Chaos am Flughafen Hamburg "Information??? Null!"

Lange Schlangen, fehlende Lüftung und kaum Informationen: Am Hamburger Flughafen herrschte nach einem Stromausfall Ausnahmezustand, der Betrieb wurde eingestellt. Wie es am Montag weitergeht, soll am frühen Morgen feststehen.

Ayla Mayer

Chaos am Flughafen Hamburg: Nach einem Stromausfall ist der Betrieb eingestellt worden. Der Flughafen benötige eine "redundante Stromversorgung", um einen gesicherten Flugbetrieb durchzuführen, hieß es auf Facebook. Und die war am Sonntag offenbar nicht gegeben.

Am Sonntagabend waren auf der Homepage des Hamburg Airport auch für den Montag mehr als ein Dutzend gestrichene Flüge aufgelistet. Es seien die Airlines, "die entscheiden, ob ein Flug stattfindet oder gestrichen wird", twitterte der Flughafen.

Weil durch den Stromausfall etliche Maschinen seit Sonntagvormittag nicht mehr in der Hansestadt landeten, konnten auch nicht alle Flugzeuge wie vorgesehen über Nacht auf dem Flughafengelände bleiben und für Montagfrüh startklar gemacht werden. Am Sonntagabend war zunächst unklar, ob am Montag wieder Starts und Landungen möglich sind. Der Flughafenbetreiber teilte auf Twitter mit, man werde am frühen Montagmorgen um 3 Uhr entscheiden, ob der Flughafen öffnet.

Der Flughafen bat die Passagiere, sich über die sozialen Netzwerke auf dem Laufenden zu halten. Dort seien die ganze Nacht über aktuelle Informationen abrufbar.

Am Sonntag ab 10 Uhr vormittags konnten am "Hamburg Airport - Helmut Schmidt" keine Flugzeuge mehr starten oder landen. 37 Starts und 24 Ankünfte gab es einer Flughafensprecherin zufolge am Sonntag - danach ging nichts mehr. Mit dem Kurzschluss waren Lichter, Sicherheitsschleusen, Schalter, Rolltreppen, Gepäckbänder und auch das Belüftungssystem ausgefallen. Der Flughafen wurde zunächst geräumt, hunderte Passagiere mussten sich vor dem Gebäude aufhalten. Später durften sie wieder hinein. Flugzeuge, die am Vormittag noch im Anflug auf Hamburg waren, mussten umgeleitet werden.

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Hamburger Flughafen: Kein Strom, kein Flugbetrieb

Einer Sprecherin zufolge war der Stromausfall auf einen Kurzschluss zurückzuführen. Zunächst hatten die Techniker nicht eingrenzen können, wo genau sich der Störfall ereignet hatte. Am Abend teilten die Betreiber des Flughafens dann mit, dass man die Ursache gefunden habe, ohne weitere Details zu nennen.

Es sei zu keiner Brandentwicklung durch den Kurzschluss gekommen. Für eine Analyse mussten nach Angaben der Sprecherin sämtliche Systeme herunter- und wieder hochgefahren werden.

"Die Informationspolitik des Flughafens war katastrophal", sagt SPIEGEL-ONLINE-Mitarbeiterin Ayla Mayer, die ursprünglich um 12.35 Uhr nach Mallorca fliegen sollte. Es seien nur wenige Airport-Mitarbeiter unterwegs gewesen, die lediglich erklärt hätten, dass es technische Probleme gebe und man um Verständnis bitte. Es habe zudem nur sporadische Durchsagen gegeben, die sehr schlecht zu verstehen waren. Weil sie auf einen Flug am Nachmittag umbuchen konnte, der bis zuletzt nicht von der Airline gestrichen wurde, sei sie mit Kind am Flughafen geblieben - auch, weil ihr Koffer schon eingecheckt war. Den durfte sie nun wieder mitnehmen.

Mayer stand laut eigener Aussage am frühen Nachmittag in einer etwa 300 Meter langen Schlange vor dem Security-Check. Das Licht habe funktioniert, die Belüftungsanlage allerdings nicht, so dass es sehr heiß in dem Gebäude gewesen sei. Immerhin sei zwischenzeitlich Wasser an die Reisenden verteilt worden.

"Das geht so nicht!", klagte eine ältere Dame über den spärlichen Informationsfluss. Versuche, telefonisch Auskünfte von den Fluggesellschaften zu erhalten, endeten zunächst in der Warteschleife. Andere wurden damit vertröstet, dass der gebuchte Flug noch nicht komplett abgesagt sei. Auch in den sozialen Medien wurde vielerorts Kritik laut am Vorgehen des Airports.

Rund 30.000 Fluggäste sollen betroffen gewesen sein. Für diesen Sonntag geplant waren insgesamt 400 Starts und Landungen. Der Airport Hamburg gilt mit mehr als 17 Millionen Passagieren jährlich als fünftgrößter in Deutschland.

Immer wieder kommt es weltweit zu schwerwiegenden Stromausfällen an Flughäfen. Ausgerechnet kurz vor Weihnachten war vergangenes Jahr der Internationale Flughafen von Atlanta im US-Bundesstaat Georgia davon betroffen. Nichts ging mehr am passagierreichsten Flughafen der Welt, tausende Fluggäste saßen dort fest. Im September davor sorgte ein Stromausfall am Flughafen von Sydney für Chaos, hunderte von Passagieren waren betroffen. Im Juni strapazierte ein Stromausfall am Brüsseler Flughafen die Nerven der Fluggäste - von denen viele wie in Hamburg zeitweise im Freien ausharren mussten.

ala/dpa

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