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Ermittlungen zu Flug MH370: Der letzte Funkspruch des Co-Piloten

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Flug MH370: Irgendwie, irgendwo, irgendwann Fotos
AP/The Royal Malaysian Navy

"Alles klar, gute Nacht": Der letzte Funkspruch der verschollenen Boeing wurde offenbar vom Co-Piloten abgesetzt - davon geht die Fluggesellschaft Malaysia Airlines inzwischen aus. Worauf konzentrieren sich nun die Ermittlungen? Ein Überblick.

Hamburg - Das Rätsel um die Malaysia-Airlines-Maschine ist auch mehr als eine Woche nach ihrem Verschwinden ungelöst. Was geschah mit MH370? Um den Geisterflug ranken sich etliche Spekulationen. Offizielle Angaben wurden später revidiert. Details, die zunächst als unwichtig erachtet wurden, geraten in den Fokus. Ein Überblick über den aktuellen Stand der Ermittlungen.

Auf wen konzentrieren sich die Ermittlungen?

Wegen des gezielten Abschaltens zweier Kommunikationssysteme gehen die Ermittler davon aus, dass eine Person mit Know-how dafür verantwortlich ist. Daher überprüfen die Ermittler derzeit die Piloten und die Crewmitglieder - und jeden Passagier, der eventuell Kenntnisse über die Luftfahrt gehabt haben könnte. Neben Sabotage oder einer Entführung sehen die Ermittler auch persönliche Probleme als mögliche Motive.

  • Im Zentrum der Ermittlungen steht nun der junge Co-Pilot Fariq Abdul Hamid. Lokalen Medien zufolge jemand, der es mit den Vorschriften nicht immer allzu genau nahm (er soll einmal zwei Frauen ins Cockpit eingeladen haben). Die malaysischen Behörden gehen nun davon aus, dass der 27-Jährige den letzten Funkspruch um 1.19 Uhr (Ortszeit) absetzte: "Alles klar, gute Nacht." Ein Teil der Kommunikationssysteme soll zu dem Zeitpunkt bereits abgeschaltet gewesen sein.
  • Ermittler untersuchen derzeit auch den Flugsimulator von Pilot Zaharie Ahmad Shah. Der 53-jährige Vater dreier Kinder gilt als erfahrener Pilot - und als Technikfreak. Fotos seines Simulators postete er in sozialen Medien.
  • Die malaysische Polizei überprüft der Nachrichtenagentur Reuters zufolge auch einen Luftfahrtingenieur, der als Passagier an Bord der Boeing war. Bei dem 29-Jährigen soll es sich demnach um einen Malaysier handeln, der laut eigenen Angaben bereits für ein privates Charter-Unternehmen gearbeitet hat.

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Wie weit könnte das Flugzeug gekommen sein?

Das letzte Lebenszeichen von Flug MH370 gab es um 8.11 Uhr in Form eines "Pings" - sieben Stunden und 31 Minuten nach dem Start der Maschine in Kuala Lumpur. Von wo genau die letzten Daten gesendet wurden, ist unklar. Die Ermittler konzentrieren sich auf zwei mögliche Flugrouten:

  • Ein nordwestlicher Flugkorridor führt über den Norden Thailands, über Indien und Pakistan zur Grenze von Kasachstan und Turkmenistan. Experten wenden jedoch ein, dass die nördliche Route über Länder mit geschäftigen Lufträumen führe - ein unbemerktes Überqueren sei also eher unwahrscheinlich. Kasachstan meldete nun, keine unrechtmäßigen Flugobjekte in seinem Luftraum entdeckt zu haben. Und auch Kirgisien hält es für ausgeschlossen, dass die Boeing den Luftraum des Landes durchkreuzte.

  • Daher sei die Flugbahn Richtung Südwesten wahrscheinlicher. Diese Strecke führt über Indonesien westlich an Australien vorbei. Nach Angaben von Malaysian Airlines hatte die Maschine genug Treibstoff, um bis zu acht Stunden in der Luft zu bleiben. Möglicherweise ging Flug MH370 über dem Indischen Ozean der Treibstoff aus, hieß es aus US-Ermittlerkreisen. Dort könnte die Maschine abgestürzt sein.

Mittlerweile helfen rund 25 Nationen bei der Suche nach der Maschine. Malaysia hat bei fast allen auch Satellitenbilder und Radaraufzeichnungen angefragt. Die Suche im Südwesten hat Australien übernommen.

Warum können die Kommunikationssysteme überhaupt abgeschaltet werden?

Sowohl der Transponder als auch das ACARS-Kommunikationssystem von Flug MH370 sollen abgeschaltet worden sein. Fakt ist: Beide Systeme können im Cockpit deaktiviert werden. Warum funken sie nicht permanent? "Der Transponder bleibt an der Parkposition ausgeschaltet, weil er sonst die Flugsicherung nur stören würde", sagt Jörg Handwerg, Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit. Das System werde erst eingeschaltet, sobald die Triebwerke in Gebrauch seien. Bedient wird das Gerät abhängig vom Typ zum Beispiel per Drehschalter - von off auf on. "Man muss nicht studiert haben, um den Transponder zu bedienen", sagt der Experte. "Das kann man in der Bedienungsanleitung des Flugzeugs nachlesen - oder sogar im Internet."

Auch beim ACARS-Kommunikationssystem - ein Datenfunksystem, über das auch die Piloten Informationen beziehen - gibt es eine Möglichkeit, per Hand die Sicherung zu ziehen. "Das ist wichtig, falls das System mal spinnt oder ein Kurzschluss vorliegt", sagt Handwerg. Im Gegensatz zum Transponder sei ACARS stets in Betrieb wenn das Flugzeug mit Strom versorgt wird. Am Wochenende hatte es seitens der Regierung geheißen, das System sei zum Zeitpunkt des letzten Funkspruchs bereits ausgeschaltet gewesen. Nun sagte der Chef von Malaysia Airlines, man wisse nicht, wann ACARS danach ausgeschaltet wurde.

Um was für Gebiete handelt es sich?

Sollte die Boeing tatsächlich in den Indischen Ozean gestürzt sein, dürfte es schwierig werden, Wrackteile zu finden. Gerade der südliche Teil des Meeres gehört zu den tiefsten der Welt. Es gibt wenige Gebiete, die per Radar erfasst werden. Zudem gibt es an der Oberfläche starke Strömungen, die Trümmer binnen Stunden viele Kilometer mitreißen können. Um dort Überbleibsel von Flug MH370 zu finden, müsste die Suchflotte erheblich aufgestockt werden, mahnen Experten.

Wie wahrscheinlich ist es, dass Flug MH370 irgendwo landete?

Die Theorie einer Flugzeugentführung hat vielen Angehörigen Hoffnung gegeben, die Maschine könnte irgendwo sicher gelandet sein. Experten halten dies jedoch für unwahrscheinlich. Auch bei einer Entführung gehe er weiter von einem Absturz aus, sagte der chinesische Luftfahrtexperte Zhang Qihuai. Cockpit-Sprecher Handwerg hält eine solche Variante ebenfalls für wenig realistisch.

Mit Material von AP und Reuters

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insgesamt 176 Beiträge
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1. Es
crocodil 17.03.2014
ist mir ein Rätsel, warum keine Aufklärung erfolgt. Es müsste doch ein GPS an Bord gewesen sein , wo man genau den Standpunkt lokalisieren konnte. Was ist mit den Satelittenüberwachungssystemen der USA? Die könnten doch auch dazu beitragen, eine Erklärung für den Absturz zu bringen. Bei dem heutigen Stand der Technik ist es doch normalerweise unmöglich ein Flugzeug einfach zu "verlieren".
2.
jupp78 17.03.2014
Wie kommen die eigentlich immer auf diese beiden Flugrouten? Dazu habe ich bislang noch keine Erklärung gelesen.
3. Die Routen/Korridore sind unrealistisch
fallbeilspiel 17.03.2014
wenn man mal von der letzten Radarbeobachtung in der Strasse von Malakka ausgeht. Für mich die wahrscheinlichste Version: Kurz nach dem Start in Kuala Lumpur bittet der Copilot eine Stewardess, einen Bekannten von Sitz xyz doch mal ins Kokpit zu bringen - falls der wach sei. Der ist natürlich wach, kommt ins Kokpit und tötet gemeinsam mit dem Copiloten den Piloten. Anschließend ziehen sich beide Druckanzüge an, der copilot schaltet beim Übergang in den Vietnamesischen Luftraum den Transponder aus und fliegt die Maschine auf 13.700 Meter hoch. http://edition.cnn.com/video/data/2.0/video/bestoftv/2014/03/15/ac-flight-simulation.cnn.html Dabei kommen alle Passagiere und Stewardessen in der Kabine wegen des Unterdrucks um; jetzt gibt es keine Zeugen mehr. Die Maschine fliegt durch Nord-Malaysia; da sie nahe der Grenze zu Thailand fliegt und keine wichtigen Regionen Malaysias (z.B. Hauptstadt) berührt, steigen keine Abfangjäger auf. Anschließend geht es hinaus auf den Indischen Ozean. Dort fliegt sie zwischen den Malediven und den Chagos-Inseln hindurch nach Westen und vermeidet so jeden Radarkontakt. Die Maschine landet auf einem abgelegenen Flugfeld in Somalia. AlQuaida-Truppen räumen die Leichen und ihr Gepäck aus dem Flugzeug - statt über 20 Tonnen Passagiere und Gepäck soll die Maschine mit nur 2 Tonnen Plastiksprengstoff ihren letzten Flug von der relativ kurzen Startbahn antreten. Ziel: einen Großtanker in der Strasse von Hormus zu versenken und die weltweite Ölversorgung zu stören. Bis dahin dauert es aber noch eine Weile, weil erst die Kerosin-Mengen zum abgelegenen Flugplatz geschafft werden müssen. Alles Spekulation, aber das Ganze riecht nach einem zweiten 9/11.
4.
phboerker 17.03.2014
Als ich das letzte mal auf einen Globus geschaut habe, lag Australien noch südötlich von Malaysia. Oder drehen sich auf der Südhalbkugel auch West und Ost um?
5.
spon-facebook-10000072034 17.03.2014
Gibt nun eine neue Theorie über das verschwundene Flugzeug und seine Flugroute: http://keithledgerwood.tumblr.com/post/79838944823/did-malaysian-airlines-370-disappear-using-sia68 Demnach hat sich MH370 mit deaktivierten Transponder (und damit unsichtbar für deren Kollisionswarnung) an den Flug SIA68 von Singapore Airlines angenähert und ist sozusagen hinter diesem über den Luftraum von Indien/Pakistan/Afghanistan usw. geflogen.
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Italien 1 (gestohlener Pass)
Österreich 1 (gestohlener Pass)
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