach dem Start in Kuala Lumpur vom Radar verschwunden. Malaysia leitet offiziell die Untersuchungen, weil die Maschine dort registriert ist. Australien koordiniert jedoch die Suchaktion im südlichen Indischen Ozean, wo das Wrack der Boeing vermutet wird.

rls/AP

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insgesamt 74 Beiträge
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Seite 1
schwerpunkt 28.08.2014
1.
"Die Ermittlungen zur Absturzursache können nicht fortgesetzt werden, bis diese Suchaktion kein Ergebnis gebracht hat" Äh?! Wie bitte? Dann sollten die Absturzursache doch nun fortgesetzt werden können. Immerhin hat man ja bisher keine Ergebnisse.
Synerga 28.08.2014
2. falsche Bildunterschrift?!
(Am 5 Februar 2014 über Polen )
farbraum 28.08.2014
3.
Warum heißt eine Fluggesellschaft bei SPON eigentlich neuerdings nur noch Airline? Und warum wurde der Rest des Artikels nicht gleich in englischer Sprache verfasst (=größere Reichweite)? Das soll verstehen wer will, ich kapier es jedenfalls nicht!
Hans58 28.08.2014
4.
Als einer, der von Anfang an sich an den Diskussionen zur MH370 hier im Forum beteiligt, habe ich immer mehr Verständnis für "Verschwörungstheoretiker". Monate nach dem Verschwinden wird bekannt, dass MAS per Satellitentelefon versucht hat, die Crew erfolglos zu erreichen. Die Verbindungsdaten (Datum, Uhrzeit) werden vom Satellitenbetreiber gespeichert, auch dann, wenn keine Verbindung zu Stande kommt. Mit diesen Daten hat man in etwa auch die Position des vergeblich angerufenen Teilnehmers. Sowohl die neue Abdrehposition (Nordwestspitze Sumatras) als auch die 20-minütige Flugzeit seit dem letzten militärischen Radarsignal sind in sich nicht schlüssig, da zuvor andere "Radarpositionen" von der malaysischen Luftwaffe bekannt gegeben wurden.
weißbrot 28.08.2014
5.
Zitat von Synerga(Am 5 Februar 2014 über Polen )
Was soll daran falsch sein?
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